Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach ist ein tief einschneidendes Erlebnis für Eltern. Die Begrifflichkeiten „stille Geburt“ und „Sternenkinder“ beschreiben diese schmerzhafte Realität. Dieser Wegweiser soll betroffenen Eltern Informationen und Unterstützung bieten, um diesen schweren Lebensabschnitt zu bewältigen.
Was ist eine Stille Geburt und was sind Sternenkinder?
Der Begriff „stille Geburt“ bezieht sich auf die Geburt eines Kindes, das im Mutterleib verstorben ist oder bei der Geburt keine erkennbaren Lebenszeichen zeigt. Medizinisch wird zwischen Fehlgeburt (Abort) und Totgeburt unterschieden. Eine Fehlgeburt liegt vor, wenn das im Mutterleib verstorbene Kind bei der Geburt weniger als 500 Gramm wiegt. Wiegt das Kind mindestens 500 Gramm, spricht man von einer Totgeburt.
Umgangssprachlich werden diese Kinder oft als Sternenkinder oder Schmetterlingskinder bezeichnet. Diese liebevollen Umschreibungen sollen Trost spenden und die Vorstellung vermitteln, dass die Kinder zu Sternen reisen und von dort aus für immer sichtbar sind.

Häufigkeit und Ursachen von Fehl- und Totgeburten
Etwa 15% aller Schwangerschaften enden unglücklich. Man unterscheidet zwischen frühen Fehlgeburten (bis zur 12. Schwangerschaftswoche) und späten Fehlgeburten (ab der 13. Schwangerschaftswoche). Insbesondere frühe Fehlgeburten bleiben oft unbemerkt, da Frauen zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von ihrer Schwangerschaft haben.
Die Ursachen für Fehl- und Totgeburten sind vielfältig und nicht immer eindeutig feststellbar. Dazu zählen:
- Chromosomale Erkrankungen des ungeborenen Kindes
- Hormonelle Störungen
- Infektionen
- Störungen der Plazenta und damit verbundene unzureichende Versorgung des Kindes
- Komplikationen mit der Nabelschnur
- Nicht diagnostizierter Schwangerschafts-Diabetes
- Fehlbildungen des Kindes
- Bestimmte Erkrankungen der Mutter
- Unerwartete Schwangerschaftskomplikationen
Ein Baby kann leider auch während oder nach der Geburt sterben. Ursachen hierfür können Fehlbildungen, Frühgeburten mit geringem Geburtsgewicht oder nicht ausreichend entwickelter Lungenfunktion, Hirnblutungen, schwere Infektionen oder Blutvergiftungen sein.
Der Umgang mit dem Verlust: Trauer und Verarbeitung
Der Verlust eines Kindes ist für die Eltern oft das Schlimmste, was ihnen passieren kann. Viele Familien fühlen sich in dieser Situation allein gelassen, stoßen auf Ratlosigkeit oder Unverständnis in ihrem Umfeld. Frauen sind häufig von Selbstvorwürfen geplagt.
Die Trauer ist ein individueller Prozess. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ im Trauern. Betroffene Eltern dürfen sich trauen, so zu trauern, wie es ihnen guttut, und müssen sich nicht an gesellschaftliche Normen halten.
Wichtige Aspekte der Trauerbewältigung:
- Sich Zeit nehmen: Die Verarbeitung des Verlustes braucht Zeit. Eltern sollten sich nicht unter Druck setzen lassen.
- Den Verlust anerkennen: Die Existenz des Kindes anzuerkennen und um es trauern zu dürfen, ist essenziell.
- Unterstützung suchen: Angehörige, Freunde, Krankenhauspersonal, Hebammen und spezialisierte Beratungsstellen können wichtige Anlaufstellen sein.
- Erinnerungen schaffen: Fotos, Hand- und Fußabdrücke oder Haarsträhnen können helfen, wertvolle Erinnerungen zu bewahren.

Medizinische und psychologische Aspekte der stillen Geburt
Mit zunehmendem medizinischem Fortschritt ist es möglich, bereits während der Schwangerschaft Erkrankungen oder Fehlbildungen festzustellen. Dies kann Eltern vor die schwierige Entscheidung stellen, die Schwangerschaft fortzusetzen oder zu beenden.
Bei einer stillen Geburt wird den Müttern grundsätzlich eine natürliche Geburt empfohlen. Ein Kaiserschnitt wird nur bei gesundheitlichen Problemen der Mutter durchgeführt. Aus psychologischer Sicht ist die natürliche Geburt oft hilfreich für die emotionale Verarbeitung des Verlustes, da die Mutter ihr totes Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringt.
Die Geburt kann auf natürlichem Wege einsetzen oder eingeleitet werden. Das Abwarten des natürlichen Geburtsbeginns kann es der Seele erleichtern, Abschied zu nehmen. Eine Einleitung der Geburt durch Medikamente ist ebenfalls möglich, kann aber aufgrund der noch nicht reifen Gebärmutter langwierig sein.
