Fast jede Frau erlebt im Laufe ihres Lebens zumindest vorübergehend Zyklusstörungen, die sich in Form von kürzeren oder verlängerten Menstruationszyklen äußern können. Das Wichtigste in Kürze: Die Ursachen für Zyklusstörungen sind vielfältig und reichen von hormonellen Veränderungen über Stress bis hin zu Ernährung und Lebensstilfaktoren. Die Folgen können Eisenmangel, Blutarmut oder verminderte Fruchtbarkeit sein. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Ansätzen, um den Zyklus wieder in Einklang zu bringen.
Was versteht man unter einer Zyklusstörung?
Als Zyklusstörung spricht man von einem Zyklus, der weniger als 25 oder mehr als 35 Tage dauert. Ebenso zählen das Ausbleiben der Menstruation, eine sehr unregelmäßige Regelblutung oder Dauerblutungen zu den Zyklusstörungen. Die Menstruation verändert sich im Laufe des Lebens einer Frau, bedingt durch den sich wandelnden Hormonhaushalt und den Körper. Die erste Regelblutung, die Menarche, erleben Mädchen in Europa durchschnittlich im Alter von 12,5 Jahren. Normal ist ein Zyklus von 25 bis 35 Tagen. Jugendliche Frauen haben häufig einen längeren Rhythmus und eventuell Schmerzen bei der Menstruation. Über 35 oder 40 Jahren entwickelt sich oft ein zu enger Rhythmus mit einer zu starken Blutung.
Formen von Zyklusstörungen
Zyklusstörungen können sich auf unterschiedliche Weise äußern:
- Dauerblutung
- Zu häufige Blutungen im Abstand von weniger als 25 Tagen (Polymenorrhoe)
- Zu seltene Blutungen im Abstand von mehr als 35 Tagen (Oligomenorrhoe)
- Unregelmäßige Blutungen
- Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe)
Darüber hinaus gibt es spezifische medizinische Begriffe für bestimmte Blutungsmuster:
- Hypermenorrhoe: Starke Regelblutung mit einem Blutverlust von mehr als 80 Millilitern.
- Hypomenorrhoe: Schwache Regelblutung mit einem Blutverlust von weniger als 25 Millilitern.
- Menorrhagie: Dauer der Blutung von mehr als 7 Tagen.
- Brachymenorrhoe: Dauer der Blutung von weniger als 3 Tagen.
- Metrorrhagie: Auftreten von Zwischenblutungen.
- Menometrorrhagie: Kombination aus verlängerter Blutungsdauer und Zwischenblutungen.
- Spotting: Schmierblutungen außerhalb der eigentlichen Regelblutung.
Ursachen für Zyklusstörungen
Die Ursachen für einen veränderten oder unregelmäßigen Zyklus sind vielfältig und können sowohl natürliche als auch krankheitsbedingte Hintergründe haben:
Natürliche und altersbedingte Ursachen:
- Pubertät: Die hormonelle Umstellung in der Jugend führt oft zu einem noch nicht vollständig etablierten Zyklus.
- Wechseljahre (Klimakterium): Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren, die etwa um das 52. Lebensjahr ihren Höhepunkt findet (Menopause), beeinflusst die Zyklusregelmäßigkeit.
- Schwangerschaft: Das Ausbleiben der Blutung kann ein frühes Zeichen einer Schwangerschaft sein.
- Stillzeit (Laktationsamenorrhoe): Das Stillhormon Prolaktin kann die Freisetzung von LH und FSH hemmen und so den Zyklus unterdrücken.
Lebensstil und äußere Einflüsse:
- Stress: Psychische Belastungen und chronischer Stress können die Hormonachse zwischen Gehirn und Eierstöcken stören und zu Zyklusstörungen führen.
- Ernährung: Mangel- oder Fehlernährung, wie beispielsweise bei Magersucht, kann zum Ausbleiben der Regel führen. Übergewicht (Adipositas) kann ebenfalls den Zyklus stören, da Fettgewebe männliche Hormone produziert.
