Die natürliche Familienplanung (NFP) basiert auf dem Wissen über den weiblichen Menstruationszyklus und zielt darauf ab, die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage einer Frau zu bestimmen. Diese Informationen können sowohl zur Verhütung als auch zur gezielten Planung einer Schwangerschaft genutzt werden. Die symptothermale Methode gilt dabei als die sicherste Form der NFP.
Grundlagen des weiblichen Menstruationszyklus
Der weibliche Monatszyklus lässt sich grob in zwei Hauptphasen unterteilen, die vom ersten Tag der Menstruation an gezählt werden:
Phase der Eireifung
Diese Phase beginnt am ersten Tag der Menstruation und dauert bis zum Eisprung. Während dieser Zeit verdickt sich die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), um eine Eizelle nach der Befruchtung aufnehmen zu können. Gleichzeitig reifen in den Eierstöcken die Eibläschen heran.
Gelbkörperphase
Diese Phase schließt sich an den Eisprung an und endet am ersten Tag der nächsten Menstruation. Nach dem Eisprung wandert die Eizelle durch den Eileiter in die Gebärmutter. Wird sie nicht befruchtet, stirbt sie ab. Etwa zwei Wochen nach dem Eisprung wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen, was zur Menstruationsblutung führt und einen neuen Zyklus einleitet.
Fruchtbare und unfruchtbare Tage
Das Verständnis der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ist entscheidend für die natürliche Familienplanung:
- Fruchtbare Tage: Diese beginnen etwa fünf Tage vor dem Eisprung, da Spermien im weiblichen Körper bis zu dieser Zeit überleben können. Die Eizelle ist nach dem Eisprung nur etwa 24 Stunden lang befruchtungsfähig.
- Unfruchtbare Tage: Dies sind die Tage außerhalb des Zeitfensters, in dem eine Befruchtung möglich ist.

Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP)
Es gibt verschiedene Methoden, um den Zeitpunkt des Eisprungs und somit die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Diese Methoden zielen darauf ab, Veränderungen im Körper der Frau zu erkennen:
1. Kalendermethode
Bei dieser Methode wird der wahrscheinliche Zeitpunkt des nächsten Eisprungs auf Basis der Längen vorausgehender Zyklen berechnet. Sie gilt jedoch als wenig sicher, da die Zykluslänge und der Zeitpunkt des Eisprungs von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus variieren können. Moderne Apps und Online-Rechner, die auf dieser Methode basieren, gehen oft von einem durchschnittlichen 28-Tage-Zyklus aus, was nur auf etwa zehn Prozent der Frauen zutrifft.
2. Basaltemperatur-Messung
Die Körpertemperatur der Frau unterliegt während des Zyklus geringen Schwankungen. Nach dem Eisprung steigt die Basaltemperatur (die Körpertemperatur am Morgen vor dem Aufstehen) um mindestens 0,2 °C an und bleibt erhöht. Dieser Anstieg deutet auf den Beginn der unfruchtbaren Phase hin. Für eine zuverlässige Messung muss die Temperatur jeden Morgen zur gleichen Zeit, vor dem Aufstehen und an derselben Körperstelle (z. B. im Mund, in der Vagina oder im After) gemessen werden. Störfaktoren wie Krankheit, Schlafmangel, Alkohol oder spätes Essen können die Temperatur beeinflussen und die Methode unsicher machen.

3. Zervixschleim-Beobachtung (Billings-Methode)
Der Zervixschleim, der im Gebärmutterhals produziert wird, verändert seine Beschaffenheit im Laufe des Zyklus unter hormonellem Einfluss. Vor dem Eisprung wird der Schleim flüssiger, klarer und spinnbarer. Nach dem Eisprung wird er wieder zäher und trüber. Durch die Beobachtung des Schleimausgangs am Scheidenrand kann die Frau Rückschlüsse auf ihren Eisprung ziehen. Infektionen oder Scheidenspülungen können die Schleimbeschaffenheit jedoch verändern und die Methode unsicher machen.
4. Ertasten des Muttermunds
Der Muttermund, der untere Teil des Gebärmutterhalses, verändert seine Beschaffenheit und Position im Laufe des Zyklus. Direkt nach der Menstruation ist er geschlossen und fest. In der fruchtbaren Phase wird er weicher, leicht geöffnet und tiefer in die Vagina verlagert. Diese Veränderungen können erfühlt werden.
5. Symptothermale Methode
Diese Methode kombiniert die Messung der Basaltemperatur mit der Beobachtung des Zervixschleims. Oft wird sie durch das Ertasten des Muttermunds ergänzt. Die symptothermale Methode gilt als die zuverlässigste der natürlichen Verhütungsmethoden, da sie mehrere Körperzeichen kombiniert und somit eine höhere Sicherheit bietet. Die Double-Check-Methode ist eine Variante, die Temperaturmessung und Zervixschleim-Beobachtung kombiniert.
6. Ovulationstests und Hormonmessungen
Diese Tests können den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) nachweisen, der kurz vor dem Eisprung stattfindet. Auch andere Hormone können den Eisprung ankündigen. Sie können als zusätzliche Hilfsmittel zur Bestimmung der fruchtbaren Tage dienen.
Zuverlässigkeit und Anwendung der NFP-Methoden
Die Zuverlässigkeit der natürlichen Familienplanung ist stark von der konsequenten und korrekten Anwendung abhängig. Einzelne Methoden sind oft weniger sicher als andere Verhütungsmethoden wie die Pille oder die Spirale. Die Sicherheit verbessert sich, wenn mehrere Methoden kombiniert werden, insbesondere bei der symptothermalen Methode.
Pearl-Index (ein Maß für die Sicherheit einer Verhütungsmethode):
- Symptothermale Methode (bei perfekter Anwendung): ca. 0,4 %
- Pille (bei perfekter Anwendung): ca. 0,3 %
- Kalendermethode (allein): sehr unsicher
- Temperaturmethode (allein): unsicher
- Billings-Methode (allein): unsicher
Es ist wichtig zu beachten, dass viele natürliche Methoden nicht ausreichend durch große, unabhängige wissenschaftliche Studien belegt sind. Die symptothermale Methode ist jedoch vergleichsweise gut untersucht.
Die Anwendung der NFP erfordert Übung, Disziplin und Erfahrung in der Deutung der Körperzeichen. Es wird empfohlen, die Methode über mehrere Zyklen zu erlernen, bevor man sich ausschließlich darauf verlässt. In bestimmten Lebensphasen wie der Stillzeit oder während der Wechseljahre kann die Anwendung schwierig sein.

