Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das sowohl tagsüber als auch nachts auftreten kann. Dabei werden die Zähne unbewusst aufeinander gepresst oder gerieben. Dies kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen, die weit über den Zahnschmelz hinausgehen.
Formen des Bruxismus
Mediziner unterscheiden zwei Hauptformen des Zähneknirschens:
Schlafbruxismus (Nocturnal Bruxism)
Bei dieser Form knirschen und pressen die Betroffenen ihre Zähne und Kiefer unbewusst während des Schlafens aufeinander. Dies kann mit einer Kraft von bis zu 800 Newton im Kauzentrum und Phasen von bis zu 20 Minuten Dauer erfolgen. Psychische Belastungen und Spannungen werden auf diese Weise abgebaut.
Wachbruxismus (Diurnal Bruxism)
Zähneknirschen kann auch tagsüber stattfinden. Betroffene stehen unter so enormer Anspannung, dass sie, hellwach, jedoch meist unbewusst, Zähne und Kiefer aufeinanderpressen.
Ursachen von Bruxismus
Entwicklungsgeschichtlich stellt Bruxismus eine physiologische Funktion zum Abbau von Stress dar. Auch bei Kindern hat das Knirschen der Milchzähne eine natürliche Funktion für die Positionierung der bleibenden Zähne. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft stehen viele Menschen jedoch unter Dauerstress und ständiger Anspannung. Sprachbilder wie „sich in eine Sache verbeißen“, „sich festbeißen“ oder „die Zähne zusammenbeißen“ bei psychischen oder körperlichen Verletzungen zeigen, welche Rolle die Zähne in unserer Gefühlswelt spielen.
Neben Stress kann auch ein Fehlbiss Ursache für Bruxismus sein. Die Zähne von Ober- und Unterkiefer finden keinen gleichmäßigen und gleichzeitigen Kontakt, sondern es kommt an manchen Stellen zu Frühkontakten, also zum vorzeitigen Aufeinandertreffen der Zähne. Dafür häufig verantwortlich sind:
- zu hohe Kronen, Füllungen oder Brücken
- nicht versorgte Zahnlücken
- schlecht sitzende Prothesen
- mangelhafte Zahnimplantate
- kieferorthopädische Fehlregulierungen
Es wird auch davon ausgegangen, dass ein Mangel an Magnesium zu angespannteren Muskeln führen kann, was auch die Kiefermuskulatur einschließt.

Folgen von Bruxismus
Unbehandeltes Zähneknirschen kann erhebliche negative Auswirkungen sowohl auf das Gebiss als auch auf die Gesundheit des gesamten Körpers haben.
Auswirkungen auf den Zahnhalteapparat, die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk
Durch das Pressen und Knirschen wird der Zahnhalteapparat überlastet, was dazu führen kann, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht. Eine daraus resultierende Zahnfleischentzündung (Gingivitis) kann sich zu einer Parodontitis ausweiten, mit der Folge von sich lockernden oder brechenden Zähnen bis hin zum totalen Zahnverlust. Zudem versucht die beteiligte Kopf-Gesichts- und Kaumuskulatur, den Fehlbiss auszugleichen und verspannt sich. Dies verstärkt wiederum den Bruxismus, die Zähne werden weiter abgeknirscht, die Fehlkontakte verstärken sich. Es entsteht ein Abrasionsgebiss mit schweren Schädigungen der Zähne.
Durch die Fehlfunktion der Zähne werden auch die Gelenkköpfe des Kiefergelenks belastet. Sie nehmen eine unphysiologische Position ein, mit Kompression des Kiefergelenks. Daraus resultieren unterschiedliche Beschwerdesymptome einer sich manifestierenden Craniomandibulären Dysfunktion (CMD), einer Funktionsstörung im Kausystem.
Auswirkungen auf die Gesundheit des ganzen Körpers
Die oben genannten Prozesse können verantwortlich sein für die Entwicklung von Muskel- und Gelenkschmerzen in unterschiedlichen Körperregionen und haben somit Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit. So sind Wechselbeziehungen zwischen Kaufunktionsstörungen und neuromuskulärer Symptomatik wissenschaftlich belegt. Zu den häufig auftretenden CMD-Symptomen gehören Kopf- und Gesichtsschmerzen, Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Migräne und Tinnitus.
Anzeichen von Bruxismus
Menschen, die von Schlafbruxismus betroffen sind, klagen häufig über massive Schlafstörungen und Schmerzen an Zähnen, Kiefergelenken und Gesichtsmuskulatur nach dem Aufwachen. Auch wird von verspanntem Nacken, Kopfschmerzen und Tinnitus berichtet. Die Untersuchung durch den Zahnarzt ergibt eine erhöhte Druckempfindlichkeit von Kaumuskulatur und Kiefergelenken, Kiefergelenkgeräusche oder empfindliches Zahnfleisch.
Die Zähne, besonders in der Front, sind deutlich kürzer, wirken wie abgeschliffen, die Eckzähne haben keine Spitzen mehr. Das Zahnfleisch hat sich zurückgebildet, der Zahnschmelz hat Risse. Ein Abrasionsgebiss liegt vor.
Folgende Anzeichen können auf Bruxismus hindeuten:
- Hinweise vom Partner auf nächtliches Knirschen oder Pressen
- Schmerzen in den Kiefergelenken, der Kaumuskulatur oder der Nackenmuskulatur
- Morgenliche Kopfschmerzen im Schläfenbereich
- Überempfindliche Zähne
- Probleme beim Öffnen des Kiefers
- Sichtbare Zahndefekte wie abgeplatzte Stellen am Zahnhals oder fehlende Eckzahnspitzen
- Zurückgebildetes Zahnfleisch
- Risse im Zahnschmelz

