Das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln, die speziell für Schwangere, Stillende und Menschen mit Kinderwunsch konzipiert sind, ist enorm. Diese Produkte enthalten Vitamine, Mineralstoffe und weitere Substanzen in vielfältigen Zusammensetzungen, wobei einige auch für Männer erhältlich sind. Die Frage, welche dieser Präparate sinnvoll sind und worauf bei der Einnahme zu achten ist, wird im Folgenden beleuchtet.

Empfehlungen zur Nahrungsergänzung bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Folsäure: Ein essenzieller Baustein von Beginn an
Für Frauen mit Kinderwunsch wird dringend empfohlen, bereits vor der Empfängnis mit der Einnahme von Folsäure zu beginnen und diese bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzusetzen. Experten raten zu einer täglichen Dosis von mindestens 400 Mikrogramm (µg) in Tablettenform. Folsäure ist entscheidend für die Zellteilung, Blutbildung und das Wachstum. Eine Unterversorgung in der frühen Schwangerschaft kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Neuralrohrdefekten, Wachstumsverzögerungen und Fehlbildungen beim Kind führen, darunter Spina bifida (offener Rücken), Herzfehler und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten. Hinweise deuten darauf hin, dass eine zusätzliche Folsäurezufuhr das Risiko für Gaumenspalten und Frühgeburten senken kann. In Ländern wie den USA und Kanada ist die Anreicherung von Getreideprodukten mit Folsäure seit über 25 Jahren vorgeschrieben, um die Versorgung zu sichern.
Jod: Wichtig für die Schilddrüsenfunktion und Entwicklung des Kindes
Die Schilddrüse benötigt Jod zur Produktion von Schilddrüsenhormonen, die für Stoffwechselvorgänge, Wachstum und die gesunde Entwicklung der inneren Organe, des Nerven- und Kreislaufsystems sowie der Muskulatur des Kindes unerlässlich sind - bereits vor der Geburt. Ein Jodmangel erhöht das Risiko für Früh- und Fehlgeburten. Auch während der Stillzeit ist eine ausreichende Jodzufuhr wichtig, damit der Säugling über die Muttermilch genügend davon erhält. Die häufigste Folge eines Jodmangels ist ein Kropf (Struma). Einige Studien legen nahe, dass Jodmangel auch zu verminderten kognitiven Leistungen bei Kindern beitragen kann. Schwangeren und Stillenden wird in Deutschland empfohlen, zusätzlich zur Nahrung täglich 100 bis 150 Mikrogramm (µg) Jod in Form von Tabletten oder Kapseln aufzunehmen. Frauen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten die Jodzufuhr immer mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Einige Präparate sind sowohl mit als auch ohne Jod erhältlich.

Zur Erhöhung der Jodzufuhr vor und nach der Geburt können folgende Maßnahmen beitragen:
- Ausschließlich jodiertes Speisesalz verwenden.
- Lebensmittel verzehren, die mit jodiertem Speisesalz zubereitet wurden, wie Brot und Fleischwaren.
- Regelmäßig Milch und Milchprodukte konsumieren.
- Ein- bis zweimal pro Woche Seefisch essen (jedoch keinen Thunfisch oder Schwertfisch wegen möglicher Schadstoffbelastung).
Eisen: Nur bei ärztlich festgestelltem Mangel
Eine zusätzliche Ergänzung von Eisen ist für Schwangere nur dann notwendig, wenn eine ärztlich festgestellte Unterversorgung vorliegt. Sowohl zu wenig als auch zu viel Eisen kann das Risiko für Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht erhöhen. Die Überprüfung des Hämoglobin-Wertes (Hb) während der Schwangerschaft gibt zwar Aufschluss über die Blutbildung, jedoch nicht über die Eisenspeicher. Daher ist es ratsam, zu Beginn der Schwangerschaft zusätzlich zum Hb-Wert auch den Serum-Ferritin-Wert messen zu lassen. Bei festgestelltem Mangel sollten geeignete Maßnahmen mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
Docosahexaensäure (DHA): Für die Entwicklung von Gehirn und Augen
Docosahexaensäure (DHA), eine Omega-3-Fettsäure, spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Gehirns, des Nervensystems und der Augen des Kindes. Der tägliche Bedarf von 200 Milligramm (mg) lässt sich gut mit ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche decken, wobei mindestens eine davon fetten Meeresfisch wie Lachs, Makrele, Hering oder Sardine umfassen sollte. Schwangere, die selten oder keinen solchen Fisch verzehren, können ihren Bedarf durch tägliche Aufnahme von 200 mg DHA in Form von Kapseln oder speziellem Öl decken.
Vitamin D: Bildung durch Sonnenlicht und mögliche Ergänzung
Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig für gesunde Knochen, Zähne und Muskeln. Der Körper bildet Vitamin D hauptsächlich durch Sonneneinstrahlung auf die Haut. Über die Ernährung wird nur wenig aufgenommen. Sollte die körpereigene Vitamin-D-Bildung nicht ausreichen, wird eine tägliche Ergänzung von 20 Mikrogramm (µg) empfohlen. Dies gilt unabhängig von Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit. Insbesondere Personen, die sich selten im Freien aufhalten, ihren Körper ganzjährig bedecken oder eine dunkle Haut haben, könnten von einer Ergänzung profitieren.

