Die Abtreibungspille, bekannt unter dem Wirkstoffnamen Mifepriston (Handelsname Mifegyne, auch als RU 486 bezeichnet), stellt eine medikamentöse Methode zur Beendigung einer frühen Schwangerschaft dar. Diese Option bietet Frauen eine Alternative zum chirurgischen Eingriff und gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Wie die Abtreibungspille Mifegyne wirkt
Mifepriston ist ein synthetisches Hormon, das die Wirkung des körpereigenen Hormons Progesteron blockiert. Progesteron ist essenziell für den Erhalt und die Entwicklung einer Schwangerschaft, indem es die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet und diese stützt. Durch die Hemmung der Progesteron-Wirkung wird die Gebärmutterschleimhaut gelockert und der Muttermund öffnet sich. Dies führt dazu, dass der Fruchtsack mit dem Embryo abgestoßen wird, ähnlich einer natürlichen Fehlgeburt.
Um die Wirkung von Mifepriston zu verstärken und den Abbruchsprozess zu fördern, wird nach der Einnahme von Mifepriston ein weiteres Medikament verabreicht: ein Prostaglandin, meist Misoprostol (oft unter dem Handelsnamen Cytotec® bekannt). Dieses Medikament löst Gebärmutterkontraktionen aus, die zur vollständigen Ausstoßung des Schwangerschaftsgewebes führen.

Anwendung und Ablauf der medikamentösen Abtreibung
Die medikamentöse Abtreibung mit Mifepriston und Misoprostol ist in der Regel bis zum 63. Tag nach Beginn der letzten Regelblutung (entspricht etwa der 9. Schwangerschaftswoche) möglich. Der Prozess ist mehrstufig und erfordert ärztliche Begleitung.
Schritt 1: Beratung und Voruntersuchung
Vor der Einnahme der Abtreibungspille ist eine gesetzlich vorgeschriebene Beratung in einer staatlich anerkannten Stelle (z.B. Pro Familia) obligatorisch. Diese Beratung dient der umfassenden Information über alle Optionen und Unterstützungsmöglichkeiten. Nach der Beratung und einer vorgeschriebenen Wartezeit von mindestens drei Tagen erfolgt eine Voruntersuchung beim Frauenarzt oder in einer Klinik, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen darf. Hierbei wird die Schwangerschaftsdauer per Ultraschall bestimmt, eventuelle medizinische Kontraindikationen abgeklärt und der Ablauf der medikamentösen Abtreibung erklärt.
Schritt 2: Einnahme von Mifepriston
Die erste Tablette mit Mifepriston (oft drei Tabletten à 200 mg) wird unter ärztlicher Aufsicht in der Praxis oder Klinik eingenommen. Anschließend kann die Frau nach Hause gehen und erhält genaue Anweisungen für den Notfall. Die Blutung, die der Menstruationsblutung ähnelt, tritt in der Regel etwa 24 Stunden nach der Einnahme von Mifepriston auf.
Schritt 3: Einnahme von Misoprostol
Etwa 36 bis 48 Stunden nach der Einnahme von Mifepriston wird das Prostaglandin (Misoprostol) verabreicht. Bis zur 7. Schwangerschaftswoche (49. Tag) kann dies oral erfolgen. Ab der 8. oder 9. Schwangerschaftswoche wird es vaginal eingeführt. Nach der Einnahme des Prostaglandins bleiben die Frauen für einige Stunden unter ärztlicher Aufsicht. In dieser Zeit kommt es bei den meisten Frauen zum Abbruch der Schwangerschaft durch Ausstoßung des Schwangerschaftsgewebes.
Schritt 4: Nachuntersuchung
Ungefähr 14 bis 21 Tage nach dem medikamentösen Abbruch ist eine Nachkontrolle unerlässlich. Mittels Ultraschall oder Blutuntersuchung wird überprüft, ob die Schwangerschaft vollständig beendet wurde und kein Schwangerschaftsgewebe in der Gebärmutter verblieben ist. Falls nötig, kann eine erneute Medikamentengabe oder ein operativer Eingriff erforderlich sein.

