Süßkirschen: Fruchtgenuss und Bestäubung

Die Süßkirsche, wissenschaftlich als Prunus avium bekannt, ist ein beliebter Obstbaum, der für seine schmackhaften Früchte und seine attraktive Blüte geschätzt wird. Ursprünglich stammt die kultivierte Süßkirsche von der wilden Vogelkirsche ab, die in Europa, Kleinasien und Teilen Westasiens heimisch ist. Bereits in der Antike wurde sie veredelt und verbreitet, was zu einer Vielzahl von Sorten mit unterschiedlichen Reifezeiten und Fruchteigenschaften führte.

Wuchsform und Aussehen

Die Süßkirsche wächst starkwüchsig, meist als aufrechter, später breitkroniger Baum. Je nach Unterlage kann sie eine Höhe von 4 bis 12 Metern erreichen. Durch gezielten Schnitt lässt sich der Baum gut in Form und Höhe regulieren. Der Baum ist langlebig und kann bei guter Pflege mehrere Jahrzehnte alt werden. Das sommergrüne Laub ist oval bis lanzettlich, glänzend grün mit gesägtem Rand. Im Herbst nimmt es eine attraktive Gelb- bis Orangetönung an.

Schema der Wuchsform eines Süßkirschenbaums mit breit ausladender Krone

Blüte und Früchte

Im April präsentiert sich die Süßkirsche in voller Pracht mit zahlreichen weißen, bienenfreundlichen Blüten. Ab Ende Mai bis Ende Juli, je nach Sorte, reifen die Früchte. Diese sind groß, saftig-süß mit festem Fruchtfleisch und glänzender Schale. Die Früchte eignen sich hervorragend zum Frischverzehr, für Kuchen, Konfitüre, Saft oder zum Einwecken. Die Erntezeit für Süßkirschen liegt üblicherweise im Mai bis Juli. Einige Sorten bleiben heller, was bei der Bestimmung des idealen Erntezeitpunkts helfen kann.

Nahaufnahme von reifen, glänzenden Süßkirschen am Baum

Standort und Bodenansprüche

Die Süßkirsche bevorzugt einen vollsonnigen, luftigen Standort mit nährstoffreichem, tiefgründigem und gut durchlässigem Boden. Sie ist winterhart, benötigt aber einen geschützten Platz zur Blütezeit, um Spätfrostschäden zu vermeiden. Lehmige, kalkhaltige Böden sind ideal; auf Staunässe reagiert sie empfindlich. Ein windgeschützter Platz ist ratsam. Für eine reiche Ernte gilt ein sonniger Standort als unverzichtbar. Der Boden sollte humusreich, locker, sandig-lehmig und durchlässig sein.

Befruchtung bei Süßkirschen

Für die Fruchtbildung benötigen Süßkirschen in der Regel Unterstützung durch andere Sorten, da die meisten nicht selbstfruchtbar sind. Das bedeutet, dass sie zur Ausbildung von Früchten auf den Pollen von einer anderen Kirschbaumsorte angewiesen sind. Ein Befruchterbaum sollte nicht weiter als 300 Meter entfernt stehen, damit bestäubende Insekten den Pollen transportieren können. Ohne einen geeigneten Befruchter bilden die Pflanzen trotz reicher Blüte keine Früchte aus.

Wichtigkeit von Befruchtersorten

Die Bedeutung von Befruchtersorten ist hoch, da ohne sie keine Früchte ausgebildet werden. Wenn in der Nachbarschaft ältere Kirschbäume stehen, die gut tragen, ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Bestäubung recht hoch, auch wenn die Sorten nicht bekannt sind. Es ist ratsam, eine geeignete Befruchtersorte in der Nähe zu pflanzen, um eine sichere Ernte zu gewährleisten.

Geeignete Befruchtersorten

Für die Sorte 'Kordia' werden als gute Befruchtersorten unter anderem 'Hedelfinger Riesenkirsche', 'Heidegger', 'Weiße Herzkirsche', 'Schneiders Späte Knorpelkirsche', 'Sam', 'Sylvia', 'Oktavia', 'Karina', 'Rocket' und 'Summit' genannt. Die Sorte 'Regina' sorgt für höchste Erträge bei 'Irena' und der 'Großen Schwarzen Knorpelkirsche'. 'Kordia' und 'Regina' sind auch ausgezeichnete Pollenspender füreinander und für andere Süßkirschensorten wie 'Schneiders Später Knorpelkirsche' oder 'Papillon®'.

Gruppensterilität bei Kirschen

Bei Kirschen gibt es auch das Phänomen der Gruppensterilität. Das bedeutet, dass eine andere Sorte, die nicht eng mit der zu bestäubenden Sorte verwandt ist, trotzdem nicht als Befruchter funktioniert. Ein Beispiel hierfür ist die Sorte 'Burlat', die möglicherweise nicht mit jeder anderen Sorte kompatibel ist.

Vermeidung von Selbstbefruchtungsproblemen

Zwei gleiche Sorten sind nicht empfehlenswert für die Befruchtung. Wenn nur Platz für einen Baum ist, sollte eine selbstfruchtbare Sorte gewählt werden. Süßkirschen können nur von anderen Süßkirschensorten befruchtet werden; ein Nussbaum kommt als Befruchter nicht in Frage.

