Hashimoto-Thyreoiditis: Ursachen, Symptome und Behandlung während der Stillzeit

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Die Hashimoto-Thyreoiditis, auch bekannt als chronische Autoimmunthyreoiditis, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigene Schilddrüse angreift. Dies führt zu einer Entzündung des Schilddrüsengewebes, die im Laufe der Zeit zur Zerstörung von Schilddrüsenzellen und schließlich zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen kann.

Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren. Bei einer Autoimmunerkrankung erkennt das Immunsystem jedoch körpereigene Zellen oder Gewebe als "fremd" und greift sie an. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis richtet sich diese fehlgeleitete Immunreaktion gegen die Schilddrüse.

Schema des Immunsystems, das die Schilddrüse angreift

Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis

Die genauen Ursachen, warum das Immunsystem die Schilddrüse als körperfremd einstuft und bekämpft, sind noch nicht abschließend geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus verschiedenen Faktoren eine Rolle spielt:

  • Genetische Faktoren: Eine genetische Veranlagung kann das Risiko erhöhen, an Hashimoto-Thyreoiditis zu erkranken.
  • Umweltfaktoren: Bestimmte Umwelteinflüsse, wie beispielsweise die Einnahme von jodhaltigem Kontrastmittel bei einer Röntgenuntersuchung, können bei entsprechend veranlagten Personen eine Autoimmunreaktion auslösen. Eine hohe Konzentration von Jod im Speisesalz wird jedoch nicht als Auslöser gesehen.
  • Andere Autoimmunerkrankungen: Einige Betroffene leiden gleichzeitig auch an anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes oder einer Glutenunverträglichkeit.

Häufigkeit und Betroffene

Die Hashimoto-Thyreoiditis kommt bei Frauen etwas häufiger vor als bei Männern: Vier von 1.000 Frauen und nur einer von 1.000 Männern sind davon betroffen. Meist zeigt sich die Krankheit im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, kann aber auch bei älteren Menschen oder Kindern auftreten.

Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis

Die Autoimmunerkrankung verläuft oft schleichend und wird von vielen Betroffenen zunächst nicht bemerkt. In der Regel empfinden die Patientinnen und Patienten auch keine Schmerzen.

Zunächst bleibt der Hormonspiegel üblicherweise normal, da das noch nicht angegriffene Schilddrüsengewebe weiterhin Hormone produziert. Dies kann dazu führen, dass das bestehende Schilddrüsengewebe wächst, um den Hormonspiegel zu halten. Dies macht sich bei Betroffenen oft durch eine sogenannte Struma oder einen äußerlich sichtbaren Kropf bemerkbar.

In seltenen Fällen kann es anfangs zu einer leichten Überfunktion der Schilddrüse kommen, da durch das sich verringernde Gewebe zu viel gespeicherte Schilddrüsenhormone auf einmal freigesetzt wird. Dies kann durch die Entzündung zu einer vorübergehenden Phase der Überfunktion mit Symptomen wie Herzrasen oder Nervosität führen.

Im weiteren Verlauf verliert die Schilddrüse jedoch an Substanz und kann infolgedessen langfristig nicht mehr ausreichende Mengen an Schilddrüsenhormonen bilden. Die Entzündung lässt nach, und die Folge ist oft eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Die Schilddrüse bildet wichtige Botenstoffe wie das Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Schilddrüsenhormone steuern unter anderem das Herz-Kreislauf-System, den Fettstoffwechsel, die Aktivitäten von Nieren und Darm sowie die Talgdrüsen in der Haut. Sie spielen eine wichtige Rolle für den Energieumsatz und viele Wachstumsprozesse im Körper.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse weniger von diesen Hormonen. Dadurch verlangsamen sich viele Prozesse im Körper.

Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis

Wenn die Schilddrüse bei einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht mehr ausreichend Hormone produziert, wirkt sich das auf verschiedene Prozesse im Körper aus. Ein großer Teil der Betroffenen fühlt sich müde und schwach. Einige nehmen an Gewicht zu. Insbesondere der Hals kann zu Beginn der Erkrankung dicker werden, da das noch intakte Drüsengewebe anwächst.

Weitere Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis können sein:

  • Kälteempfindlichkeit
  • Haarausfall
  • Verstopfung
  • Zyklusstörungen, starke Regelblutung, eingeschränkte Fruchtbarkeit bei Frauen
  • Erektionsstörungen bei Männern
  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Schwächegefühl
  • Kurzatmigkeit
  • Niedriger Puls
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Ein geschwollenes oder aufgedunsenes Gesicht ("Hashimoto-Gesicht") bei länger bestehender Unterfunktion
  • Stimmveränderungen/Heiserkeit (Dysphonie) durch Druck auf die Stimmbänder
  • Atembeschwerden (Dyspnoe), besonders bei körperlicher Anstrengung oder im Liegen, wenn die Schilddrüse auf die Luftröhre drückt
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie), wenn die Schilddrüse auf die Speiseröhre drückt
  • Halsschmerzen und Druckgefühl im Halsbereich, besonders bei aktiver Entzündung oder starker Schwellung der Schilddrüse
Grafik mit verschiedenen Symptomen der Hashimoto-Thyreoiditis

Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis

Bei Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sollten Betroffene ärztlichen Rat suchen. Nach einem Gespräch über die Beschwerden und Vorerkrankungen wird der Arzt die Schilddrüse abtasten und möglicherweise eine Ultraschalluntersuchung durchführen.