- Schichtarbeit und unregelmäßiges Leben: Nacht- und Schichtarbeit können den natürlichen Biorhythmus stören und den Zyklus beeinflussen.
- Umgebungswechsel: Ein Ortswechsel, wie ein Auslandsjahr, kann vorübergehende Zyklusverschiebungen verursachen.
- Medikamenteneinnahme: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, der Vaginalring oder das Hormonpflaster greifen in den natürlichen Zyklus ein und können nach dem Absetzen zu vorübergehenden Unregelmäßigkeiten führen.
- Operationen: Eingriffe an Gebärmutter oder Eierstöcken, Ausschabungen oder Schwangerschaftsabbrüche können Zyklusstörungen verursachen.
- Rauchen, Übergewicht und starker Stress: Diese Faktoren können die Regelmäßigkeit des Zyklus negativ beeinflussen.
Hormonelle Störungen und Erkrankungen:
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Bei dieser Stoffwechselerkrankung sind die Eizellreifung und der Eisprung gestört, was zu unregelmäßigen Zyklen führt. Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel spielen hierbei eine Rolle.
- Schilddrüsenfehlfunktionen
- Endometriose: Eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter vorkommt.
- Tumore: Gut- oder bösartige Tumore der Eierstöcke oder der Gebärmutter können Zyklusstörungen verursachen.
- Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane
- Frühschwangerschaft: Blutungen in der Frühschwangerschaft können Zyklusunregelmäßigkeiten vortäuschen.
Die häufigste Ursache für eine chronische Zyklusstörung ist laut Expert:innen die familiär bedingte Veranlagung.
Regelschmerzen: Ursache, Symptome & Behandlung | Dr. Johannes Wimmer
Folgen von Zyklusstörungen
Zyklusstörungen können verschiedene negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben:
- Eisenmangel und Blutarmut (Anämie): Wenn die Menstruation zu oft und zu stark auftritt, kann der Körper nicht schnell genug Blut nachbilden, was zu Müdigkeit, Abgespanntheit und erhöhter Infektanfälligkeit führt. Dieses Phänomen tritt häufig zwischen 40 und 50 Jahren auf.
- Verminderte Fruchtbarkeit: Wenn die Abstände zwischen den Blutungen zu groß sind oder der Körper zu wenig Progesteron bildet, kann dies die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
- Zyklusverschiebungen durch äußere Einflüsse: Stress, Reisen oder andere Lebensveränderungen können den Zyklus kurzfristig beeinflussen.
Was hilft bei Zyklusstörungen?
Es gibt verschiedene Ansätze, um den Zyklus zu harmonisieren und Beschwerden zu lindern:
Natürliche Behandlungsmethoden:
- Stressabbau: Techniken wie Yoga, autogenes Training, Entspannungsübungen oder Spaziergänge können helfen, Stressfaktoren zu reduzieren.
- Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Dieses pflanzliche Mittel in Tabletten- oder Tropfenform wird häufig als erster Schritt bei Zyklus- und Menstruationsstörungen empfohlen. Es reguliert die Funktion der Eierstöcke und den Eisprung, ohne hormonell zu wirken. Die Einnahme erfolgt in der Regel über drei Monate.
- Vitamin B6: Unterstützt die Hormonproduktion und trägt zu einem regelmäßigen Zyklus bei.
- Progesteron: Sowohl natürliches als auch ärztlich verordnetes Progesteron kann bei einem verkürzten Zyklus, prämenstruellem Syndrom (PMS) und starken Regelblutungen helfen. Die Einnahme erfolgt meist in der zweiten Zyklushälfte ab dem 12. Tag.
- Ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten, mit ausreichend Proteinen, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, unterstützt die Hormonproduktion.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann zur Stabilisierung des Hormonsystems beitragen.
- Wärmeanwendungen: Wärmepflaster, Wärmflaschen oder Bäder können bei Regelschmerzen lindernd wirken.
- Entspannungsmethoden: Progressive Muskelrelaxation oder achtsamkeitsbasierte Stressreduktion können helfen, Stimmungsschwankungen zu mildern.
