Im April fand in einer 3. Klasse ein besonderer Besuchstag statt, bei dem die Lehrkräfte und ihre Kollegin ein spannendes Experiment mit Maisstärke durchführten. Sowohl jüngere als auch ältere Kinder waren begeistert und experimentierten zwei Stunden lang, fast ohne aufhören zu können. Zu Beginn zeigten sie den Kindern die Packung Maizena, um herauszufinden, wer dieses Produkt kennt und wofür es üblicherweise verwendet wird. Anschließend wurde der Ablauf des Experiments erklärt: Man nehme Maisstärke, gebe Wasser hinzu und verrühre alles zu einem Brei. Die Kinder wurden gefragt, was sie erwarten würden, was passieren würde. Erste Vermutungen reichten von "Es explodiert" bis hin zu vielen weiteren fantasievollen Ideen.

Das Experiment: Mysteriöser Brei
Jedes Kind erhielt eine Unterlage, eine kleine Plastikschale, abgemessene Mengen Maizena (Maisstärke) und Wasser, sowie einen Löffel zum Umrühren. Schnell stellten die Kinder fest, dass das einfache Rühren nicht so leicht war. Ein Tipp für das beste Ergebnis ist, möglichst langsam zu rühren.
Die folgende Aufgabe wurde den Kindern gegeben:
- Der mysteriöse Brei - Anleitung für das Maizena-Experiment
- Mische die Stärke mit dem Wasser im Verhältnis 3:2 (= 3 Teile Stärke und 2 Teile Wasser), z. B. 90 g Maizena & circa 65-70 g Wasser.
- Experimentiere - Was fällt dir auf?
- Tauche den Löffel langsam in den fertigen Brei! Was beobachtest du?
- Schlage den Löffel schnell und kräftig auf den fertigen Brei! Was beobachtest du?
- Wetten, ich kann den Löffel schneller aus der Flüssigkeit herausziehen als du?
- Wetten, du kannst keine Kugel daraus formen und sie jemandem zeigen?
Auch die Eltern waren fasziniert von diesem spannenden Brei. Da die Kinder sehr selbstständig arbeiteten, konnten die gestellten Fragen im Einzelgespräch oder gemeinsam mit den Eltern besprochen werden, was als sehr positiv empfunden wurde. Abschließend wurden die Fragen im Sitzkreis gemeinsam erörtert und eine vereinfachte Erklärung gegeben, die jedoch komplexer war als gedacht.

Wissenschaftliche Erklärung: Nicht-newtonsche Flüssigkeiten
Das Wasser-Maizena-Gemisch ist eine sogenannte nicht-newtonsche Flüssigkeit. Dieser Begriff geht auf Sir Isaac Newton zurück, der von 1643 bis 1727 lebte und ein bedeutender Physiker war. Nicht-newtonsche Flüssigkeiten verhalten sich anders als Wasser und die meisten anderen Flüssigkeiten, insbesondere wenn Druck auf sie ausgeübt wird. Im Gegensatz zu Wasser, das bei Druck einfach verdrängt wird und seine Flüssigkeit beibehält (eine konstante Viskosität), ändert sich bei nicht-newtonschen Flüssigkeiten die Viskosität - also die Zähflüssigkeit - je nach ausgeübtem Druck. Bei dem Maisstärke-Wasser-Gemisch steigt die Viskosität unter Druck.
Andere Beispiele für nicht-newtonsche Flüssigkeiten sind Blut, Treibsand, Ketchup und Pudding. Bei newtonschen Flüssigkeiten wie Öl oder Wasser bleibt die Viskosität unabhängig von der Belastung konstant.

