Babytragehilfen im Überblick: Ein Ratgeber für Eltern

Die Auswahl an Tragesystemen für Babys kann überwältigend sein. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, wurde diese Übersicht erstellt. Sie dient als grobe Orientierung im „Tragehilfe-Dschungel“ und stellt die gängigsten Tragesysteme vor, bewertet nach spezifischen Kriterien. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Übersicht auf persönlichen Tests und Erfahrungen basiert. Für den Kauf einer Tragehilfe wird das Testen vorab dringend empfohlen, idealerweise in einer persönlichen, unabhängigen Trageberatung oder durch das Bestellen eines Testpaketes im Internet.

Babys werden als Traglinge geboren. Das Tragen ist nicht nur ein Grundbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit, das Babys beruhigt, sondern fördert auch ihre psychische Entwicklung und sorgt für Mobilität. Darüber hinaus ist das Tragen gut für die Hüftentwicklung, vorausgesetzt, es erfolgt korrekt. Alle Babytragen, bei denen die Blickrichtung nach vorne geht, sollten grundsätzlich gemieden werden, da dies Risiken für die psychische Entwicklung birgt und physiologisch ungesund ist.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Tragesysteme: das Tragetuch, das einfach gewickelt und verknotet wird, und die „fertige“ Babytrage. Beide sind gute Lösungen, wenn die ergonomischen Kriterien erfüllt werden.

Schema der ergonomischen Anhock-Spreiz-Haltung (M-Position) bei Babys

Tragetücher und ihre Varianten

Tragetücher sind äußerst vielseitig und bieten eine weiche, anschmiegsame Tragemöglichkeit. Das Binden, das anfänglich als kompliziert empfunden werden kann, ist schnell erlernbar. Wickelanleitungen sind online zahlreich verfügbar oder können von einer Hebamme gezeigt werden.

Der klassische Sling

Der Sling ist ein kurzes Tragetuch aus gewebtem Stoff, etwa 1,50 - 2,00 Meter lang. Auf einer Seite sind zwei Metallringe eingenäht, die andere Seite ist abgeschrägt. Die offene Seite wird durch die Ringe gefädelt, um einen Kreis zu bilden. Ein Tipp ist, die Trageseite regelmäßig zu wechseln, um einseitige Belastungen zu vermeiden.

Bewertung des Slings:

  • Das Rückenteil entspricht nur bedingt den Eigenschaften einer guten Tragehilfe, da die obere Kante aus Baumwollstoff nicht querelastisch ist und das Köpfchen des Babys nicht optimal stützen kann. Dies wird durch nicht durchgehend angenähte Ringe verstärkt, die die Kopfkante nicht straffen lassen. Empfehlung: ab guter Kopfkontrolle.
  • Als Tipp wird vorgeschlagen, das zu einem Band zusammengenähte Ende abzuschneiden und neu zu säumen.
  • Die Abspreizung & Anhockung entspricht dem Verhältnis, ist aber stark vom Tragenden abhängig.
  • Der Steg neigt aufgrund mangelnder Fixierung zum Zusammenrutschen, was ebenfalls figurabhängig ist.
  • Es ist schwierig für Laien, die richtige Festigkeitseinstellung zu finden, um weder zu straff zu binden noch das Kind einsacken zu lassen.
  • Aufgrund des nicht anpassungsfähigen Rückenteils wird der Sling erst ab Sitzalter empfohlen.

Der Ringsling, z.B. von Hoppeditz, ist eine perfekte Tragetuch-Variante für den schnellen Einsatz. Durch die simple Mechanik der Doppelringe lässt er sich einfach und sicher anlegen und sorgt für die empfohlene orthopädisch-korrekte Anhock-Spreiz-Haltung. Ein Nachteil ist die einseitige Schulterbelastung für den Tragenden. Familien nutzen den Sling oft für kurzfristige Überbrückungsmaßnahmen.

Wrap Conversion

Wrap Conversion sind Tragehilfen, die vollständig aus Tragetuchstoff gefertigt sind. Sie verfügen über ein mehr oder weniger rechteckiges Rückenteil, einen Hüftgurt und Träger zum Knoten, die nicht gepolstert sind. Der Tipp hierbei ist, dass man mit guter Auseinandersetzung mit dem Material bei jeder Größe des Kindes eine ideale Bindeweise finden kann. Sie sind oft bis zu sehr großen Größen nutzbar, durch das Auffächern der Träger.