Andere Vitamine und Mineralstoffe: Ausgewogene Ernährung als Basis
Alle übrigen Vitamine und Mineralstoffe können in der Schwangerschaft und Stillzeit in der Regel über eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit herkömmlichen Lebensmitteln ausreichend aufgenommen werden. Dies gilt beispielsweise auch für Calcium, das für den Knochenaufbau, gesunde Zähne und die Regulierung von Muskelkontraktionen sowie des Herzschlags unerlässlich ist und vor allem in Milchprodukten vorkommt.
Besondere Ernährungsformen und ihre Nährstoffversorgung
Vegetarische und vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangere, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, müssen besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, Calcium, Eisen und Vitamin B12 achten. Vitamin B12 ist primär in Fleisch und Fisch enthalten. Für Veganerinnen ist eine gezielte Nahrungsergänzung oft notwendig. Es ist ratsam, dies mit dem Gynäkologen, der Gynäkologin oder der Hebamme zu besprechen, um den Bedarf an allen wichtigen Nährstoffen zu decken und die Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln ärztlich abklären zu lassen. Eine qualifizierte Ernährungsberatung kann hierbei unterstützend wirken.
Vitamin B12: Bedarf für die Nervenfunktion
Vitamin B12 ist für die Bildung roter Blutkörperchen und den Aufbau von Nervenzellen im Rückenmark wichtig. Gute Quellen für Vegetarierinnen sind Milch, Käse und Eier. Für Veganerinnen stehen angereicherte Lebensmittel wie Frühstückscerealien, ungesüßte Sojadrinks oder Hefeextrakte zur Verfügung. Der geschätzte tägliche Bedarf liegt bei 4 µg, während der Schwangerschaft bei 4,5 µg und in der Stillzeit bei 5,5 µg. Bei veganer oder vegetarischer Ernährung sollte der Vitamin-B12-Status ärztlich überprüft werden.
Nahrungsergänzungsmittel für Männer mit Kinderwunsch
Für Männer mit Kinderwunsch gibt es derzeit keine allgemeinen Empfehlungen zur Ergänzung bestimmter Nährstoffe. Zwar werden Substanzen wie Coenzym-Q10, Selen, Zink, L-Carnitin oder Maca oft genannt, um die Spermienqualität und -quantität zu verbessern, doch die Studienlage hierzu ist widersprüchlich. Eine ausgewogene Ernährung ist auch für Männer wichtig, um die Spermienproduktion zu unterstützen. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, wenig Bewegung und hoher Stress können sich negativ auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken. Bei schlechten Spermiogramm-Ergebnissen ist eine ärztliche Abklärung ratsam.
Risiken und Vorsichtsmaßnahmen
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Überdosierung von Nährstoffen schaden kann. Insbesondere bei Eisen kann eine zu hohe Zufuhr das Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht erhöhen. Bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen ist Vorsicht bei der Jodzufuhr geboten. Generell gilt: Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, über Folsäure und Jod hinaus, sollte immer Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt gehalten werden, um eine individuelle Notwendigkeit und korrekte Dosierung sicherzustellen.
Ernährungstipps zur Förderung der Fruchtbarkeit
Eine ausgewogene Ernährung, reich an Gemüse, Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen, kann die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen und den Körper auf eine Schwangerschaft vorbereiten. Studien deuten darauf hin, dass eine mediterrane Ernährung die Erfolgswahrscheinlichkeit bei Kinderwunschbehandlungen erhöhen kann. Schlüsselnährstoffe wie Folsäure, Omega-3-Fettsäuren, Eisen und Vitamin D spielen eine wichtige Rolle für die Eizellreifung und die Hormonbalance. Auch das Vermeiden von Alkohol, übermäßigem Koffein und Nikotin ist für die Fortpflanzungsgesundheit von Bedeutung.
Deine Ernährung macht den Unterschied im Kinderwunsch | 🤰🏻 (Dr. med. Heidi Gößlinghoff)
Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Zyklus schwanger zu werden, liegt auch bei gesunden Paaren nur bei etwa 30 Prozent. Geduld und gutes Timing, gegebenenfalls unterstützt durch Ovulationskalender, sind entscheidend. Nach einem Jahr ohne Erfolg ist eine ärztliche Abklärung ratsam.
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