Das Equine Herpesvirus (EHV) und seine Bedrohung für Zuchtstuten
Das Equine Herpesvirus (EHV) stellt eine ernsthafte Bedrohung für Zuchtstuten dar, insbesondere der Virustyp EHV-1. Dieser ist unter Züchtern gefürchtet, da eine Infektion häufig zu Aborten im späten Stadium der Trächtigkeit oder zur Geburt von schwachen Fohlen führt. Ausgelöst werden diese Komplikationen durch eine Vaskulitis, also Entzündungen der Blutgefäße.
Das Virus greift die Gebärmutter an und beeinträchtigt die Nährstoffversorgung des Fohlens. Die Inkubationszeit zwischen der Infektion der Mutterstute und dem Abort kann zwischen zwei Wochen und vier Monaten variieren. Bemerkenswert ist, dass sich der Abort kaum ankündigt und der Ausstoß des Fötus oft rasch und unerwartet erfolgt. In vielen Fällen sind die Stuten selbst nicht akut erkrankt. Tragende und infizierte Fohlen versterben häufig nur wenige Tage nach der Geburt. Obwohl Impfungen und ein verbessertes Herdenmanagement dazu beigetragen haben, die Zahl der Aborte insgesamt zu reduzieren, bieten diese Maßnahmen keine absolute Sicherheit.

Ursachen und Übertragung des Equinen Herpesvirus
Das Equine Herpesvirus ist ein DNA-Virus, das die Nervenzellen des Pferdes angreift. Insgesamt sind neun Spezies bekannt, von denen fünf das Pferd betreffen. Besonders infektiös sind die Herpesviren Typ 1 (EHV-1), die neurologische Erkrankungen wie die Equine Herpes Myeloenzephalitis (EHM) sowie Schäden im Respirationstrakt verursachen können. Da sich das Virus in den Nervenzellen einnistet, kann es in Stresssituationen, beispielsweise durch andere Krankheiten, aktiviert werden. Auch Transport oder psychischer Stress können das Risiko einer Reaktivierung erhöhen.
Die Viren verbreiten sich sehr schnell. Die Übertragung erfolgt entweder direkt durch Tröpfcheninfektion und kontaminiertes Material wie Kot oder Fellreste, oder indirekt über Vektoren wie Reiter, Futtereimer oder Mistgabeln. Für den Menschen und andere Tierarten ist das Virus ungefährlich.

Klinische Symptome einer Herpesinfektion beim Pferd
Eine Infektion mit dem Equinen Herpesvirus verläuft bei ausgewachsenen Pferden häufig symptomlos. Einmal infizierte Pferde tragen das Virus jedoch latent, also unbemerkt, weiter in sich. Besonders junge Pferde leiden oft unter schwereren Verläufen. Die klinischen Symptome sind vielfältig und können bis zum Tod des Tieres führen:
- Fieber
- Aborte
- Atemwegserkrankungen, Husten
- Augen- und Nasenausfluss
- Lähmungserscheinungen
- Koordinationsstörungen (durch Einblutungen ins Rückenmark)
Zunächst befällt das Virus die oberen Atemwege, wo es sich vermehrt. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen treten erste respiratorische Symptome wie Nasenausfluss oder Husten auf. Wenn der Nasenausfluss schleimig und eitrig wird, kann dies auf eine bakterielle Sekundärinfektion hindeuten. Insbesondere das Herpesvirus Typ 4 (EHV-4) ist für seine Schäden im Respirationstrakt bekannt. Später gelangt das Virus über die Blutbahnen in andere Organe. Zusätzlich zur Atemwegsinfektion kann das Rückenmark angegriffen werden, was zu Symptomen unterschiedlicher Schweregrade führt: von vorübergehendem Schwindel und Koordinationsstörungen über Ataxie bis hin zu Tetraplegie (Lähmung aller vier Gliedmaßen) und Inkontinenz sind alle Formen möglich. Erkrankungen der Augen, die in schweren Fällen zur Blindheit führen können, sind ebenfalls möglich.