Bluttests geben Aufschluss über die Höhe der Schilddrüsenhormone (Thyroxin oder Trijodthyronin) sowie des TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), das von der Hirnanhangsdrüse produziert wird und die Hormonproduktion der Schilddrüse steuert.

Die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis wird durch den Nachweis von Antikörpern im Blut erkannt, die sich gegen das Schilddrüsengewebe richten. Auch eine Feinnadelbiopsie der Schilddrüse kann zur Diagnose beitragen.

Wichtiger Hinweis: Blutwerte können durch Medikamente (z. B. Biotin, Amiodaron, Lithium), schwere Erkrankungen oder Laborinterferenzen verfälscht werden.

Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist nicht heilbar, da ihre Ursache, eine Fehlsteuerung im Immunsystem, nicht beseitigt werden kann. Zerstörtes Schilddrüsengewebe kann sich nicht neu bilden. Die Folgen und Symptome der Schilddrüsenunterfunktion lassen sich jedoch gut behandeln.

Hormontherapie mit Levothyroxin

Die Grundlage der Behandlung ist die lebenslange Einnahme von Levothyroxin (L-Thyroxin), einem synthetisch hergestellten Schilddrüsenhormon. Dieses Medikament gleicht den natürlichen Hormonmangel aus.

Die Tablette sollte auf nüchternen Magen eingenommen werden, um eine bessere Aufnahme im Körper zu gewährleisten. Der beste Zeitpunkt ist eine halbe Stunde vor dem Frühstück oder abends mit mehreren Stunden Abstand zur letzten Mahlzeit. Nach etwa zwei bis drei Monaten sollten die Schilddrüsenwerte wieder im Normalbereich liegen und die Symptome weitgehend verschwunden sein.

Die Schilddrüsenwerte werden in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und die Dosierung des Medikaments bei Bedarf angepasst. Eine zu hohe Dosierung kann zu Unruhe und Schlafstörungen führen. Später genügt eine jährliche Überprüfung.

Wichtig: Um Hormonschwankungen zu vermeiden, sollten Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion immer beim selben Medikament eines Herstellers bleiben.

Ernährung und Nährstoffe

Neben der Hormontherapie spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Linderung von Entzündungen, der Entlastung des Immunsystems und der Unterstützung der Schilddrüsenfunktion.

  • Jod: Jod ist ein wichtiger Baustein für Schilddrüsenhormone. Sowohl Jodmangel als auch Jodüberschuss können die Autoimmunreaktion jedoch verstärken. Eine übermäßige Jodzufuhr, z. B. durch Nahrungsergänzungsmittel oder sehr jodhaltige Lebensmittel wie Algen, sollte vermieden werden, insbesondere bei aktiver Entzündung.
  • Selen: Dieses Spurenelement hat antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Eine ausgewogene Selenzufuhr kann die Spiegel bestimmter Antikörper senken.
  • Eisen: Ein Eisenmangel ist bei Hashimoto-Betroffenen häufig und kann die Hormonbildung hemmen sowie zu erhöhten Antikörperspiegeln beitragen.
  • Magnesium: Niedrige Magnesiumspiegel werden mit einer erhöhten Häufigkeit von Schilddrüsenantikörpern und Hypothyreose in Verbindung gebracht.
  • Vitamin D: Ein Mangel an Vitamin D steht mit einem erhöhten Risiko für Autoimmunprozesse in Verbindung. Eine gezielte Supplementierung kann die Entzündungsaktivität senken.
  • Vitamin B12: Ein Mangel tritt häufig auf und kann zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und neurologischen Symptomen führen.
  • Gluten und Laktose: Einige Hashimoto-Betroffene reagieren empfindlich auf Gluten. Eine glutenfreie Ernährung kann bei manchen die Antikörperspiegel senken, sollte aber ärztlich begleitet erfolgen.
  • Darmgesundheit: Eine veränderte Darmflora ist bei vielen Patienten vorhanden. Eine entzündungshemmende, nährstoffreiche Ernährung kann die Darmgesundheit unterstützen.
Infografik zu wichtigen Nährstoffen bei Hashimoto

Weitere unterstützende Maßnahmen

Einige Betroffene berichten von anhaltender Müdigkeit und mentaler Erschöpfung, auch bei gut eingestellten Schilddrüsenhormonen. Unterstützende Maßnahmen können sein:

  • Omega-3-Fettsäuren: Bekannt für ihre entzündungshemmende Wirkung.
  • Ashwagandha (Indischer Ginseng): Kann helfen, Stresshormone zu regulieren und Müdigkeit sowie Schlafprobleme zu verbessern.

