Die Versorgung von gesunden Neugeborenen (bis 1 Monat) und Säuglingen (1 Monat bis 1 Jahr) erfordert spezifische Maßnahmen, um ihre gesunde Entwicklung und ihr Wohlbefinden zu gewährleisten. Die Geburt markiert einen tiefgreifenden Übergang für den Fötus: von der Abhängigkeit von Fruchtwasser und Plazenta zur eigenständigen Atmung und Nahrungsaufnahme über den Mund.
Sofortmaßnahmen nach der Geburt
Unmittelbar nach der Entbindung befreit medizinisches Fachpersonal (Arzt, Hebamme oder Pflegefachkraft) mit einer Saugglocke den Mund, die Nase und den Rachen des Babys von Schleim und Zellresten. Dies ermöglicht dem Neugeborenen, frei zu atmen und unabhängig von der Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt zu werden. Anschließend wird die Nabelschnur beidseitig mit Klemmen fixiert und zwischen diesen Klemmen durchtrennt.

Nach einer vaginalen Entbindung kann das Neugeborene direkt auf den Bauch der Mutter gelegt werden, um Hautkontakt zu ermöglichen, oder es wird in eine Decke gewickelt, damit die Mutter es halten kann. Bei Kaiserschnittgeburten kann das Neugeborene, falls eine unterstützende Person anwesend ist, dieser nach der Versorgung der Mutter überreicht werden, damit diese es halten kann, während die Mutter weiter versorgt wird.
Beurteilung des Neugeborenen: Der Apgar-Score
Der Zustand des Neugeborenen direkt nach der Geburt wird durch den Apgar-Score beurteilt, der 1 und 5 Minuten nach der Geburt ermittelt wird. Dieser Score bewertet fünf Kriterien: Herzfrequenz, Atembemühung, Muskeltonus, Reflexe und Hautfarbe.
| Kriterium | 0 Punkte | 1 Punkt | 2 Punkte |
|---|---|---|---|
| Aussehen (Hautfarbe) | Blass/blau | Stamm rosig, Extremitäten blau | Ganzkörperlich rosig |
| Puls (Herzfrequenz) | Kein Puls | < 100/min | > 100/min |
| Grimasse (Reaktion auf Reiz) | Keine Reaktion | Grimassieren | Schreien, spontane Bewegung |
| Aktivität (Muskeltonus) | Schlaff | Leichte Flexionsbewegung | Gute spontane Bewegung |
| Atmung (Respiration) | Keine Atmung | Unregelmäßig / Schnappatmung | Regelmäßig (ca. 40/min) |
Ein Gesamtwert von 7 bis 10 nach 5 Minuten gilt als normal. Werte zwischen 4 und 6 deuten auf einen mittleren Zustand hin, während Werte von 0 bis 3 auf eine kritische Situation hindeuten, die auf eine gestörte Atem- und Kreislauffunktion schließen lässt und externe Unterstützung erfordert. Der Apgar-Score dient nicht als Prognose für die zukünftige Gesundheit des Kindes.

Nach der Stabilisierung werden von den Pflegekräften der Kopfumfang, das Gewicht und die Größe des Neugeborenen erfasst.
Wärmeerhalt und Bindung
Ein entscheidender Aspekt der Neugeborenenversorgung ist der Wärmeerhalt. Um Hypothermie zu vermeiden, wird das Neugeborene gewickelt, leicht angezogen und sein Kopf bedeckt, da über diesen viel Wärme verloren geht. Direkt nach der Geburt werden die Eltern ermutigt, ihr Neugeborenes zu halten, was die Bindung zwischen Eltern und Kind fördern kann. Dennoch kann es Gründe geben, die einen frühen Hautkontakt verzögern, was den Aufbau einer starken Bindung nicht unmöglich macht.
Mütter, die stillen, legen ihr Neugeborenes idealerweise innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Entbindung an die Brust. Dies stimuliert die Produktion von Oxytocin, einem Hormon, das die Heilung der Gebärmutter und den Milcheinschuss unterstützt.
Medizinische Routineuntersuchungen und -behandlungen
Nach der Geburt durchlaufen Neugeborene eine Reihe von medizinischen Tests und Behandlungen, um Krankheiten vorzubeugen und diese frühzeitig zu erkennen:
- Neugeborenen-Screening-Tests: Diese dienen der Früherkennung verschiedener Stoffwechselstörungen und genetischer Erkrankungen.
- Augentropfen: Zur Prävention von Augeninfektionen, die durch schädliche Organismen im Geburtskanal übertragen werden können, werden Antibiotika-Tropfen (z.B. Erythromycin, Tetrazyklin, Silbernitrat oder Povidoniodin) verabreicht.
- Hepatitis-B-Impfung: Alle Neugeborenen erhalten die erste Dosis des Hepatitis-B-Impfstoffs vor der Entlassung aus dem Krankenhaus.
- Vitamin-K-Injektion: Da alle Kinder mit niedrigen Vitamin-K-Werten geboren werden, wird eine Spritze mit Vitamin K verabreicht, um Blutungen vorzubeugen (hämorrhagische Erkrankung des Neugeborenen).
Das erste Bad des Neugeborenen findet frühestens 6 Stunden nach der Geburt statt.
Vorbereitung und Notfallmanagement
Bei erwarteten Geburten, insbesondere bei Risikoschwangerschaften, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend. Dazu gehört die Einrichtung eines gut ausgestatteten Versorgungsplatzes für das Neugeborene, der sogenannte "Storchennest", der von drei Seiten zugänglich ist und über notwendige Ausrüstung wie Heizung, Wärmelampen, Handtücher, Abnabelungsset, Uhr, Monitoring-Geräte, Absaugpumpe und Beatmungsbeutel verfügt.