Medizinische Ansätze:
- Hormonbehandlung mit Pille: Als hormonelle Therapie sämtlicher Zyklusstörungen können Frauen auch die Pille oder ein entsprechendes Hormonpräparat einnehmen.
- Ärztliche Beratung: Bei anhaltenden oder starken Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich, um die genaue Ursache zu ermitteln und eine passende Behandlung einzuleiten.

Zyklus-App und Dokumentation
Es ist wichtig, den eigenen Zyklus zu dokumentieren, sei es mithilfe einer Zyklus-App oder eines Kalenders. Dies hilft, Muster zu erkennen, Veränderungen festzuhalten und dem Gefühl, dass der Zyklus gestört ist, eine objektive Grundlage zu geben. Die genaue Erfassung der Blutungsstörungen kann für die ärztliche Diagnose und Behandlung wertvoll sein.
Der weibliche Zyklus im Detail
Der weibliche Zyklus ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hormone, das den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Er lässt sich grob in drei Phasen einteilen:
1. Follikelphase (erste Zyklushälfte)
Diese Phase beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation. Unter dem Einfluss von FSH (follikelstimulierendes Hormon) reifen mehrere Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken. Gleichzeitig steigt der Östrogenspiegel an, was zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führt. Diese Phase ist oft von einer besseren Stimmung und höherer Leistungsfähigkeit geprägt.
2. Ovulationsphase (Zyklusmitte)
Ein starker Anstieg des LH (luteinisierendes Hormon) löst den Eisprung (Ovulation) aus. Die reife Eizelle wird aus dem dominanten Follikel freigesetzt und wandert in den Eileiter. Dies ist die fruchtbarste Zeit im Zyklus.
3. Lutealphase (zweite Zyklushälfte)
Nach dem Eisprung wandelt sich der leere Follikel in den Gelbkörper um, der nun vorrangig das Hormon Progesteron produziert. Progesteron bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor. Wenn keine Schwangerschaft eintritt, bildet sich der Gelbkörper zurück, die Progesteron- und Östrogenspiegel sinken, und die Menstruation setzt ein. Diese Phase kann bei einigen Frauen mit Stimmungsschwankungen oder prämenstruellen Beschwerden (PMS) einhergehen.

Hormone und ihre Rolle im Zyklus
Eine Vielzahl von Hormonen steuert den weiblichen Zyklus in fein abgestimmten Regelkreisen:
- Östrogene (z.B. Östradiol): Werden in den Eierstöcken gebildet und sind essenziell für die Entwicklung der Eizellen und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Sie beeinflussen auch die Stimmung positiv.
- Progesteron: Wird vom Gelbkörper produziert und bereitet den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Ein Mangel kann zu PMS und starken Blutungen führen.
- LH (luteinisierendes Hormon): Wird von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet und löst den Eisprung aus.
- FSH (follikelstimulierendes Hormon): Ebenfalls von der Hypophyse produziert, regt es das Wachstum der Follikel an.
- Prolaktin: Kann in erhöhter Konzentration die Freisetzung von GnRH hemmen.
- GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon): Wird im Zwischenhirn (Hypothalamus) gebildet und steuert die Ausschüttung von LH und FSH.
Das Gehirn, insbesondere Hypothalamus und Hypophyse, agiert als Schaltzentrale für den Menstruationszyklus. Faktoren wie Stress, Ernährung und Krankheiten können hier ansetzen und das Geschehen beeinflussen.
Zyklusstörungen nach Absetzen der Pille oder nach Fehlgeburt
Nach dem Absetzen der Pille ist es normal, dass der erste Zyklus verlängert ist (ca. sechs Wochen). Treten danach weiterhin Störungen auf, lag dies oft schon vor der Pilleneinnahme vor. War der Zyklus davor regelmäßig, pendelt er sich meist innerhalb von drei Monaten wieder ein.
Ähnlich verhält es sich nach einer Fehlgeburt: Die erste Blutung tritt typischerweise nach etwa sechs Wochen auf, und danach sind normale Zyklen zu erwarten, es sei denn, es bestanden bereits vor der Fehlgeburt Zyklusprobleme.