Hashimoto-Thyreoiditis und Schwangerschaft/Stillzeit

Eine Hashimoto-Erkrankung schließt eine gesunde Schwangerschaft nicht aus. Allerdings sind einige Besonderheiten zu beachten:

Schwangerschaft

  • Erhöhter Hormonbedarf: Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen um bis zu 50 Prozent an, da die Schilddrüse des ungeborenen Kindes zunächst auf die Hormone der Mutter angewiesen ist.
  • Regelmäßige Kontrolle: Die Schilddrüsenwerte müssen während der Schwangerschaft häufiger kontrolliert und die Hormondosis gegebenenfalls angepasst werden. Eine mütterliche Schilddrüsenunterfunktion kann die körperliche und geistige Entwicklung des Fötus erheblich beeinträchtigen und das Risiko für Komplikationen wie Fehl- oder Frühgeburten erhöhen.
  • Vor der Schwangerschaft: Es wird empfohlen, die Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4) und TPO-Antikörper bereits bei der Familienplanung im Normbereich zu haben.
  • Medikamenteneinnahme: Die Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten (L-Thyroxin) sollte während der Schwangerschaft fortgesetzt werden.
  • Jodversorgung: Eine ausreichende Jodzufuhr während der Schwangerschaft ist wichtig. Die Empfehlung liegt bei 100-150 μg Jodid/Tag zusätzlich zu jodidreicher Nahrung.

Schilddrüsenstörungen in der Schwangerschaft

Stillzeit

Auch während der Stillzeit können Schilddrüsenmedikamente eingenommen werden. Nach der Geburt sinkt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, weshalb eine Dosisanpassung der L-Thyroxin-Tabletten notwendig ist. Diese sollte unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eingenommene Thyreostatika gehen in geringem Maße in die Muttermilch über. Die Dosierungen werden jedoch so gewählt, dass sie keinen Einfluss auf das Baby haben. Tägliche Dosen von bis zu 20 mg Thiamazol bzw. 150 mg Propylthiouracil gelten als unbedenklich für das Baby.

Die stillende Mutter hat einen erhöhten Jodbedarf. Die Einnahme eines jodhaltigen Nahrungsergänzungsmittels ist generell sinnvoll, es sei denn, es liegt ein aktiver Morbus Basedow mit Schilddrüsenüberfunktion vor, bei dem eine zu hohe Jodzufuhr vermieden werden sollte.

Post-partum-Thyreoiditis (PPT)

Die Post-partum-Thyreoiditis ist eine postpartale Schilddrüsenfunktionsstörung, die im Rahmen einer Autoimmunerkrankung auftritt und Ähnlichkeiten mit der Hashimoto-Thyreoiditis aufweist. Sie entwickelt sich typischerweise vier bis 24 Wochen nach der Entbindung und wird oft als "stille" Schilddrüsenentzündung bezeichnet, da sie meist schmerzfrei verläuft.

Die PPT kann zunächst zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Symptomen wie Zittern, Nervosität und beschleunigtem Herzschlag führen, gefolgt von einer Phase der Schilddrüsenunterfunktion mit Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Bei der Hälfte der Frauen normalisiert sich die Erkrankung nach einem Jahr von selbst.

Frauen, die bereits vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper (TPO-Antikörper) aufweisen, eine Neigung zu Hashimoto oder Morbus Basedow haben oder Diabetikerinnen sind, sind besonders gefährdet.

Bei anhaltender Erschöpfung und depressiver Verstimmung nach der Geburt sollten Ärzte auch an eine Postpartum-Thyreoiditis denken, da die Symptome denen des "Baby-Blues" ähneln können. Ein Bluttest kann Klarheit schaffen.

Hashimoto-Herzrasen und weitere Komplikationen

Patienten berichten häufig über Herzrasen oder beschleunigtes Herzklopfen im Zusammenhang mit Hashimoto. Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen und in sehr schweren Fällen sogar zu Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen führen.

Daneben begünstigt die chronische Schilddrüsenentzündung das Risiko für die Entstehung bösartiger Schilddrüsentumore, was jedoch insgesamt selten vorkommt. In seltenen Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie dem Myxödemkoma kommen, das durch stark ausgeprägte Hypothyreose gekennzeichnet ist.

Bei Verdacht auf bösartige Veränderungen in der Schilddrüse, wie z. B. Knoten, kann eine Operation notwendig sein.

Wichtige Anmerkungen

Die Behandlung und Untersuchung von Schilddrüsenerkrankungen gehört dringend in ärztliche Hände. Pauschale Empfehlungen, auch im Bereich der Mikronährstoffe, können schädlich sein.

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