Infografik, die die gegenseitige Bestäubung von Kirschbäumen mit unterschiedlichen Sorten zeigt

Sortenbeschreibung: Kordia und Regina

Sorte 'Kordia'

Die Sorte 'Kordia' stammt aus Tschechien und ist eine hochwertige, spätreifende Süßkirschsorte. Die Früchte sind groß, dunkelrot glänzend und färben sich fast schwarz aus. Das Fruchtfleisch ist fest, sehr aromatisch und süß mit feiner Säure, was sie zu einer der besten Tafelkirschen macht. 'Kordia' bringt hohe, regelmäßige Erträge und hat eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Fruchtplatzen. Sie ist nicht selbstfruchtbar und benötigt geeignete Befruchter. Die Bäume wachsen als einstämmige Kleinbäume mit rundlich-ausladender, gut verzweigter Krone auf bis zu 6 Meter Höhe und 4 Meter Breite heran. Die Blüte ist spät und daher wenig spätfrostgefährdet, aber bienenfreundlich. Die Ernte erfolgt mit Stiel, um die Haltbarkeit der Früchte zu verbessern.

Sorte 'Regina'

Die Sorte 'Regina' ist eine sehr beliebte spätreifende Süßkirschsorte aus Deutschland. Sie produziert große, dunkelrote bis fast schwarze Früchte mit festem Fruchtfleisch, süßem Aroma und ausgezeichneter Platzfestigkeit, was sie ideal für den Frischverzehr und die Vermarktung macht. Die Bäume wachsen kräftig mit aufrechter Krone und sind ertragreich. 'Regina' wird auch für den Bioanbau empfohlen. Sie schenkt etwa ab der 6. Kirschwoche im Juli vollen Genuss mit besonders großen, rotbraunen Riesenkirschen. Die Früchte sind äußerst aromatisch und süß mit erfrischender, leichter Säure und festem, knackigem Fruchtfleisch, ideal zum frischen Vernaschen oder zum Einmachen.

Vergleich der Fruchteigenschaften von Kordia und Regina

Pflanzung und Pflege

Süßkirschen benötigen etwas länger bis zur Blütenbildung als anderes Obst, in der Regel etwa 3 Jahre, manchmal auch 2 Jahre. Wichtig ist, dass ab Juli ausreichend Phosphor im Boden vorhanden ist, da ein Überfluss an Stickstoff hauptsächlich zur Blattmassebildung führt und die Blütenbildung hemmt. Dies gilt insbesondere für Kirschen in Buschform.

Die Pflanzung von Containergehölzen ist ganzjährig möglich, außer bei gefrorenem Boden und extremer Sommerhitze. Das Pflanzloch sollte doppelt so groß und tief wie der Wurzelballen sein. Nach dem Entfernen des Topfes und Auflockern des Wurzelballens wird die Pflanze eingesetzt, mit Erde aufgefüllt, festgedrückt und kräftig eingewässert. Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr und Herbst.

Im Frühjahr gepflanzte Obstgehölze müssen den ganzen Sommer über reichlich gegossen werden. Gut eingewurzelte Pflanzen benötigen nur bei extremer Trockenheit zusätzliches Wasser. Regelmäßiges Gießen und das Abtrocknen der Erde zwischen den Wassergaben sind wichtig. Staunässe sollte unbedingt vermieden werden.

Ein regelmäßiger Erziehungsschnitt im Frühjahr ist in den ersten Jahren notwendig, gefolgt von einem jährlichen Erhaltungsschnitt im Spätsommer nach der Ernte. Zurückgefrorene Triebe sollten bis in das gesunde Holz zurückgeschnitten werden, sobald keine Frostgefahr mehr besteht. Im Frühjahr sollten die Bäume mit Kompost gedüngt werden. Ein Weißanstrich des Stammes im Herbst kann zum Schutz vor Wintersonne angebracht werden.

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Kulturgeschichte und Botanik

Die Kirschen gehören zur Familie der Rosengewächse. Aus der Wildform, der wilden Vogelkirsche, sind die Zuchtformen Knorpel-Kirsche und Herz-Kirsche hervorgegangen. Die heutige Süßkirsche hat ihren Ursprung in Kleinasien, wo sie bereits seit 400 v. Chr. kultiviert wurde. Ein römischer Feldherr brachte die Vorläufer der heutigen Süßkirsche im Jahr 74 v. Chr. nach Italien. Der Name der Kirsche leitet sich von der Hafenstadt Kerasos ab, aus der sie stammte.

Kirschen sind sommergrüne, vergleichsweise groß werdende Bäume. Ihre charakteristischen weißen Blüten öffnen sich von Mitte bis Ende April. Die heutigen Kirschbaumsorten haben gemeinsame Vorfahren, stammen aber aus verschiedenen Regionen Europas, Nordafrikas, Südwestafrikas, Asiens und Russlands. Bei trockenen Sommern sind Kirschen empfindlich und benötigen oft zusätzliche Bewässerung, um die Ernte zu sichern.

Verwendungsmöglichkeiten

Süßkirschen sind äußerst vielseitig verwendbar. Sie eignen sich hervorragend zum direkten Verzehr vom Baum, sind aber auch eine wertvolle Zutat beim Kochen und Backen. Ob als Frucht in Quarkspeisen, als Auflage auf Kuchenböden oder als leckere Marmelade - die aromatischen Früchte bereichern viele Gerichte. Auch zur Herstellung von Saft oder zum Einwecken sind sie bestens geeignet.

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