Geburt und Kaiserschnitt hinterlassen Spuren in Form von Verletzungen, die sich zu Narben entwickeln können. Diese Narben können insbesondere in stark beanspruchten Körperregionen die funktionelle Gesundheit beeinträchtigen. Das Bindegewebe, das zunächst die Wunden füllt, ist weniger effektiv als gesundes Gewebe. Narbengewebe weist eine geringere Durchblutung auf und kann den Lymphstrom sowie den Energiefluss behindern. Insbesondere bei Kaiserschnittnarben können sich nach innen gerichtete Verklebungen des Bindegewebes bilden.

Narbengewebe: Entstehung und Eigenschaften
„Narben sind der Abschluss jeder Wundheilung“, erklärt Dr. Anna Brandenburg, Fachärztin für Dermatologie. Die Heilungsprozesse können stark variieren, abhängig von der Tiefe der Verletzung. Wenn nur die oberste Hautschicht, die Epidermis, betroffen ist, schließt sich die Wunde durch die Bildung einer neuen Epidermis. Diese neu gebildete Haut ähnelt nach wenigen Wochen der umliegenden Haut. Bei tieferen Verletzungen, die bis in die Lederhaut reichen, entsteht Narbengewebe, das aus weniger geschmeidigen Kollagenfasern besteht. Dieser Prozess ist auf eine schnelle Wundheilung zur Abwehr von Erregern ausgerichtet, wobei der Schutz Vorrang vor der Ästhetik hat.
Das vernarbte Gewebe unterscheidet sich von unverletzter Haut durch seine parallel liegenden, anstelle von elastisch verkreuzten Fasern. Ihm fehlen Haarfollikel, Schweiß- und Talgdrüsen sowie Melanozyten zur Pigmentbildung. Diese Unterschiede bestehen unabhängig von der Ursache der Narbenbildung, sei es ein geplanter Kaiserschnitt oder ein Dammriss.

Dammriss und Dammschnitt: Spezifische Herausforderungen
Ein Dammriss ist ein natürlicher Riss im Gewebe, der durch die Dehnung während der Geburt entsteht. Ein Dammschnitt hingegen ist ein chirurgischer Schnitt zur Erweiterung des Geburtskanals. Beide können Schmerzen verursachen und erfordern gegebenenfalls eine Naht.
Während Dammschnitte früher häufiger durchgeführt wurden, kommen sie heute nur noch zum Einsatz, wenn es unbedingt notwendig ist, beispielsweise bei einem zu engen Geburtskanal oder wenn das Kind schnell entbunden werden muss. Ein Dammschnitt durchdringt mehrere Gewebeschichten und führt daher zu einer größeren Wunde. Wird nicht geschnitten, kann das Gewebe an dünnen Stellen einreißen und heilt dort in der Regel schneller.
Grade des Dammrisses
- Dammriss 1. Grades: Nur oberflächliche Hautrisse, Muskulatur nicht betroffen.
- Dammriss 2. Grades: Betrifft auch die Muskulatur, Schließmuskel intakt.
- Dammriss 3. Grades: Zusätzlich ist der Schließmuskel teilweise oder vollständig gerissen.
- Dammriss 4. Grades: Umfasst Risse von Haut, Muskeln, Schließmuskel, Darmschleimhaut des Enddarms und eventuell der Scheide.
Die Häufigkeit von Dammrissen dritten und vierten Grades ist mit etwa 1,5 % bzw. 0,1 % gering. Häufiger treten Risse ersten und zweiten Grades auf. Insgesamt liegt die Dammriss-Häufigkeit in Deutschland zwischen 20 und 30 Prozent.