Der "Süße Brei" als Inspiration: Märchen und Kreativität im Kindergarten
Die Jahreszeit, besonders der Herbst und November mit kürzeren, kühleren und dunkleren Tagen, lädt zum gemütlichen Beisammensein ein. Geschichten erzählen und gemeinsame Aktivitäten sind da besonders wertvoll. Im Kindergarten bietet sich das Märchen "Der süße Brei" der Gebrüder Grimm als thematische Grundlage für verschiedene Aktivitäten an.
Das Märchen "Der süße Brei"
Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das mit seiner Mutter allein lebte und nichts mehr zu essen hatte. Im Wald begegnete dem Kind eine alte Frau, die ihm ein Töpfchen schenkte. Sprach das Kind: "Töpfchen, koche!", kochte es guten, süßen Hirsebrei. Sprach es: "Töpfchen, steh!", hörte es auf zu kochen. So waren Mutter und Kind ihrer Armut ledig. Eines Tages, als das Mädchen fort war, sprach die Mutter: "Töpfchen, koche!". Der Brei kochte und stieg über den Rand hinaus, füllte Küche, Haus, die Straße und drohte, die ganze Welt zu sättigen. Erst als das Kind heimkam und sprach: "Töpfchen, steh!", hörte es auf zu kochen. Wer wieder in die Stadt wollte, musste sich durch den Brei essen.
Umsetzungsideen für den Kindergarten
Das Märchen bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für pädagogische Aktivitäten:
Idee 1: Im Morgenkreis - Akustisches Kochen
Im Mittelpunkt des Märchens steht der magische Kochtopf. Im Morgenkreis können verschiedene Instrumente und Alltagsgegenstände, die "Rührbewegungen" erzeugen, vorgestellt werden: ein Topf mit Kochlöffel, ein Kübel mit Tennisball, eine Rührschüssel mit Schneebesen, Handtrommeln, eine Afuche-Cabasa oder eine Rührtrommel. Jedes Kind darf ein Instrument wählen und ausprobieren, wie damit Klänge erzeugt werden. Anschließend wird das Märchen erzählt. An der Stelle "Töpfchen, koche!" lassen die Kinder die Instrumente erklingen, um das Kochen akustisch darzustellen. Bei "Töpfchen, steh!" wird es im Kreis still. Wenn die Mutter das Töpfchen nicht stoppen kann, geraten auch die Kinder in einen "nicht zu stoppenden" Klangfluss, bis die Rettung durch das Kind eintritt.

