Bereits im Mutterleib werden Kinder durch aktive Eltern positiv geprägt. Nach der Geburt möchten wir Eltern dabei unterstützen, den natürlichen Bewegungsdrang ihres Babys zu fördern. Der Ratgeber „Babys in Bewegung“ bietet hierfür in 20 Folgen einfache Bewegungsaufgaben für zu Hause und vermittelt Wissenswertes zur motorischen Entwicklung von Kindern bis zwei Jahren. Jede Folge konzentriert sich auf einen spezifischen Bereich der motorischen Entwicklung, wie beispielsweise die Bedeutung des Gleichgewichts für die kindliche Entwicklung und wie Kinder lernen, dieses zu halten. Der Ratgeber liefert anschaulich erklärte Bewegungsideen, die Eltern mit ihren Kindern zu Hause nachmachen können. Schon mit einer zusammengerollten Decke lässt sich die Entwicklung des Gleichgewichtssinns im eigenen Wohnzimmer anregen. Alle Folgen sind kostenfrei auf der Website oder dem YouTube-Kanal der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg abrufbar.

Die Entwicklungsschritte Ihres Babys im Detail
Frühe Reflexe und erste Körperkontrolle (0-3 Monate)
In den ersten Lebenswochen zeigen Babys noch viele Reflexe. Der Greifreflex lässt im Alter von 1-2 Monaten nach, und das Baby hält seine Händchen zunehmend geöffnet. Anfangs ist der Körper meist in Fötusposition eingerollt, später entwickelt sich mehr Strampeln und Bewegung. Erst mit etwa 3 Monaten können Babys ihren Kopf in den meisten Situationen eigenständig aufrecht halten. In Bauchlage kann das Baby mit 3 Monaten seinen Kopf hochhalten und sich auf Händchen oder Ellenbogen stützen.
Entwicklung der Grob- und Feinmotorik (4-10 Monate)
Im Alter von etwa 5 Monaten beginnt das Baby, sich vom Bauch auf den Rücken zu drehen, und bald darauf auch umgekehrt. Mit ca. 6 Monaten lernt das Baby das Greifen über die Körpermitte. Die Feinmotorik entwickelt sich weiter: Babys spielen gerne mit ihren Fingern und Zehen. Zwischen dem 7. und 8. Monat entwickeln sie den Scherengriff, bei dem sie mit Daumen und Zeigefinger greifen. Im Alter von 8 bis 10 Monaten wenden Babys verschiedene Formen der Fortbewegung an, wie Krabbeln, Robben oder Rutschen. Mit 9-10 Monaten können sie sich eigenständig aufsetzen und sitzen.
Fortgeschrittene motorische Fähigkeiten (ab 9 Monate)
Ab 9 Monaten wird der vollständige Pinzettengriff erlernt, was das Greifen mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger ermöglicht. Babys lernen auch, Dinge willentlich loszulassen. Etwa ab 11 Monaten können sich Babys zum Stehen hochziehen und ihr Gewicht tragen. Erste Schritte erfolgen mit Festhalten, und sie beginnen, an Möbeln entlangzugehen. Der Zangengriff, bei dem das Kind mit gebeugtem Daumen und Zeigefinger greift, entwickelt sich ebenfalls, und das Kind kann beispielsweise Perlen aufheben und einsortieren. Mit etwa 11 Monaten können Kinder frei laufen, anfangs noch unkontrolliert, aber mit zunehmender Übung sicherer und mit gleichmäßigen Schritten. Mit Festhalten können sie bereits Treppen steigen.
Baby Laufen Lernen - 10 Schritte ★ Kinder Fördern ★ 9-12+ Monate ★ BabyEntwicklung & Bauchlage
Babygebärdensprache: Eine Brücke zur Kommunikation
Die Babygebärdensprache ermöglicht es Säuglingen, ihre Bedürfnisse schon Monate vor der Fähigkeit zu sprechen mitzuteilen. Sie verwendet vereinfachte Handgesten, oft abgeleitet von der American Sign Language (ASL), um vor-sprachlichen Säuglingen die Kommunikation zu erleichtern. Babys verstehen Sprache lange, bevor sie sie sprechen können. Das Lehren von Gebärden erfordert fokussierte, eins-zu-eins-Interaktion und kann helfen, Frustration und Wutanfälle zu reduzieren, da Säuglinge Zeichen als primäre Kommunikationsmethode annehmen.
Wann und wie beginnt man mit Babygebärden?
Sie können Ihr Baby von Geburt an Zeichen aussetzen, um eine Grundlage zu legen. Viele Experten empfehlen, mit der Babygebärdensprache im Alter von 6 bis 8 Monaten zu beginnen, da dies mit der Zeit übereinstimmt, in der Babys typischerweise Gesten wie Winken und Klatschen nachahmen. Ältere Babys und Kleinkinder lernen Zeichen oft schneller, da ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten weiter entwickelt sind. Es ist wichtig, die Zeichen mit dem gesprochenen Wort zu paaren und Augenkontakt zu halten. Die ersten Zeichen Ihres Babys müssen nicht perfekt sein; die enthusiastische Reaktion der Eltern ist entscheidend.
Die ersten Zeichen und ihre Bedeutung
Einige der ersten empfohlenen Zeichen sind:
- Milch: Eine Faust machen und sie öffnen und schließen, als ob man eine Kuh melkt. Dieses Zeichen wird vor und während jeder Fütterung verwendet.
- Mehr: Die Fingerspitzen beider Hände wiederholt aneinander tippen.
- Alles fertig/Fertig: Beide Hände mit den Handflächen nach außen hochhalten und sie vor und zurück drehen.
- Essen: Die Fingerspitzen zusammenbringen und an die Lippen tippen.
- Hilfe: Eine flache Hand auf eine Faust legen und beide nach oben heben.