Fertige Babytragen: Vielfalt und Funktionalität

Fertige Babytragen bieten oft eine einfachere Handhabung und zusätzliche Funktionen.

Mei Tai

Der Mei Tai ist eine Tragehilfe mit Ursprung im asiatischen Raum. Er besteht aus einem mehr oder weniger rechteckigen Rückenteil, meist mit Abnähern, geraden Trägern und einem Hüftgurt zum Knoten. Der Name „Mei Tai“ ist ein Oberbegriff, und die Qualität hängt von der Beachtung der Kriterien einer guten Tragehilfe ab.

Die Mei Tai Babytrage vereint die Elastizität eines Tragetuchs mit der einfachen Handhabung einer klassischen Trage. Das Baby sitzt von Geburt an in der optimalen Anhock-Spreiz-Haltung. Flexible Einstellungsoptionen und eine verstellbare Kopfstütze sorgen für optimalen Sitz und Stabilität. Der Mei Tai ist als komfortable Langzeit-Tragehilfe konzipiert und passt sowohl großen als auch kleinen Trägern.

Halfbuckle

Der Halfbuckle ist eine Mei Tai Tragehilfe mit einem Schnallen- oder Klettbauchgurt und gepolsterten Trägern zum Binden. Vorteile sind das schnelle Binden und die einfache Anpassung beim Wechsel zwischen verschiedenen Tragepersonen. Er ist am besten geeignet, wenn das Kind schon einige Monate alt ist und an Gewicht zunimmt.

Fidella bietet mit der Fidella FlyClick Babytrage eine gute Halfbuckle-Trage an, die der Handhabung der Limas ähnelt. Die LIMAS Babytrage ist eine Hybrid-Tragelösung, die einfache Handhabung mit Kuscheligkeit verbindet und ab Geburt bis ca. Größe 86 (LIMAS Plus ab Größe 62 bis 104) nutzbar ist.

Fullbuckle

Der Fullbuckle ist im Grunde ein Mei Tai mit einem Bauchgurt und Trägern, die beide mit Schnallen geschlossen werden. Das Rückenteil ist oft mit Abnähern versehen, um sich dem Kind besser anzupassen. Er gilt als eine der Tragehilfen, die das Gewicht auf die Hüften ableitet.

Hersteller- und Modellbeispiele für Fullbuckles:

  • Manduca: Verfügt über einen Sitzverkleinerer, wodurch sie manchmal von Geburt an verwendet werden kann (Empfehlung des Herstellers: ab 3500g). Eine integrierte Rückenverlängerung dient bei größeren Kindern zur Erweiterung und bei kleineren als Kopfstütze. Die Stegbreite ist nicht stufenlos einstellbar, kann aber mit Zubehörteilen angepasst werden.
  • Ergobaby: Ähnlich der Manduca, mit einem integrierten, per Klett verstellbaren Neugeborenen-Einsatz. Die Ergobaby Embrace ist speziell für Neugeborene weich gestaltet. Bei zarten Personen können die Träger auf dem Rücken verschränkt werden.
  • Baby Björn: Bekannt für Modelle, die Manduca und Ergobaby ähneln. Der Stoff wird als sehr fest beschrieben, der Steg ist durch Klett auf unterschiedliche Größen einstellbar und die Trage sitzt angenehm am Rücken des Tragenden.
Vergleich verschiedener Fullbuckle-Tragehilfen mit ihren Merkmalen

Komforttragehilfe / Allround-Tragehilfe

Die Komforttragehilfe ist eine Fertigtragehilfe mit Hüftgurt, Trägern und Schnallen. Die Neugeborenen-Einsätze sind eher für kurze Anwendungszeiten im wachen Zustand des Kindes gedacht; ab Sitzalter wird eine bessere Stützung empfohlen. Bei kleinen Babys ist der obere Rückenbereich oft nicht gestützt.

