Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung zwischen Mutter und Embryo während der Schwangerschaft. Nach der Geburt wird diese Verbindung durchtrennt, was als "Abnabeln" bezeichnet wird. An der Stelle, wo die Nabelschnur durchtrennt wurde, verbleibt ein kurzer Rest, der sogenannte Nabelschnurstumpf. Dieser trocknet im Laufe der Zeit ein und fällt schließlich von selbst ab. Bis dahin ist eine sorgfältige Nabelpflege entscheidend, um Infektionen und Entzündungen vorzubeugen.
Der Prozess des Abfallens des Nabelschnurstumpfes
Nach der Geburt wird die Nabelschnur mit einer Nabelklemme abgeschnürt und durchtrennt. Das Baby spürt dabei keinen Schmerz, da die Nabelschnur keine Nerven enthält. Übrig bleibt ein etwa wenige Zentimeter langer Nabelrest. Sobald der Nabel nicht mehr blutet und eingetrocknet ist, meist nach 24 bis 48 Stunden, kann die Nabelklemme von der Hebamme entfernt werden. Zurück bleibt ein kleiner Hautstummel, der weiter eintrocknet und schrumpft. Seine Farbe verändert sich von gelblich über bräunlich bis hin zu schwarz-bräunlich. In der Regel fällt der Nabelschnurrest zwischen dem dritten und zwanzigsten Tag nach der Geburt von selbst ab. Ein leichter, trockener Geruch ist dabei normal. Bei starkem, unangenehmem Geruch kann dies jedoch ein Hinweis auf eine Infektion sein.

Nach dem Abfallen des Nabelschnurrestes bleibt eine kleine Wunde zurück, die in der Regel innerhalb weniger Tage heilt. Es ist jedoch wichtig, die Stelle weiterhin sauber und trocken zu halten.
Anleitung zur Nabelpflege vor dem Abfallen des Stumpfes
Die Nabelpflege ist keine komplizierte Angelegenheit und erfordert keine speziellen Pflegeprodukte. Das Wichtigste ist, den Nabel sauber und trocken zu halten. Es gibt zwei gängige Methoden der Nabelpflege, die oft in Absprache mit der Hebamme gewählt werden:
Die "offene" Variante:
Bei dieser Methode wird darauf geachtet, dass der Nabel möglichst viel Sauerstoff bekommt. Dies kann durch eine entsprechende Positionierung der Windel erreicht werden, indem der vordere Teil der Windel immer umgeschlagen wird, sodass der Nabel frei liegt. Dies verhindert auch, dass Urin und Kot den Nabel erreichen.
Die "geschlossene" Variante:
Manche Hebammen empfehlen, den Nabel mit einer Kompresse oder Nabelbinde trocken zu halten, besonders wenn die Nabelklemme noch angebracht ist. Wichtig ist dabei, dass die Kompresse oder Binde stets trocken gehalten und regelmäßig gewechselt wird.
Die Entscheidung für eine der beiden Varianten sollte gemeinsam mit der Hebamme getroffen werden, basierend auf deren Erfahrungen und der individuellen Situation des Babys.
Schritte zur täglichen Nabelpflege:
- Hände waschen: Vor jeder Berührung des Nabels ist es unerlässlich, die Hände gründlich mit Seife zu waschen, um die Übertragung von Keimen zu vermeiden.
- Reinigung: Zur Reinigung wird meist eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung empfohlen, da diese dem Salzgehalt im Blut entspricht. Ein Wattestäbchen wird in die Lösung getränkt und damit vorsichtig die Nabelgegend gereinigt. Alternativ kann auch handwarmes, abgekochtes Wasser verwendet werden.
- Trocknen: Nach der Reinigung muss der Nabel vorsichtig trocken getupft werden, am besten mit einem sauberen, weichen Tuch oder einer sterilen Mullwindel. Reiben sollte dabei vermieden werden. Anschließend sollte der Nabel an der Luft trocknen, bevor das Baby wieder angezogen wird.
- Wundsekret entfernen: Während der Heilungsdauer kann es zu austretendem Wundsekret kommen. Dieses sollte regelmäßig und ganz vorsichtig entfernt werden.
