Die Straße von Hormus: Engpass und Pulsader des globalen Ölhandels

Die Straße von Hormus ist mit einer Breite von nur etwa 50 Kilometern, an ihrer engsten Stelle sogar nur 33 Kilometern, eine der strategisch bedeutendsten Wasserstraßen der Welt. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen sind an ihrer engsten Stelle lediglich drei Kilometer breit. Diese Meerenge verbindet den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten und stellt somit einen entscheidenden Engpass für den globalen Öl- und Flüssigerdgas-Export dar.

Karte der Straße von Hormus mit angrenzenden Ländern und wichtigen Häfen

Strategische Bedeutung und globale Auswirkungen

Rund ein Fünftel des weltweiten Erdöl- und Flüssigerdgas-Transports passieren diese Meerenge, was ihr eine zentrale Bedeutung für die globale Energieversorgung verleiht. Insbesondere im Jahr 2024 passierten täglich durchschnittlich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus, was fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs entspricht. Jede Störung in dieser Region kann daher erhebliche Ölpreisschwankungen und weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zur Folge haben.

Die aktuelle Lage, geprägt von Drohungen der Huthi-Rebellen im Jemen und der Meidung der Meerenge durch große Reedereien wie Hapag-Lloyd und Maersk, führt zu verknappten Transportkapazitäten. Dies schürt Erwartungen an steigende Frachtraten, was die Preise für den Containertransport tendenziell erhöht. Mehrere große Schiffsversicherer haben zudem angekündigt, den Versicherungsschutz für Kriegsrisiken in der Region zurückzuziehen, was iranische Gewässer, den Persischen Golf und angrenzende Seegebiete betrifft.

Die Konsequenz der aktuellen Blockade ist, dass derzeit kein Öl aus den wichtigen Förderländern der Golfregion die Straße von Hormus passieren kann. Dies hat bereits zu kräftigen Anstiegen der Ölpreise geführt, teilweise um bis zu neun Prozent. Die führenden Produzenten der OPEC+ wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Rahmen von Notfallplänen ihre Ölexporte bereits erhöht.

Infografik, die den Anteil der durch die Straße von Hormus transportierten Ölmenge am weltweiten Verbrauch darstellt

Geografische Lage und Hoheitsgewässer

Die Straße von Hormus liegt zwischen einer Einbuchtung der Küste Irans im Norden und der aus Arabien vorspringenden Halbinsel Musandam im Süden, die zum Oman gehört. Die schiffbaren Passagen führen durch die Hoheitsgewässer des Iran und des Oman. Zwar hat der Iran ein UN-Abkommen unterzeichnet, das Handelsschiffen freie Durchfahrt garantiert, dieses jedoch nicht ratifiziert. Nach Beginn der Angriffe hat der Iran die Meerenge zwar nicht physisch blockiert, aber die allgemeine Unsicherheit und die Gefahr von Zwischenfällen sind gestiegen.

Die Straße von Hormus wird von den beiden Staaten Iran und Oman kontrolliert, wobei die Halbinsel Musandam eine omanische Exklave darstellt. Die Durchfahrt soll eigentlich nach dem UN-Seerechtsübereinkommen geregelt werden, welches allen Schiffen das Recht der friedlichen Durchfahrt garantiert. Da der Iran dieses Abkommen jedoch nicht ratifiziert hat, ist seine Gültigkeit für die Straße von Hormus eingeschränkt. Dennoch können sich Schiffe auf ältere Genfer Seerechtskonventionen berufen, die ebenfalls das Recht der friedlichen Durchfahrt gewähren, auch wenn diese von den USA ratifiziert, vom Iran aber nicht.

Historische Bedeutung und vergangene Konflikte

Seit der Antike ist die Straße von Hormus eine wichtige Schifffahrtsstraße. Durch sie verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen Kuwaits, Katars, Bahrains, des Irak, der Vereinigten Arabischen Emirate und Irans, sowie der größte Teil des saudischen Verkehrs. Bis zum 16. Jahrhundert war sie der wichtigste Wasserweg auf dem Handelsweg von Europa nach Indien.