Schmerzmanagement bei der stillen Geburt
Der Wunsch nach einer möglichst schmerzfreien Geburt ist bei einer stillen Geburt oft besonders dringlich. In Kliniken steht eine ausreichende Schmerzlinderung zur Verfügung, beispielsweise durch eine Periduralanästhesie. Auch andere Formen der Schmerzlinderung können jederzeit verlangt werden. Eine Geburt in einer vertrauten und unterstützenden Atmosphäre kann auch ohne Schmerzmittel möglich sein, da das Spüren des Geburtsschmerzes der Seele beim Abschied helfen kann.
Warum kein Kaiserschnitt bei toten Kindern?
Obwohl Kaiserschnitte heute sicherer geworden sind, bergen sie für die Mutter höhere Risiken als eine natürliche Geburt. Hinzu kommen Wundschmerzen nach dem Eingriff, die den seelischen Schmerz über den Verlust des Kindes noch verstärken können. Die natürliche Geburt, bei der das Kind mit jeder Wehe zur Welt gebracht wird, kann den Abschied für viele Mütter „erfahrbar“ machen und trotz des Schmerzes auch Stolz und Freude über die bewältigte Geburt hervorrufen.
Praktische Unterstützung und Hilfsangebote
Betroffene Eltern stehen oft vor vielen Fragen bezüglich gesetzlicher Bestimmungen, Bestattungsmöglichkeiten und der Bewältigung des Verlustes.
Gesetzliche Regelungen und Bestattung
Seit April 2017 ist die Eintragung von Sternenkindern ins Personenstandsregister möglich. Dies ermöglicht Eltern, die Existenz ihres Kindes urkundlich beglaubigen zu lassen. Die Eintragung erfolgt freiwillig und ist an keine Fristen gebunden. Eine ärztliche Bestätigung und ein amtlicher Lichtbildausweis sind für die Eintragung beim zuständigen Standesamt erforderlich.
Auch frühverstorbene Kinder können bestattet werden. Die Organisation obliegt den Eltern. In Wien gibt es beispielsweise Sammelgräber für Fehlgeburten, bei denen die Kinder eingeäschert werden. Für Kinder über 500 Gramm gibt es kleine Kindersärge, die in Sammelgräbern oder Familiengräbern bestattet werden können. Gedenk- und Abschiedsfeiern sind ebenfalls möglich.
Begleitung durch Hebammen und Doulas
Hebammen spielen eine wichtige Rolle in dieser schweren Zeit. Sie können:
- Wertvolle Erinnerungen schaffen (Fotos, Hand- und Fußabdrücke, Haarsträhnen).
- Bei der Gestaltung der Trauerfeier helfen.
- Einfach da sein und emotionale Unterstützung bieten.
Doulas können ebenfalls kontinuierlich für Sterneneltern da sein und sie während der Zeit des Wartens auf die Geburt und auch nach der Geburt begleiten. Sie bauen Netzwerke auf, um die Betreuung und Begleitung der Sterneneltern sicherzustellen.
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Initiativen und Projekte
Es gibt verschiedene Initiativen, die sich der Unterstützung von Sternenkindern und ihren Familien widmen:
- „Dein Sternenkind“: Vermittelt Fotografen, die kostenlose Fotos von Sternenkindern anfertigen.
- „Sternenkinderkleidung“: Engagierte Freiwillige fertigen spezielle Kleidung für Sternenkinder an, um deren Würde zu wahren und den Eltern die Möglichkeit zu geben, ihr Kind weich gebettet auf die Reise zu schicken.
- Vereine wie Pusteblume: Bieten Selbsthilfegruppen, Beratung und Unterstützung bei der Bewältigung der Trauer.
Diese Initiativen helfen, die Existenz der Kinder anzuerkennen, die Trauer zuzulassen und den Eltern Halt zu geben.
Abschied bewusst gestalten
Eine „stille Geburt“ und der frühe Abschied von ihrem Kind werden für die meisten Eltern unvergessen bleiben. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen.
Das sterbende Baby begleiten
Wenn Eltern wissen, dass ihr Baby nur eine geringe Überlebenschance hat, können sie sich darauf vorbereiten, sein kurzes Leben mit ihm zu teilen. Diese Momente sind kostbar. Die Geborgenheit und Liebe der Eltern ist für das sterbende Kind die wichtigste Hilfe.
Dem toten Baby begegnen
Es ist verständlich, wenn Eltern Zeit brauchen, um sich für die Begegnung mit ihrem toten Kind zu öffnen. Angst vor dem Aussehen oder mögliche Fehlbildungen können überfordernd sein. Geburtshelfer können hierbei unterstützen und die Eltern auf diesem Weg begleiten. Oft erfahren Eltern bei dieser Begegnung neben Kummer auch Momente des Glücks und sehen die ganz eigene Schönheit ihres Kindes.
Die Kaiserswerther Diakonie und das Florence-Nightingale-Krankenhaus bieten einfühlsame Begleitung für Eltern, die von einer stillen Geburt oder dem Verlust eines Sternenkindes betroffen sind. Klinikseelsorge und Gedenkfeiern sind Teil der Unterstützung.
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