- Windelposition beachten: Der vordere Teil der Windel sollte immer umgeschlagen werden, um den Nabelbereich frei zu halten und Reibung zu vermeiden. Dies schützt den Nabel vor Verunreinigungen durch Urin und Kot.
- Berührung vermeiden: Um unnötige Reizungen zu verhindern, sollte der Nabelbereich so wenig wie möglich berührt werden.
Spezielle Pflegeprodukte wie Tinkturen, Öle oder Puder sind in der Regel nicht erforderlich. Die Kochsalzlösung ist in der Apotheke erhältlich, während Wattepads und Tücher in Drogerien oder Supermärkten zu finden sind.
Nabelpflege nach dem Abfallen des Nabelstumpfes
Auch nachdem der Nabelschnurrest abgefallen ist, ist es wichtig, die Nabelpflege fortzusetzen. Der Bereich um den Nabel kann noch empfindlich sein und sich entzünden. Die Reinigung sollte weiterhin behutsam erfolgen, und der Nabel muss trocken gehalten werden.
Baden: In den ersten zwei Lebenswochen muss das Baby noch nicht gebadet werden. Viele Eltern warten mit dem ersten Bad, bis der Nabelstumpf abgefallen ist. Nach dem Baden sollte die übrige Feuchtigkeit um den Nabel herum vorsichtig entfernt werden, indem der Nabel auseinandergezogen und die Stelle mit einem weichen Tuch abgetupft wird. Der Nabel sollte danach gut an der Luft trocknen können.
Die gleichen Grundsätze wie vor dem Abfallen gelten auch danach: Hände waschen, Nabel trocken halten, Windel umschlagen und Kontakt mit Urin und Kot vermeiden.
Nabelpflege bei Neugeborenen
Wann zum Arzt? Anzeichen für Komplikationen
Obwohl die Nabelpflege meist unkompliziert verläuft, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Es ist wichtig, auf folgende Anzeichen zu achten und im Zweifelsfall immer eine Hebamme oder einen Kinderarzt zu konsultieren:
- Rötung der Haut um den Nabel: Eine leichte Rötung kann normal sein, aber wenn sie sich ausbreitet, intensiv wird oder sich warm anfühlt, kann dies auf eine Entzündung hindeuten.
- Schwellung und Schmerzempfindlichkeit: Eine geschwollene oder verhärtete Haut um den Nabel, die bei Berührung schmerzhaft ist, sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Unangenehmer Geruch oder Austritt von Flüssigkeit: Ein schlechter Geruch oder gelbliche, grünliche oder blutige Flüssigkeit, die aus dem Nabel austritt, kann auf eine Infektion hindeuten.
- Fieber: Steigt die Körpertemperatur des Babys über 38 °C, könnte dies ein Zeichen für eine sich ausbreitende Infektion sein.
- Allgemeines Unwohlsein: Wenn das Baby ungewöhnlich schläfrig, gereizt ist oder schlecht trinkt, kann dies ebenfalls ein Hinweis auf eine Infektion sein.
- Anhaltende Blutung: Ein leichter Blutverlust beim Abfallen des Nabels ist normal. Bei anhaltender oder starker Blutung sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Nabelgranulom: Dies sind knotenartige Gewebeneubildungen, die aufgrund einer Entzündung entstehen können. Zwar kann die Hebamme hier oft mit homöopathischen Mitteln helfen, eine Abklärung durch den Kinderarzt ist jedoch ratsam.
- Nabelbruch (Nabelhernie): Ein kleiner Nabelbruch ist bei Babys häufig und heilt meist von selbst. Bei Unsicherheiten sollte jedoch der Kinderarzt konsultiert werden.
- Nabel heilt nicht ab: Wenn der Nabel nach drei Wochen noch nicht vollständig verheilt ist, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Keinesfalls sollten alkoholhaltige Lösungen zur Desinfektion verwendet werden, es sei denn, dies wird ausdrücklich vom Kinderarzt empfohlen. Alkohol kann die Heilung verzögern und die Haut reizen.
Die Nabelpflege ist eine wichtige, aber meist unkomplizierte Aufgabe, die Eltern dabei hilft, ihr Neugeborenes gesund und sicher in die Welt zu begleiten. Bei Fragen oder Unsicherheiten steht die Hebamme oder der Kinderarzt jederzeit beratend zur Seite.
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