Eine frühzeitige Anforderung von Hilfe und ein Team-Briefing sind unerlässlich, um Rollen zu verteilen und potenzielle Probleme zu antizipieren. Die Raumtemperatur und die Handtücher sollten vorgewärmt und Zugluft vermieden werden.
Erstversorgung nach der Geburt: Schritt-für-Schritt
Die unmittelbare Versorgung nach der Geburt konzentriert sich auf:
- Abtrocknen und Wärmeerhalt: Das Kind wird sofort abgetrocknet und in warme, trockene Tücher gewickelt, wobei das Gesicht frei bleibt. Dies dient dem Wärmeerhalt und stimuliert das Kind zur Eigenatmung.
- Positionierung und Atemwege: Das Kind wird in eine neutrale Position gebracht, um die Atemwege frei zu halten. Eine leichte Deflexion des Kopfes ("Schnüffelposition") kann durch eine Schulterrolle unterstützt werden.
- Stimulation und Absaugung: Durch das Abreiben, insbesondere des Rückens, wird das Kind zur Atmung animiert. Absaugung wird nur noch bei sichtbarer Atemwegsverlegung erwogen und erfolgt vorsichtig im Mund- und Nasenbereich. Ein pharyngeales oder tracheales Absaugen wird vermieden.
- Abnabelung: Wenn das Kind vital und rosig erscheint, sollte die Abnabelung frühestens 1-3 Minuten nach der Geburt erfolgen, idealerweise nach der ersten Lungenbelüftung. Bei avitalen Kindern erfolgt die Abnabelung möglichst erst nach 1 Minute, es sei denn, die Versorgung ist anders nicht möglich. Die Nabelschnur wird ca. 10 cm vom Nabel des Kindes entfernt mit zwei Klemmen fixiert und durchtrennt.
- Beurteilung und Beatmung: Nach der Abnabelung erfolgt eine erneute Beurteilung von Tonus, Atmung und Herztönen. Zeigt das Kind auch nach Stimulation keine Lebenszeichen oder hat eine Herzfrequenz unter 100 Schlägen/min, werden 5 Beatmungsmanöver (2-3 Sekunden pro Beatmung mit Raumluft) durchgeführt.
Demonstration of Bubble CPAP for the Low Resource Environment by T. Wolbrink | OPENPediatrics
Reanimationsmaßnahmen bei kritischen Zuständen
Sollte die Herzfrequenz unter 60/min fallen, wird für 30 Sekunden eine Beatmung mit einer Frequenz von 30/min (15 Beatmungshübe) durchgeführt. Bleibt die Herzfrequenz weiterhin unter 60/min, wird mit einer Reanimation im Verhältnis 3:1 (3 Thoraxkompressionen zu 1 Beatmung) fortgefahren.
Die ABC-Regeln der Neugeborenen-Reanimation umfassen:
- A (Airway): Freihalten der Atemwege, ggf. Intubation (nur durch Geübte) oder Larynxmaske.
- B (Breathing): Beatmung mit 100% FiO2 (nach den ersten Beatmungsmanövern), wobei auf Pneumothorax-Risiko geachtet werden muss.
- C (Circulation): Sicherstellung eines Zugangs (primär intraossär oder Nabelvenenkatheter), Gabe von Adrenalin bei anhaltender Bradykardie unter Reanimation.
Engmaschiges Monitoring mittels Pulsoxymetrie und EKG ist unerlässlich. Die Aufrechterhaltung der Normothermie (36,5-37,5 °C) ist während der gesamten Versorgungsdauer von größter Bedeutung.
Langfristige Versorgung und Entwicklung
Nach der Erstversorgung und Stabilisierung werden im Rahmen der weiteren Neugeborenenversorgung Kopfumfang, Gewicht und Größe des Kindes erfasst. Regelmäßige Screenings und Impfungen, wie die Hepatitis-B-Impfung, sind Teil der präventiven Gesundheitsvorsorge.
Die Umstellung vom intrauterinen zum extrauterinen Leben ist ein komplexer Prozess. Die perinatale Betreuung muss sowohl die biologischen Anpassungsvorgänge als auch die emotionalen Bedürfnisse von Mutter und Kind berücksichtigen, um eine gesunde Entwicklung und eine starke Eltern-Kind-Beziehung zu fördern.
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