Kosten der Abtreibungspille Mifegyne (RU 486)
Die Kosten für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne können stark variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Anbieter, dem Wohnort und dem Einkommen der Frau.
Kostenübernahme durch Krankenkassen
Grundsätzlich werden die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung in Deutschland in der Regel von den Frauen selbst getragen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen lediglich die Kosten für die ärztliche Beratung, notwendige Vor- und Nachuntersuchungen sowie eventuelle Nachbehandlungen. Bei Frauen mit geringem oder keinem Einkommen (sozial bedürftig) können die Kosten jedoch von den Bundesländern übernommen werden. Hierfür muss ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt werden, der vor dem Eingriff schriftlich bestätigt werden muss.
Kosten bei medizinischer oder kriminologischer Indikation
Liegt eine medizinische Indikation (z.B. Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Mutter, schwere Schädigung des Kindes) oder eine kriminologische Indikation (z.B. Schwangerschaft nach Vergewaltigung) vor, werden die Kosten des Schwangerschaftsabbruchs von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Private Krankenversicherungen übernehmen meist nur die Kosten bei medizinischer Indikation.
Preise verschiedener Anbieter
Die Kosten für einen medikamentösen Abbruch können zwischen 200 und 600 Euro liegen. In spezialisierten Ambulatorien wie Gynmed in Wien können die Kosten zwischen 490 und 600 Euro betragen, wobei hier oft umfassendere Leistungen enthalten sind. Krankenhäuser des Wiener Gesundheitsverbunds bieten medikamentöse Abbrüche günstiger an (ca. 325,40 Euro). Organisationen wie Women on Web passen die Preise an den Wohnort an und fragen eine Spende von etwa 120 Euro an. In Deutschland können die Kosten für einen medikamentösen Abbruch mit der Abtreibungspille etwa 300 bis 400 Euro betragen, wobei die Anschaffungskosten für Mifepriston selbst bereits bei etwa 90 bis 155 Euro liegen können.
Abtreibung: Das kommt auf mich zu! (Teil 1) || PULS Reportage
Vorteile und Risiken der medikamentösen Abtreibung
Die medikamentöse Abtreibung mit Mifegyne bietet eine Reihe von Vorteilen, birgt aber auch potenzielle Risiken.
Vorteile
- Frühe Anwendung: Kann bereits sehr früh in der Schwangerschaft durchgeführt werden.
- Keine Narkose oder Operation: Vermeidet die Risiken, die mit chirurgischen Eingriffen und Narkosen verbunden sind.
- Geringeres Verletzungsrisiko: Kein Risiko einer Verletzung der Gebärmutter.
- Hohe Wirksamkeit: In etwa 95-98% der Fälle erfolgreich.
- Naturnaher Prozess: Ähnelt einer natürlichen Fehlgeburt, was von manchen Frauen als schonender empfunden wird.
- Erhalt der Fruchtbarkeit: Hat keinen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, sofern keine Komplikationen auftreten.
Risiken und Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:
- Krampfartige Unterleibsschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Kreislaufprobleme
- Blutungen: Die Blutungen können bis zu 12 Tage andauern und ähneln einer starken Menstruationsblutung. In seltenen Fällen (bis zu 3%) können starke Blutungen auftreten, die eine Nachkürettage erforderlich machen.
Schwerwiegende Komplikationen sind sehr selten. Zu den Kontraindikationen für die Anwendung von Mifepriston zählen:
- Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Eileiterschwangerschaft)
- Chronische Nebenniereninsuffizienz
- Angeborene Porphyrie
- Schweres, unbehandeltes Asthma
- Bekannte Allergie gegen die Wirkstoffe
- Leber- oder Nierenversagen, Unterernährung (hier wird abgeraten, da Studien fehlen)
- Gestörte Blutgerinnung (Entscheidung im Einzelfall durch den Arzt)

Psychische Aspekte und Langzeitfolgen
Menschen können nach einem Schwangerschaftsabbruch sehr unterschiedliche Gefühle erleben, von Erleichterung bis Trauer. Kurzfristig können depressive Verstimmungen oder Schlafstörungen auftreten. Studien zeigen jedoch keine langfristigen negativen Auswirkungen auf die psychische Verfassung. Frauen, die sich für einen medikamentösen Abbruch entscheiden, setzen sich intensiv mit der Entscheidung auseinander, was zu einer anderen psychischen Verarbeitung führen kann. Die Fruchtbarkeit ist nach dem Abbruch sofort wieder gegeben.
Häufigkeit und Bekanntheit des medikamentösen Abbruchs
Obwohl die Abtreibungspille Mifegyne (RU 486) seit Jahrzehnten auf dem Markt ist und in vielen Ländern wie der Schweiz (ca. 64%) oder Schweden (ca. 80%) häufig angewendet wird, ist sie in Deutschland weniger bekannt. Hierzulande werden nur etwa 15 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche medikamentös durchgeführt. Dies liegt oft daran, dass Frauen nicht ausreichend über diese Option aufgeklärt werden oder Ärzte die Methode nicht aktiv anbieten.
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