Idee 2: Im kreativen Bereich - Schmuckpapier und Malen
Für den kreativen Bereich können die Kinder kreisrunde Blätter ausschneiden. Diese werden in einen Topf gelegt, und es kann mit der Murmeltechnik Schmuckpapier hergestellt werden. Alternativ können die Kinder statt eines Pinsels einen Schneebesen zum Malen oder Rühren im Topf verwenden, um interessante Effekte zu erzielen. Das entstandene Schmuckpapier kann anschließend zum Basteln weiterverwendet werden.
Idee 3: Mathematik erfahrbar machen
Dieses Experiment ermöglicht es Kindern, Mathematik spielerisch zu erfahren. Sie können selbst aktiv werden, Dinge ausprobieren und mathematische Konzepte durch direkte Umsetzung sammeln. Der Online-Kurs "Die Mathe-Reise durch das Kindergartenjahr" bietet weitere Ideen, wie Mathe mit Spiel, Spaß und Bewegung in den Kindergartenalltag integriert werden kann.
Idee 4: Die Zauberbrauküche - Magische Tränke kreieren
Eine weitere kreative Beschäftigungsmöglichkeit ist die "Zauberbrauküche". Hier können Kinder in die Welt der Magie eintauchen, indem sie eigene "Zaubertränke" mixen. Inspiriert von Geschichten wie Asterix oder Gummibärchen, bereiten die Kinder ihre Zutaten vor. In Zweiergruppen suchen sie sich einen Platz in der Brauküche und entscheiden, welches Gebräu sie mixen möchten, wie es schmecken, welche Farbe es haben und welche magischen Eigenschaften es verleihen soll. Rezepte können als Inspiration dienen, wobei Unterstützung beim Dosieren der Mengen wichtig ist. Zuckerperlen, Brause oder Lebensmittelfarbe sorgen für Farbe und Sprudel. Nach der Fertigstellung präsentieren die Kinder ihre Tränke, geben ihnen geheimnisvolle Namen wie "Mäuseblut" oder "Drachenaugenbowle" und beschreiben deren besondere Wirkung. Das Probieren der Tränke und das anschließende Gespräch über Geschmack, Farben und Entstehung fördern die sensorische Wahrnehmung und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit.
Das Oobleck-Experiment: Flüssig und Fest zugleich
Ein weiteres spannendes Experiment, das oft zum 1. April durchgeführt wird, ist die Herstellung von "Oobleck" (ausgesprochen "Ublek"), einem sensorischen Material zum Spielen und Experimentieren. Benannt nach dem Kinderbuch "Bartholomew and the Oobleck" von Dr. Seuss, bei dem grüne, klebrige Klumpen vom Himmel fielen, ist Oobleck eine nicht-newtonsche Flüssigkeit, die sich wie ein Feststoff verhält, wenn Druck ausgeübt wird, und wie eine Flüssigkeit, wenn der Druck nachlässt.
Herstellung von Oobleck
Die Herstellung ist denkbar einfach und kann gemeinsam mit Kindern erfolgen. Man benötigt:
- Eine Schüssel
- Speisestärke (z.B. Mondamin)
- Wasser
- Optional: Lebensmittelfarbe (z.B. Kurkuma für Gelb)
Im Verhältnis von ca. 3 Teilen Pulver zu 2 Teilen Wasser wird die Stärke mit dem Wasser verrührt. Das Mischverhältnis ist gut, wenn sich der Brei leicht cremig anfühlt. Ist die Masse zu flüssig, wird mehr Stärke hinzugefügt; ist sie zu fest, etwas mehr Wasser.
Experimentieren mit Oobleck
Mit Oobleck sind zahlreiche Experimente möglich:
- Langsam vs. Schnell: Langsam in den Brei eintauchen und schnell mit der Hand oder einem Gegenstand hineinschlagen. Dabei wird deutlich, wie der Brei bei schnellem Druck abprallt und bei langsamem Druck nachgibt.
- Kugel formen: Versuchen, aus dem Brei eine Kugel zu formen. Dies gelingt nur kurzzeitig, da die Kugel bei geringerem Druck wieder zerfließt.
- Fließen lassen: Die Masse von einer Schüssel in eine andere fließen lassen.
- Mit Spielfiguren experimentieren: Figuren in den Oobleck stellen.
- Durch ein Sieb geben: Beobachten, wie sich die Masse verhält.
- Mit Werkzeugen experimentieren: Ausstechförmchen, Löffel, Gabeln oder Schneebesen verwenden.
- Kleckern, träufeln, spritzen: Mit verschiedenen Farben experimentieren.
- Barfuß-Erlebnis: Mehrere Schüsseln mit farbigem Oobleck vorbereiten und Kinder mit nackten Füßen darin laufen lassen.
- Gefrorener Oobleck: Gefrorene Oobleck-Würfel verwenden und beobachten, wie sie beim Auftauen die Konsistenz verändern. Mit den bunten Würfeln kann auch gemalt werden.
- Hammer-Test: Mit einem Hammer schnell auf die Masse schlagen - er prallt ab. Langsamer trifft er auf festen Widerstand.
- Lautsprecher-Experiment: Oobleck auf eine mit Frischhaltefolie abgedeckte Lautsprecheroberfläche geben und Musik aufdrehen, um den "tanzenden" Oobleck zu beobachten.

Oobleck ist ungiftig und theoretisch essbar (schmeckt aber nicht), sodass Kinder unbesorgt damit spielen können. Die Herstellung ist einfach, und die Masse hält sich verschlossen im Kühlschrank einige Tage. Bei Bedarf kann sie mit etwas Wasser aufgefrischt werden. Zur Entsorgung sollte die Masse offen austrocknen, bevor sie entsorgt wird, um Verstopfungen im Abfluss zu vermeiden. Kleidung kann wie gewohnt in der Waschmaschine gewaschen werden.
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