Der Ergobaby wird frühestens ab 4 Monaten empfohlen, da der Neugeborenen-Einsatz aus Sicht der Autorin nicht zum Tragen von Babys geeignet ist, da er keine ergonomische Haltung und Stützung bietet und die Gefahr der Überhitzung erhöht ist. Ohne den Einsatz hat das Kind freie Atemwege. Das Tragen nach vorne sollte nur minimal und bei wachen, fitten Kindern an ruhigen Orten erfolgen. Der Steg kann durch Abbinden stufenlos verstellt werden.

Der Ergobaby Omni Breeze, Adapt Softflex Mesh, Aerloom und Embrace Soft Air Mesh sind Beispiele für atmungsaktive Mesh-Babytragen, die die Luftzirkulation verbessern und das Schwitzen reduzieren können.

Die Manduca Babytrage wird ebenfalls als gut bewertet. Sie verfügt über einen Sitzverkleinerer und kann dadurch manchmal von Geburt an verwendet werden (Empfehlung des Herstellers: ab 3500g). Die integrierte Rückenverlängerung dient bei größeren Kindern zur Erweiterung und bei kleineren als Kopfstütze. Die Stegbreite ist nicht stufenlos einstellbar, kann aber mit Zubehörteilen angepasst werden.

Der Baby Björn baut ebenfalls ein, dem Manduca und dem Ergobaby ähnelndes Modell. Der Stoff wird als sehr fest beschrieben, der Steg ist durch Klett auf unterschiedliche Größen einstellbar und die Trage sitzt angenehm am Rücken des Tragenden.

Der Marsupi trägt sich extrem angenehm und ist aufgrund seiner langen Klettverschlüsse unkompliziert und superschnell anzulegen. Er ist in drei Größen erhältlich, was jedoch ein Nachteil sein kann, wenn beide Elternteile unterschiedlich groß sind. An die Klettverschlüsse muss man sich erst gewöhnen.

Die Babytrage Bondolino von Hoppediz ist aus querelastischem Stoff eines Babytragetuchs gemacht, der sich dem Kind anpasst. Dadurch ist der orthopädisch korrekte Sitz jedoch nicht immer sichergestellt.

Spezielle Tragehilfen

Onbu

Der Onbu hat seinen Ursprung im japanischen Raum und besteht aus einem Rückenteil und Trägern, jedoch ohne Bauchgurt. Vorteile sind das schnelle und einfache Anlegen wie ein Rucksack sowie seine Kompaktheit. Ein Nachteil ist die Gefahr, dass zu viel Druck auf Becken und Nacken ausgeübt wird, weshalb ein guter Schnitt, der zum Tragenden passt, besonders wichtig ist. Der Onbu ist ein guter Begleiter für laufende Kinder, deren Beine zwischendurch müde werden.

Podeagi

Der Podeagi stammt aus Korea und ist eine Tragehilfe ohne Hüftgurt. Er hat ein annähernd rechteckiges, sehr langes Rückenteil, an dem die Trägergurte waagerecht angenäht sind. Ein quer elastischer Stoff als Rückenteil passt sich besser an.

Zwillings-Tragehilfen

Der Minimonkey Twin erleichtert das Tragen von Zwillingsbabys. Die Kinder sitzen darin besser als bei manchen anderen Modellen, da individuellere Einstellungen möglich sind. Dennoch eignet sich diese Trage nur für einen begrenzten Zeitraum. Viele Zwillingseltern entscheiden sich aufgrund der größeren Flexibilität eher für (zwei) Tragetücher oder Ringslings, da so viele Tragekombinationen möglich sind.

Illustration von verschiedenen Tragekombinationen für Zwillinge mit Tragetüchern

Der Hüftsitz: Eine Alternative für ältere Babys

Für Kinder, die bereits sicher und stabil sitzen können und sich aktiv festhalten, kann ein Hüftsitz eine gute Ergänzung sein. Er entlastet Arme und Rücken, da das Gewicht auf der Hüfte verteilt wird. Hüftsitze sind schnell angelegt und platzsparend.

Vorteile von Hüftsitzen:

  • Deutliche Entlastung für Rücken und Arme.
  • Schnelligkeit im Alltag, ideal für kurze Wege und oftmaliges Hochnehmen.
  • Flexibilität für Kinder, die viel laufen, aber auch getragen werden möchten.
  • Mehr Nähe ohne vollständigen Trageaufbau.
  • Platzsparende Ergänzung zu Kinderwagen und Volltrage.