Therapieansätze bei Bruxismus
Bruxismus sollte in den Fällen behandelt werden, in denen der Patient unter eindeutigen CMD-Symptomen leidet oder bereits Schädigungen an Zähnen oder Zahnhalteapparat aufgetreten sind.
Aufbissschienen (Knirscherschienen)
Eine der effektivsten Methoden zur Behandlung von Zähneknirschen und den Konsequenzen einer CMD ist eine Schienentherapie mit einer maßgeschneiderten Aufbissschiene (Okklusionsschiene oder auch Beißschiene). Eine solche Knirscherschiene wird über Nacht getragen, um die Zähne vor dem Knirschen zu schützen. Der unmittelbare Kontakt der Zahnreihen bzw. der Zähne des Ober- und des Unterkiefers beim Zusammenpressen wird dadurch verhindert. Zahnschmelz sowie Zahnhalteapparat werden geschützt und die Kiefergelenke entlastet. Es gibt verschiedene Arten von Aufbissschienen, darunter die Michigan-Schiene, die den Kiefer in seiner natürlichen Position hält.
Die Schiene dient in erster Linie dem Schutz der Zähne. Das Knirschen selbst wird dadurch nicht unbedingt gestoppt, sondern es wird ein Symptom behandelt.
Stressabbau und Entspannung
Stressabbau und Muskelentspannung können durch Entspannungstechniken und Physiotherapie erfolgen. Hilfreich ist oft auch eine Verhaltens- oder Psychotherapie. Entspannungsfördernd sind autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung. Bei anhaltendem Stress und psychischen Beschwerden ist es sinnvoll, ärztlichen Rat zu suchen.
Maßnahmen zur Stressreduktion können sein:
- Achtsamkeits- und Entspannungsübungen
- Angenehme Aktivitäten, die Glückshormone freisetzen
- Tagebuch führen oder Dankbarkeit aufschreiben
- Musik hören
- Geführte Abendmeditationen
- Abendspaziergänge
- Entspannungsbäder
Physiotherapie und Selbsthilfeübungen
Um Verspannungen im Kiefergelenk und im Nacken zu lösen, sind alle Maßnahmen empfehlenswert, welche die Muskulatur entspannen. Durch Physiotherapie erhalten Patienten Tipps für Übungen zu Hause oder zur Korrektur von Fehlhaltungen im Alltag. Regelmäßige Selbstmassagen des Kieferknochens sowie gezielte Dehnübungen für die Kiefermuskulatur können ebenfalls zur Linderung beitragen.
Ein Beispiel für eine Übung zur Dehnung der Kiefermuskulatur:
- Mund so weit wie möglich öffnen.
- Rechte Hand im rechten Winkel ans Kinn legen und dieses langsam in Richtung Kinn ziehen, bis eine Dehnung spürbar ist.
- Linke Hand an die Stirn legen, um die Dehnung zu intensivieren.
- Dehnung für 2 bis 2,5 Minuten halten.
- Mund langsam schließen und die Muskulatur entspannen.
Mache DIESE Übungen gegen Kieferknacken & Kieferblockade
Weitere therapeutische Ansätze
In seltenen Fällen können die Therapiemaßnahmen für eine begrenzte Zeit durch schmerzlindernde Medikamente oder muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxans) unterstützt werden. Auch Botulinumtoxin (Botox) kann in den Kiefermuskel injiziert werden, um diesen zu entspannen. Die Wirkung hält in der Regel etwa sechs Monate an.
Die Biofeedback-Therapie zielt darauf ab, unbewusste Körperfunktionen wie das Zähneknirschen bewusst zu machen. Dabei erhält der Patient ein technisches Hilfsmittel, das Signale sendet, sobald das Knirschen beginnt.
Auch osteopathische Behandlungen, homöopathische Mittel oder Hypnose werden als ergänzende Therapieansätze genannt, wobei die wissenschaftliche Evidenz für einige dieser Methoden begrenzt ist.
Bruxismus bei Kindern
Bei Babys und Kindern ist das Zähneknirschen, insbesondere im Schlaf, in den ersten Lebensmonaten und während des Wachstums der Milchzähne oft ein normaler Entwicklungsprozess. Dies dient der korrekten Positionierung der bleibenden Zähne und der Formung des Gebisses. Eltern brauchen sich in dieser Phase in der Regel keine Sorgen zu machen. Sobald jedoch die bleibenden Zähne durchbrechen, sollte das Knirschen aufhören. Bei älteren Kindern und Jugendlichen kann Zähneknirschen, ähnlich wie bei Erwachsenen, schädlich sein und andere Ursachen haben.
Schnuller für Erwachsene
Der Trend zu Schnullern für Erwachsene, auch Adult Pacifiers genannt, gewinnt an Bedeutung. Diese sind oft größer gestaltet als Babyschnuller und werden aus unterschiedlichen Gründen genutzt, sei es zur Beruhigung, bei Behinderungen oder für Rollenspiele. Allerdings können auch diese Schnuller, ähnlich wie bei Kindern, negative Auswirkungen auf die Zahnstellung und das Kiefergelenk haben, da die Knochenstruktur bei Erwachsenen bereits ausgebildet ist und sich Fehlstellungen nicht mehr von selbst zurückbilden. Dies kann zu offenem Biss, Problemen im Kiefergelenk (TMG) sowie Störungen beim Schlucken und der Zungenposition führen. Eine kieferorthopädische Behandlung kann dann notwendig werden.

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