Wann dürfen Kleinkinder eingelegten Hering essen?

Die Frage, ab wann Kleinkinder eingelegten Hering essen dürfen, ist ein wiederkehrendes Thema, insbesondere im Kontext der Gemeinschaftsverpflegung wie in Kindergärten (Kitas). Es gibt hierzu klare Empfehlungen, die auf der Sicherheit und Gesundheit der jungen Verzehrenden basieren.

Warum Matjes in Kitas problematisch ist

Matjes wird in der Kita-Verpflegung generell nicht empfohlen. Dies liegt daran, dass Matjes ein roher, nur gesalzener und gereifter Hering ist. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zählt er, ähnlich wie Sushi, Sashimi oder geräucherter Fisch, zu den Lebensmitteln, die in Einrichtungen wie Kitas nur nach ausreichender Erhitzung angeboten werden sollten.

In Kitas wird eine besonders empfindliche Personengruppe verpflegt, die als YOPI (Young, Old, Pregnant, Immunosuppressed) bezeichnet wird. Kinder bis zum fünften Lebensjahr gehören zu dieser Gruppe. Für sie birgt der Verzehr von rohem Fisch ein erhöhtes Risiko für lebensmittelbedingte Infektionen.

Schema zur Risikogruppe YOPI und ihre Empfindlichkeit gegenüber rohen Lebensmitteln

Allgemeine Empfehlungen für die Ernährung von Kleinkindern

Generell gilt, dass Kinder unter drei Jahren keine rohen tierischen Lebensmittel essen sollten, da ihr Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist. Rohe tierische Lebensmittel können mit Bakterien belastet sein, die schwere Krankheiten auslösen können.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, müssen tierische Lebensmittel durchgehend (auch im Inneren) für mindestens zwei Minuten auf mindestens 70 °C erhitzt werden. Erst dann sind krankmachende Bakterien abgetötet.

Für Babys und Kleinkinder unter drei Jahren ist der Verzehr von Innereien aufgrund der Schadstoffbelastung ebenfalls nicht empfehlenswert. Stattdessen sollten mageres Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch im Wechsel auf dem Speiseplan stehen.

Meeresfrüchte müssen vor dem Verzehr ebenfalls ausreichend erhitzt werden. Nach einer Erhitzung auf 70 °C für einige Minuten dürfen Kinder ab dem zweiten Lebensjahr eine kleine Portion probieren.

Was ist mit eingelegtem Hering?

Die Unterscheidung zwischen Matjes und anderen Formen von eingelegtem Hering ist wichtig. Während Matjes als roh gilt, ist Hering, der in einer Essig-Sahne-Soße oder einem ähnlichen Sud eingelegt ist, anders zu bewerten. Die Einlegung in Säure (wie Essig) kann konservierend wirken und das Wachstum von Mikroorganismen hemmen. Allerdings ist dies kein Garant für die vollständige Abtötung aller potenziellen Krankheitserreger.

Einige Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass Hering, der nicht explizit als "roh" gekennzeichnet ist und in einer entsprechenden Marinade eingelegt wurde, von Kleinkindern gegessen werden kann, sobald sie gut kauen können und keine besonderen Vorerkrankungen haben. Die Meinungen hierzu gehen auseinander, und Vorsicht ist geboten.

Ein Beispiel ist Hering in Sahnesoße. Hierbei ist zu beachten, dass der Hering nicht gekocht, sondern nur eingelegt wird. Die Saucenzubereitung selbst kann jedoch sicher sein.

Vergleich von Matjes (roh) und eingelegtem Hering (mariniert)

Risiken und Unsicherheiten

Ein genanntes Risiko bei Sahnehering kann die Belastung mit Listerien sein. Obwohl keine verbindlichen Informationen für alle Fälle vorliegen, wird auch für Schwangere Sahnehering als potenziell mit Vorsicht zu genießend eingestuft. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung bei der Fütterung von Kleinkindern.

Die Frage, wie man im Einzelhandel feststellt, ob ein Produkt roh oder bereits behandelt ist, bleibt oft offen. Dies erschwert die Auswahl für Eltern und Betreuungspersonen.

Flexibilität bei der Ernährung von Kindern

Es wird darauf hingewiesen, dass Eltern nicht übermäßig streng sein sollten, was die Regeln "was darf man - was darf man nicht" angeht. Ernährungsrichtlinien und Empfehlungen können sich im Laufe der Zeit ändern. Was vor einigen Jahren noch als riskant galt, kann heute als sicher eingestuft werden, und umgekehrt.

Grundsätzlich gilt: Alles, was gut durchgegart ist, sollte frei von schädlichen Bakterien sein. Auf rohe oder halbgar zubereitete Speisen sollte verzichtet werden.

Verarbeitete Fleischwaren wie Wurst und Schinken werden aufgrund ihres hohen Gehalts an Fett, Salz und Pökelsalzen nicht generell empfohlen. Schinken wird oft als roh eingestuft.

Alternativen und weitere Ernährungshinweise für Kleinkinder

Für die Beikost sollten reisfreie Breie verwendet werden. Produkte wie Reiswaffeln oder Reisflocken/Reisbrei sollten aufgrund des Arsengehalts nur in Maßen konsumiert werden. Sinnvolle Alternativen sind reisfreie Zwischenmahlzeiten wie Vollkorncracker, Maiswaffeln oder Brot.

Fencheltee enthält natürlicherweise Estragol, das in hohen Mengen möglicherweise gesundheitsschädlich sein kann. Reisdrinks sind wegen des Risikos einer mangelnden Zufuhr wichtiger Nährstoffe und aufgrund des Arsengehalts ungeeignet.

Bei Kindern mit Zöliakie, Nahrungsmittelallergien oder bei veganer Ernährung sollten Reis und Reisprodukte nicht hauptsächlich als Ersatz für andere Lebensmittel dienen.

Käse, Quark, Frischkäse, Vollmilch und Joghurt sind aufgrund ihres hohen Proteingehalts erst ab einem Jahr geeignet.

Es sollte vermieden werden, dass Kinder unter drei Jahren Lebensmittel essen, an denen sie sich verschlucken könnten, wie zum Beispiel Nüsse, Brot mit Kernen, ganze Weintrauben, Fisch mit Gräten oder Bonbons.

Calamares, die frittiert werden, gelten als sicher, da beim Frittieren keine Bakterien überleben.

Für Kinder Erklärfilm Fische, Meer, Kindersendung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass roher Hering (wie Matjes) für Kleinkinder ungeeignet ist. Eingelegter Hering, insbesondere wenn er nicht eindeutig als roh gekennzeichnet ist und in einer säuerlichen oder salzigen Marinade eingelegt wurde, kann nach sorgfältiger Abwägung und ab einem Alter, in dem das Kind gut kauen kann, in kleinen Mengen angeboten werden. Bei Unsicherheiten ist es ratsam, auf gut durchgegarte Alternativen zurückzugreifen.

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