Digitale Hilfsmittel: Apps und Zykluscomputer
Es gibt zahlreiche digitale Werkzeuge wie "Zyklus-Apps", "Fruchtbarkeitsmonitore", "Kalender-Apps" und "Eisprungrechner". Diese Tools können bei der Dokumentation und Auswertung von Körperzeichen helfen und den Prozess bequemer gestalten. Ihre Zuverlässigkeit hängt jedoch stark von der zugrundeliegenden Methode ab. Apps, die auf der Kalendermethode basieren, sind oft unzuverlässig. Besser sind solche, die die symptothermale Methode unterstützen und eine genaue Dateneingabe ermöglichen.
Vor- und Nachteile der natürlichen Familienplanung
Vorteile:
- Kosten: Relativ kostengünstig, insbesondere ohne teure Geräte oder Abonnements.
- Keine Nebenwirkungen: Keine hormonellen oder chemischen Eingriffe in den Körper.
- Körperbewusstsein: Frauen lernen ihren Körper und Zyklus besser kennen.
- Natürlich: Keine künstlichen Substanzen.
- Partnerschaftlich: Kann einen partnerschaftlichen Umgang mit Verhütung fördern.
- Keine Arztbesuche nötig: Für die Anwendung selbst sind keine regelmäßigen Arztbesuche erforderlich.
Nachteile:
- Sicherheit: Weniger sicher als viele andere Methoden, insbesondere bei alleiniger Anwendung einzelner Zeichen.
- Aufwand: Erfordert regelmäßige Beobachtung und Dokumentation der Körperzeichen.
- Erfahrung notwendig: Die korrekte Anwendung und Auswertung erfordert Übung und Erfahrung.
- Verzicht/Zusatzschutz: An fruchtbaren Tagen muss auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder zusätzlich verhütet werden.
- Anwendungseinschränkungen: Schwierig in bestimmten Lebensphasen (Stillzeit, Wechseljahre) oder bei unregelmäßigem Lebensstil.
Notfallverhütung
Die Notfallverhütung dient als "Notlösung" nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder bei Versagen anderer Verhütungsmethoden. Sie ist nicht für die regelmäßige Anwendung gedacht.
- Notfallpille ("Pille danach"): Wirkt primär, indem sie den Eisprung verhindert oder verzögert. Ihre Effizienz hängt vom Zeitpunkt der Einnahme und der Zyklusphase ab. Es gibt verschiedene Präparate, darunter Levonorgestrel-haltige Pillen und Ulipristalacetat-haltige Pillen (ella), die als noch wirksamer gelten, insbesondere wenn sie kurz vor dem Eisprung eingenommen werden. Die Einnahme ist bis zu 5 Tage nach dem ungeschützten Verkehr möglich, wobei die Wirksamkeit mit der Zeit abnimmt.
- Kupferspirale (Intrauterinpessar, IUP): Gilt als die effizienteste Methode der Notfallverhütung. Sie kann bis zu 5 Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt werden und verhindert die Befruchtung oder Einnistung.
Es ist wichtig, sich über die verschiedenen Optionen und ihre Wirksamkeit im Klaren zu sein. Bei Unsicherheiten oder Fragen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Was tun bei Fragen?
Informationen zur natürlichen Familienplanung und Verhütung können helfen, die eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen. Für eine individuelle Beratung und Entscheidung über die passende Verhütungsmethode ist das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt unerlässlich. Gesundheitsinformationen.de und Beratungsstellen wie pro famila bieten unterstützende Informationen, ersetzen jedoch kein professionelles Beratungsgespräch.