Risikofaktoren für Dammrisse
Mehrere Faktoren können das Risiko für einen Dammriss bei der Geburt erhöhen:
- Ein großes Kind (Geburtsgewicht über 4000 g, Kopfumfang über 35 cm).
- Eine ungünstige Lage des Kindes.
- Eine sehr schnelle Geburt oder ein schneller Durchtritt des kindlichen Köpfchens.
- Unzureichender Dammschutz durch die Geburtshelfer.
- Einsatz mechanischer Hilfsmittel wie Zangen oder Saugglocken.
- Sehr festes Bindegewebe der Frau.
Die häufig eingenommene Rückenlage während der Geburt ist ungünstiger zur Vorbeugung von Dammrissen als beispielsweise eine kniende Haltung, die dem Becken mehr Beweglichkeit erlaubt.
Pflege und Behandlung nach Dammverletzungen
Nach einem Dammriss oder Dammschnitt ist eine sorgfältige Nachsorge entscheidend für eine gute Heilung und die Vermeidung von Komplikationen. Ab der 4. Woche nach der Geburt können individuell angepasste Narbenlösungsprogramme wie das EMH®-Programm in Betracht gezogen werden.
Sofortmaßnahmen und frühe Heilungsphase
Direkt nach der Geburt wird die Wunde versorgt. Häufiges Duschen und Wechseln von Einlagen beschleunigen die Wundheilung. Bei größeren Wunden sollten langes Stehen, Sitzen oder Gehen vermieden werden. Die Bauchlage wird oft als angenehm empfunden.
Kühlende Maßnahmen wie kalte Kompressen, Waschlappen oder Binden aus dem Kühlschrank können Schmerzen lindern. Vorsicht ist bei Eis oder Coldpacks geboten, um Erfrierungen zu vermeiden.
Sitzbäder mit Extrakten wie Kamille, Calendula oder Arnika können die Heilung unterstützen. Sie sollten nicht länger als zehn bis 15 Minuten dauern. Alternativ können Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt oder Kamillenextrakt entzündungshemmend wirken.
Sanfte Massagen mit speziellen Narbenölen oder -salben können die Narbe geschmeidiger machen und die Durchblutung fördern. Diese Massagen sind jedoch erst empfehlenswert, wenn die Wunde verheilt ist und die Fäden gezogen wurden.
Bei Schmerzen beim Sitzen kann ein aufblasbarer Gummiring (Hämorrhoidenkissen) entlastend wirken.