Verzögert Babygebärdensprache das Sprechen?
Forschungsergebnisse zeigen konsistent, dass die Babygebärdensprache die Sprachentwicklung nicht verzögert. Studien deuten darauf hin, dass Babys, die Gebärden verwenden, oft früher sprechen und größere Vokabeln entwickeln als Altersgenossen, die keine Gebärden verwenden. Dies liegt daran, dass Zeichen immer neben gesprochenen Wörtern verwendet werden, was das Sprachenlernen verstärkt.
Entwicklung des Klatschens und anderer motorischer Meilensteine
Die Fähigkeit zum Klatschen ist ein wichtiger Meilenstein, der mit der Koordination und der Produktion einer bestimmten Körpergestik verbunden ist. Es markiert einen Punkt, an dem die Hände nicht mehr nur zum Greifen oder Abstützen dienen, sondern aktiv miteinander agieren. Aus dem Klatschen entwickelt sich später das Zusammenschlagen von Klötzen und ähnliche Aktivitäten.
Der typische Zeitplan für das Klatschen
Die Meinungen und Erfahrungen von Eltern variieren stark bezüglich des Zeitpunkts, zu dem Babys zu klatschen beginnen. Während einige Quellen darauf hindeuten, dass die meisten Kinder mit etwa 9 Monaten klatschen können, berichten andere von späteren Zeitpunkten. Viele Eltern beobachten, dass ihre Kinder um das erste Lebensjahr herum oder sogar später beginnen zu klatschen. Es ist wichtig zu bedenken, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Einige Babys zeigen früh andere Fähigkeiten wie Winken oder Zeigen, während das Klatschen später folgt.
Beispiele für die Entwicklung des Klatschens und verwandter Fähigkeiten:
- Ein Kind mit 12 Monaten kann seit 2 Monaten winken, aber Klatschen und Zeigen sind noch nicht vorhanden, während das freie Laufen geübt wird.
- Ein Kind mit 10 Monaten kann klatschen und winken, aber krabbelt noch nicht.
- Ein Kind mit 12 Monaten klatscht seit ein paar Tagen.
- Ein 10 Monate altes Kind fängt gerade erst an zu klatschen oder "winke, winke" zu machen und ist insgesamt normal entwickelt.
- Ein Kind, das fast 10 Monate alt ist, kann noch nicht klatschen, aber verteilt mit Begeisterung Spaghetti Bolognese an der Wand.
- Ein 13 Monate altes Kind kann seit 2 Monaten winken, aber Klatschen und Zeigen sind noch nicht ausgeprägt.
- Ein 12 Monate altes Kind winkt seit dem 10. Monat, klatscht aber noch nicht und zeigt auch noch nicht wirklich. Dafür hat es mit 11 Monaten angefangen zu laufen und klettert inzwischen sicher.
- Ein Kind mit etwa 10 Monaten kann klatschen, während das Winken erst mit etwa 17 Monaten und das Zeigen erst mit 15 Monaten entwickelt wird.
- Ein Kind kann mit 10 Monaten exzessiv auf Dinge zeigen, mit 11 Monaten winken und erst mit etwa 14 Monaten richtig klatschen.
- Zwillinge mit 26 Monaten, die top entwickelt sind, zeigen möglicherweise noch kein Interesse am Klatschen.
- Ein 9 Monate altes Kind kann klatschen, winken und zeigen.

Individuelle Entwicklung und elterliche Perspektive
Es ist essenziell zu betonen, dass jedes Kind sich individuell entwickelt. Die Fokussierung auf einzelne Meilensteine kann zu unnötigem Stress führen. Wenn ein Kind auf andere Weise kommuniziert und sich insgesamt gut entwickelt, ist es unwahrscheinlich, dass eine Verzögerung beim Klatschen ein ernsthaftes Problem darstellt. Eltern werden ermutigt, sich auf die Gesamtentwicklung ihres Kindes zu konzentrieren und bei Bedenken den Kinderarzt zu konsultieren. In manchen Fällen können Frühförderstellen oder Gesundheitsämter zusätzliche Unterstützung und Beratung anbieten.
Der Ratgeber „Babys in Bewegung“ bietet eine wertvolle Ressource für Eltern, um die motorische Entwicklung ihrer Kinder zu begleiten und zu fördern. Die Kombination aus praktischen Übungen und fundierten Informationen hilft dabei, den natürlichen Bewegungsdrang von Babys optimal zu unterstützen und gleichzeitig die Kommunikation durch Methoden wie die Babygebärdensprache zu stärken.
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