Der Portugiese Vasco da Gama segelte 1497/98 um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien, und dieser Seeweg wurde bis zur Eröffnung des Suezkanals 1861 zum üblichen Seeweg zwischen Europa und Indien. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts pflegte Großbritannien enge Beziehungen zu den Scheichtümern an der Golfküste, insbesondere zum Sultan von Oman, da dieser den Zugang zur Straße von Hormus kontrollierte, was für die britischen Handelsrouten nach Indien von großer Bedeutung war.

Während des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 kam der Öltransport durch die Straße von Hormus zum Erliegen. In dieser Zeit, bekannt als der "Tanker-Krieg", griffen beide Seiten Hunderte Tanker im Persischen Golf und der Straße von Hormus an.

Bereits seit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Jahr 2018 häuften sich Vorfälle, bei denen die iranischen Revolutionsgarden ausländische Schiffe festsetzten. Im Jahr 2024 beschlagnahmten die Revolutionsgarden beispielsweise das unter der Flagge Portugals fahrende Containerschiff "MSC Aries" wegen angeblicher Verbindungen zu Israel. Zuvor, im Jahr 2019, machten die USA den Iran für mehrere Angriffe auf Schiffe in der Golf-Region verantwortlich.

So wichtig ist die Straße von Hormus für den Ölmarkt | ntv

Alternative Routen und Kapazitäten

Um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu verringern, hat Saudi-Arabien seit dem Iran-Irak-Krieg die doppelsträngige Ost-West-Pipeline quer über die Arabische Halbinsel gebaut. Diese Pipeline transportiert Öl von den Ölfeldern am Persischen Golf nach Westen zum Hafen Yanbu am Roten Meer und hat eine Kapazität von derzeit 7 Millionen Barrel pro Tag.

Die aktuelle Schließung der Straße von Hormus hat weitreichende Folgen für die asiatischen Länder, die zu den Hauptabnehmern des durch die Meerenge transportierten Öls und Gases zählen. 80 Prozent des durch die Meerenge transportierten Öls und Gases sind für die asiatischen Märkte bestimmt, wobei China mit mehr als 90 Prozent der wichtigste Abnehmer iranischen Öls ist.

Experten betonen, dass die Dauer der Sperrung von entscheidender Bedeutung ist. Kurzfristig bestehe zwar keine Knappheit, da genügend Öl auf den auf See befindlichen Tankern vorhanden sei, um den globalen Verbrauch für etwa zwölf bis 15 Tage zu decken. Langfristig jedoch könnte sich die Angst vor einer Ölknappheit bewahrheiten.

Die Straße von Hormus ist zudem ein wichtiger Transitpunkt für Flüssigerdgas. Täglich passieren etwa 20 Prozent des weltweit verbrauchten Flüssigerdgases und ein Drittel des in Europa verbrauchten Flugzeugtreibstoffs die Meerenge.

Internationale Reaktionen und zukünftige Entwicklungen

Die aktuelle Situation hat zu internationalen Spannungen geführt. US-Streitkräfte und Verbündete sind aktiv an der Sicherung der Straße von Hormus beteiligt. Die USA haben wiederholt ihre Besorgnis über die iranischen Aktivitäten in der Region geäußert und die Bedeutung der freien Schifffahrt betont.

Ein binationaler Plan Irans und des Oman, die Straße von Hormus mit einer Straßenverbindung per Dämmen und einer Brücke zu versehen, stieß auf internationale kontroverse Diskussionen. Bedenken gab es hinsichtlich des Konfliktpotenzials für die internationale Seefahrt, der Durchquerung von Gebieten der Vereinigten Arabischen Emirate und möglicher negativer Auswirkungen auf die Meeresökologie im Persischen Golf.

Die Straße von Hormus bleibt somit ein kritischer Knotenpunkt, dessen Stabilität für die globale Energieversorgung und die Weltwirtschaft von immenser Bedeutung ist. Jede Eskalation in der Region birgt das Potenzial für weitreichende wirtschaftliche und politische Konsequenzen.

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