Umgang mit Narben und Verwachsungen
Nach einer Kaiserschnittnarbe oder einem Dammriss kann es zu bindegewebigen Verklebungen kommen. Eine individuell angepasste Narbenlösung kann hier Abhilfe schaffen.
Nach etwa vier Wochen ist die Wunde in der Regel verheilt, manche Frauen spüren jedoch weiterhin die frische Narbe. Eine wirksame Behandlung verheilter Dammnähte ist die Massage mit einer speziellen Narbensalbe oder mit Ölen wie Weizenkeim-, Oliven- oder Sonnenblumenöl, um die Narbe geschmeidiger zu machen.
Das Narbengewebe kann bis zu einem Jahr lang arbeiten. Eine unterstützende Pflege über mindestens sechs Monate wird empfohlen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Spezielle Pflegehinweise
- Ölmassagen: Regelmäßiges Massieren der Dammnaht mit beispielsweise Weizenkeimöl kann die Haut weicher und elastischer machen.
- Kühlung bei Schmerzen: Kühlende Auflagen mit Eis oder Quark, auf die wundferne Seite eines Eisbeutels oder Quarks gelegt, können Linderung verschaffen.
- Tampon mit Eis: Ein in Wasser getränkter Tampon, im Kondom im Gefrierfach gekühlt, kann für kurze Anwendungen in der Scheide genutzt werden.
- Vermeidung von Reibung: Schutz der Wunde mit einer Kompresse.
- Hygiene: Häufiges Duschen, Verzicht auf Seife im Dammbereich und lufttrocknen lassen sind ratsam.
- Vorlagen: Häufiger Wechsel von Vorlagen, Vermeidung von extradicken Vliesanteilen.
- Baden: Während des Wochenflusses besser duschen als baden.
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Langfristige Folgen und Prävention
Obwohl die meisten Geburtsverletzungen gut verheilen, können Komplikationen auftreten. Bei tiefergehenden Rissen kann es zu Problemen wie Verdickung und Verhärtung der Haut, Wulstbildung oder Schmerzen kommen. In seltenen Fällen, insbesondere bei tiefen Rissen in die Scheide, kann ein kleiner Durchgang zwischen Scheide und Darm entstehen, der eine Korrekturoperation erfordert.
Nicht selten verändert sich die anatomische Form des Scheideneingangs, was zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen kann. Diese Schmerzen können sich jedoch mit der Zeit bessern, da die Scheide sehr elastisch ist.
Bei nässenden oder eitrigen Nähten wird ein Abstrich zur Keimidentifizierung entnommen. Infektionen werden mit antiseptischen Salben oder Cremes behandelt.
Vorbeugende Maßnahmen
Die Damm-Massage in der Schwangerschaft, ab der 34. Woche mit geeigneten Ölen wie Weizenkeimöl, kann das Gewebe elastisch halten und so das Risiko für Dammrisse reduzieren. Ein Sitzbad vor der Geburt mit Zusätzen wie Heublumen oder Lindenblüten kann das Gewebe lockern und geschmeidig machen.
Geräte wie der Epi-No-Ballon können ebenfalls zur Vorbereitung des Damms auf die Dehnung eingesetzt werden, um das Gewebe elastischer zu machen.
Der Umgang mit Narben nach Kaiserschnitt und Dammriss
Nach einem Kaiserschnitt oder einem Dammriss können Narben entstehen, die jucken, brennen oder schmerzen können. Die Haut hat zwar erstaunliche Selbstheilungskräfte, aber Narben bleiben als bleibende Zeichen zurück.
Pflege von Kaiserschnittnarben
Während der Erholung von einem Kaiserschnitt erholt sich der Körper auch von der Schwangerschaft. Neben dem sogenannten „Babyblues“, einem vorübergehenden Stimmungstief, können Nachwehen auftreten, wenn die Gebärmutter zu ihrer normalen Größe zurückkehrt. Wärme kann hier zur Linderung beitragen.
Der Wochenfluss ist eine natürliche Folge der Wundheilung der Gebärmutterwand. Wärme und körperliche Betätigung können den Fluss anregen.
Hämorrhoiden, die während der Schwangerschaft oder Geburt entstanden sind, können mit Hamamelis oder Kühlpacks behandelt werden.
Wunde Brüste und Brustwarzen beim Stillen erfordern professionelle Beratung zur Anlegetechnik. Wärme vor dem Stillen und Kälte danach können Linderung verschaffen.
Inkontinenz nach der Geburt ist häufig auf eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur zurückzuführen. Rückbildungskurse unter fachlicher Anleitung sind hier zur Stärkung der Muskulatur empfehlenswert.
Behandlung von Narben
Spezielle Skincare-Produkte mit rückfettenden Substanzen, wie Narbenöle und -salben, können Narben weicher machen und verblassen lassen. Wirkstoffe wie HSF, die die Zellregeneration anregen, oder Silikone, die einen Schutzfilm bilden, sind hilfreich.
Akutpflege-Sprays mit Kupfer- und Zinksulfat beschleunigen die Wundheilung und wirken antibakteriell.
Vitamin E, C und Omega-Fettsäuren, enthalten in Extrakten wie Acai-Beere, Avocado- oder Kokosöl, verbessern die Elastizität der Haut und regen die körpereigene Regeneration an.
Hyaluronsäure bindet Feuchtigkeit und erhöht die Flexibilität der Narbe.
Wichtig: Narben sind empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Das Tragen eines hohen Lichtschutzfaktors ist unerlässlich, um Pigmentverfärbungen und UV-bedingte Hautschäden zu vermeiden.

Der Umgang mit Narben nach der Geburt ist ein wichtiges Thema, das oft tabuisiert wird. Eine offene Auseinandersetzung und die richtige Pflege können zu einer positiven Geburtserfahrung und einer besseren Genesung beitragen.