Grenzen von Hüftsitzen:

  • Nicht für lange Strecken oder wenn die Hände komplett frei sein müssen.
  • Nicht geeignet, wenn das Kind noch nicht stabil sitzen kann.
  • Kann beim Sitzen drücken, wenn er nicht abgenommen wird, oder beim Bücken im Weg sein.
  • Es braucht einen Moment, um die richtige Position am eigenen Körper zu finden.

Arten von Hüftsitzen:

  1. Reiner Hüftsitz: Ein stabiler Hüftgurt mit einer festen oder halbfesten Sitzfläche. Gut für kurze Wege. Die Hände sind nie ganz frei.
  2. Hüftsitze mit anknöpfbarem Oberteil: Bieten mehr Sicherheit und Entlastung, da das Gewicht auch über die Schultern verteilt wird. Sie sind jedoch komplexer.
  3. Hybridmodelle: Lassen sich vom reinen Hüftsitz bis zur kompletten Trage umbauen.

Worauf beim Kauf eines Hüftsitzes zu achten ist:

  • Sicherheit: Ein stabiler Verschlussgurt mit sicherer Schnalle.
  • Material: Fest genug für guten Halt, aber nicht zu hart. Atmungsaktive Stoffe sind wichtig.
  • Pflege: Abziehbare, waschbare Bezüge sind von Vorteil.
  • Größe und Passform: Der Hüftgurt muss zum Körper passen.
  • Alltagstauglichkeit: Schnelles Anlegen, idealerweise mit einer Hand.

Ein Hüftsitz kann eine wertvolle Ergänzung im Alltag sein, wenn er die richtigen Kriterien erfüllt und zur Lebenssituation der Familie passt.

Häufige Vorurteile und Fakten zum Babytragen

Es gibt einige verbreitete Vorurteile rund um das Thema Babytragen. Hier sind die Fakten:

  1. Rückenschmerzen: Wenn die Babytrage Rückenschmerzen verursacht, sitzt sie wahrscheinlich nicht richtig. Eine ergonomische, gut angepasste Trage sollte den Rücken nicht belasten, sondern kann sogar die Körperhaltung und Rumpfstärke verbessern.
  2. Gefahr bei Stürzen: Das Tragen im Arm birgt bei einem Sturz eine größere Gefahr als das Tragen in einer gut sitzenden Tragehilfe, bei der das Baby eng am Körper anliegt und instinktiv geschützt wird.
  3. Abhängigkeit und Schlaf: Babys sind Traglinge. Häufiges Tragen ist für ihre Entwicklung vorteilhaft. Sie lernen auch, im eigenen Bett zu schlafen, wenn sie unabhängiger werden.
  4. Überhitzung im Sommer: Die Nähe zum Körper hilft dem Baby, seine Temperatur zu regulieren. Wichtig ist, das Baby nicht zu warm anzuziehen, vor direkter Sonne zu schützen und für ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Atmungsaktive Mesh-Tragen können zusätzlich helfen.
  5. Fehlende Reife: Babys werden physiologisch frühgeboren, um den Geburtskanal passieren zu können. Das Tragen außerhalb des Mutterleibs unterstützt diese natürliche Nachreifung, vorausgesetzt, es erfolgt in der M-Position und mit entsprechender Rückenstützung.
  6. Kälte im Winter: Babys können auch im Winter problemlos getragen werden. Die Tragehilfe ersetzt mindestens eine Schicht Kleidung, und alles, was herausschaut, sollte separat geschützt werden. Bei Betreten warmer Räume sollte das Baby entsprechend ausgezogen werden. Tragecover oder Tragejacken bieten zusätzlichen Schutz.
  7. Einfachheit des Tragens: Viele Tragetücher lassen sich innerhalb von Sekunden an- und ausziehen. Das Ausprobieren verschiedener Tragehilfen und Bindetechniken hilft, die passende Lösung zu finden.

Mit der richtigen Tragehilfe erleichtert sich der Alltag erheblich, das Baby profitiert, die Hände bleiben frei, und der Rücken wird geschont.

Babytrage Rookie Premium Anleitung | 1 Minute

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