Diagnose und Behandlung von Equinem Herpesvirus
Der Nachweis des Virus kann durch Antikörpertests erfolgen. Mittels Nasen-Rachen-Tupfern oder Proben von abortierten Föten oder der Plazenta können die Viren im Labor vervielfältigt und identifiziert werden. Auch eine Untersuchung von Lunge oder Milz kann den Erreger aufzeigen. Pferde, die an Herpes erkrankt sind, können vom Tierarzt nur symptomatisch behandelt werden. Dem erkrankten Pferd wird zunächst eine Infusion zur Schmerzlinderung verabreicht. Der Fokus liegt zudem auf Präparaten, die das Immunsystem und den Kreislauf unterstützen, um den Verlauf möglichst mild zu gestalten.
Zur Versorgung der Nerven werden Vitamin B-Präparate verabreicht, da sich die Herpesviren in den Nervenzellen befinden und das Immunsystem den Erreger selbst bekämpfen muss. Bei gleichzeitig vorliegender bakterieller Sekundärinfektion kommt ein Antibiotikum zum Einsatz. Bei Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungserscheinungen kann eine Unterstützung durch eine Schlinge hilfreich sein.

Präventive Maßnahmen und Management von Herpesausbrüchen
Ist das Virus ausgebrochen, hat die Isolation des betroffenen Pferdes oberste Priorität, um weitere Infektionen zu verhindern. Präventiv ist eine Impfung gegen die Herpesviren Typ 1 (EHV-1) und Typ 4 (EHV-4) möglich. Durch regelmäßig aufgefrischte Impfungen und ein verbessertes Herdenmanagement ist die Zahl der Aborte in den letzten Jahren gesunken. Dennoch kommt es auch heute noch, vorrangig im Winter, zu Ausbrüchen. Daher ist die Herstellung einer Herdenimmunität von großer Bedeutung.
Eine sogenannte „Notimpfung“ unmittelbar nach dem Auftreten der ersten Fälle in der näheren Umgebung ist wenig vorteilhaft, da eine Impfung das Pferd zunächst etwas schwächt. Zudem bietet die Impfung selbst keinen hundertprozentigen Schutz. Sie lindert lediglich die Symptome und den Krankheitsverlauf, da die Vermehrung der Viren gehemmt wird. Folglich scheidet das geimpfte Pferd weniger infektiöse Viren aus als ein ungeimpftes Tier.
Hygienemaßnahmen im Pferdestall
Zum Schutz vor dem Equinen Herpesvirus hat die Stallhygiene oberste Priorität. Folgende Hygieneregeln sind unabhängig von einem Ausbruchsgeschehen empfehlenswert, um das Risiko vorbeugend zu minimieren:
- Zugänge zum Betrieb durch Zaun und Tor abgrenzen, Parkplätze möglichst außerhalb des Betriebes einrichten.
- Tierverkehr auf das Nötigste reduzieren; wenn unbedingt nötig, dann gegebenenfalls einen Quarantänestall nutzen.
- Quarantäneställe inklusive eigenem Auslauf und Gerätschaften für kranke oder neu aufzustallende Pferde einrichten.
- Für jedes Pferd das eigene Equipment verwenden (z.B. Tränkeeimer, Putzzeug, Satteldecken, Gamaschen, Decken).
- Stallungen, Gerätschaften (z.B. Forke, Schubkarre), Equipment (z.B. Bürsten, Halfter, Satteldecken) und Anhänger regelmäßig reinigen und desinfizieren (Empfehlung: 1%ige Virkon S-Lösung).
- Plätze zum Händewaschen und Desinfizieren einrichten (Empfehlung: Desintec UniWash).
- Fußdesinfektionswannen aufstellen (Empfehlung: 1%ige Virkon S-Lösung).
- Personenverkehr auf dem Betrieb auf das Nötigste reduzieren.
- Besucher, Tierärzte und Schmiede müssen sich anmelden, Hände waschen und desinfizieren sowie Fußdesinfektionswannen nutzen.
Zur Desinfektion von Flächen, Stalleinrichtungen oder Gerätschaften kann Virkon S verwendet werden, da es eine einfache Handhabung und Dosierung ermöglicht und auch im Hinblick auf die Lagerung unbedenklich ist. Darüber hinaus eignet es sich für den Einsatz in Fußdesinfektionswannen. Für eine vorherige gründliche Reinigung eignet sich das Konzentrat Desintec FL R1. Zur Bekämpfung von Schädlingen wie Fliegen, Ratten und Mäusen im Stall bieten Desintec CyroEx und der Universalköder Desintec BrodEx Paste ein gutes Wirkungsspektrum.

Ursachen von Aborten bei Zuchtstuten
Der Verlust eines Fohlens während der Trächtigkeit ist für Besitzer von Zuchtstuten ein schockierendes Ereignis. Mediziner gehen von einer Abortrate zwischen 5 bis 15 Prozent aus. Grundsätzlich kann ein Abort während der gesamten Schwangerschaft auftreten, wobei eine sehr frühe Fehlgeburt meist unbemerkt bleibt. Mediziner unterscheiden zwischen einem akuten (plötzlichen) und einem chronischen Abort. Akute Aborte zeigen meist keine Symptome.
Nach einem Abort sollte unbedingt die Ursache erforscht werden. Studien zeigen jedoch, dass in 5 bis 42 Prozent der Fälle keine Abortursache festgestellt werden kann. Sicher ist, dass in rund 25 Prozent der Fälle eine Infektion die Ursache war, wobei mit 42 Prozent eine EHV-1-Infektion am häufigsten nachgewiesen wurde. Auch Bakterien können zu Fehlgeburten führen, indem sie über den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eindringen und eine akute oder chronische Entzündung der Plazenta auslösen. Selten gelangen Keime über das Blut in die Gebärmutter.
Häufig gibt es auch sogenannte nicht-infektiöse Abortursachen. Eine umfangreiche Studie zu Fohlenverlusten in der deutschen Vollblutzucht zwischen 1968 und 1990 ergab, dass Zwillingsträchtigkeiten die häufigste Ursache für Fehlgeburten waren. Ein Forscherteam um Christine Aurich von der Vetmeduni Vienna fand wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die Verabreichung des Hormons Altrenogest nach Fehlgeburten den Verlauf künftiger Trächtigkeiten positiv beeinflussen kann. Dieses Hormon kann Probleme beim Wachstum des Embryos ausgleichen, insbesondere die Kontaktaufnahme mit der mütterlichen Gebärmutter, hat aber keine Wirkung in frühen Stadien der Trächtigkeit.
Tschechische Forscher stellten fest, dass Stuten ihren Nachwuchs offenbar selbst abtreiben können. Sie beobachteten, dass Stuten, die von einem fremden Hengst gedeckt wurden und sich nach ihrer Rückkehr auffallend oft mit einem „heimatlichen“ Hengst paaren, häufiger Fehlgeburten erlitten. Die Forscher vermuten, dass die Stuten ihre Schwangerschaft bewusst abbrechen könnten, um das durch den fremden Hengst gezeugte Fohlen vor einer möglichen Tötung durch den heimischen Hengst zu schützen. Dies erklärt auch, warum bei Fremdbedeckungen auffallend oft Fehlgeburten auftreten.
Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ergab, dass niedrige Mengen bestimmter Immunzellen (regulatorische T-Zellen) im Blut zu verfrühten Trächtigkeitsverlusten führen können.
Management und Vorsorge während der Trächtigkeit
Für eine erfolgreiche Trächtigkeit ist eine gute, hochwertige Fütterung essenziell. Die Stute sollte einen guten Ernährungszustand aufweisen, mit glattem, glänzendem Fell und ohne Übergewicht. Ebenso wichtig sind die regelmäßigen Impfungen. Tragende Stuten sollten gegen Virusabort, hervorgerufen durch Equine Herpesviren (EHV-1), geimpft sein (Impfung im 5., 7. und 9. Trächtigkeitsmonat). Ein ausreichender Tetanusschutz ist ebenfalls unerlässlich.
In den letzten Trächtigkeitswochen sollte die Stute auf Parasiten getestet werden, um die Übertragung auf das Fohlen zu minimieren. Eine Kotprobe kann Aufschluss über einen Wurm- oder Parasitenbefall geben. Die Hufpflege darf nicht vernachlässigt werden; eventuell ist es ratsam, die Hufeisen vor der Geburt abzunehmen. Tägliche Euterkontrollen gehören zur Routine. Es ist sinnvoll, die Stute an Berührungen des Euters zu gewöhnen, um das Anlegen des Fohlens zu erleichtern. Das Anschwellen des Euters (Aufeutern), ca. 4 Wochen vor der Geburt, und die Abgabe von Harztropfen, 1-4 Tage vor der Geburt, können Anzeichen für den bevorstehenden Geburtstermin sein.