Die Lippenbändchen, auch Frenula genannt, sind kleine, mit Schleimhaut bedeckte Bindegewebsfalten im Mundraum, die die Lippen und die Zunge an anderen Strukturen fixieren. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung und Beweglichkeit von Lippen und Zunge, was für Funktionen wie Essen, Sprechen und die Sprachentwicklung unerlässlich ist. Neben den beiden Lippenbändchen (oberes und unteres) gibt es im Mund auch das Zungenband. Frenula sind jedoch nicht auf den Mundraum beschränkt und finden sich auch in anderen Körperbereichen.
Das obere Lippenbändchen ist in der Regel stärker ausgeprägt als das untere. Die Farbe der Lippenbändchen ähnelt der des Zahnfleisches, und ihre Länge sowie Dicke variieren individuell. Sie sind meist gut sichtbar, wenn die Lippen nach vorne gezogen werden, oder können durch Bewegen der Zunge im Bereich der Schneidezähne erspürt werden.
Die Bedeutung der Lippenbändchen liegt in ihrer Funktion:
- Ihr Bindegewebe, reich an Kollagen, sorgt für Halt.
- Elastische Fasern erhöhen Belastbarkeit und Elastizität.
- Quergestreifte Muskelfasern unterstützen Bewegungen.
Hauptzweck der Lippenbändchen im Mund ist die Unterstützung der Lippen- und Zungenfunktion und -beweglichkeit, um ein problemloses Essen, Kauen und Sprechen zu ermöglichen. Sie sind auch für die Sprachentwicklung bei Kleinkindern von Bedeutung, da eine gute Mundraum-Beweglichkeit die Artikulation von Lauten erleichtert.
Obwohl Lippenbändchen meist unauffällig funktionieren, können angeborene Fehlbildungen negative Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben und zu Verletzungen führen.
Verletzungen und angeborene Fehlbildungen der Lippenbändchen
Ein Einreißen des Lippenbändchens kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z.B. zu kräftiges Zähneputzen, das Einführen scharfer Gegenstände in den Mund bei Kindern, unbeabsichtigtes Beißen auf harte Substanzen, Zahnspangen oder Stürze. Ein gerissenes Lippenbändchen ist schmerzhaft und kann zu Schwellungen führen. In der Regel heilen solche Verletzungen jedoch von selbst und unkompliziert.
Angeborene Fehlbildungen der Lippenbändchen können jedoch zu verschiedenen Problemen führen:
Probleme durch ein zu dickes oder zu weit nach vorne reichendes Lippenbändchen:
- Zahnlücke: Ein zu dickes Lippenbändchen, das bis in den Bereich der Schneidezähne reicht, kann diese auseinanderdrücken und eine Lücke, oft im Oberkiefer, verursachen. Dies kann das Kauen erschweren und zu Sprachfehlern wie Lispeln führen.
Probleme durch ein zu kurzes oder zu hoch angesetztes Lippenbändchen:
- Eingeschränkte Lippenbeweglichkeit: Ein kurzes oder hoch ansetzendes Lippenbändchen, häufiger im Oberkiefer, schränkt die Lippenbeweglichkeit ein. Dies kann zu Problemen bei der Aussprache führen.
- Zahnfleischrückgang: Der verstärkte Zug eines kurzen Lippenbändchens kann dazu führen, dass sich das Zahnfleisch von den Schneidezähnen zurückzieht und die Zahnwurzeln freigelegt werden. Dies kann sich im Erwachsenenalter bemerkbar machen und zu empfindlichen Zähnen führen.
- Erhöhtes Risiko für Karies und Entzündungen: Durch den Zug am Zahnfleisch kann es zu Zahnfleischrückgang kommen, was Karies und Entzündungen begünstigen kann.
- Probleme mit Zahnersatz: Ein zu kurzes Lippenband kann beim Tragen von Prothesen zu Druckstellen führen.
Ein Frenulum, das auf den Randbereich des Zahnfleisches einwirkt, könnte auch bei der professionellen Zahnreinigung hinderlich sein, da die Spannung ein Öffnen des Sulkus begünstigen kann. Falls sich der Anfangspunkt des Frenums an der Zahnfleischkante befindet, können daraus Probleme mit dem Zahnfleisch resultieren, wie eine anormale anatomische Form, die zu einem grenzwertigen Rückgang des Zahnfleisches führen kann.

Wann ist eine Korrektur notwendig?
Nicht jede Abweichung des Lippenbändchens von der Norm erfordert eine Behandlung. Ein Eingriff ist dann sinnvoll, wenn Probleme absehbar sind oder bereits bestehen:
- Bei Kindern, wenn die Gefahr einer bleibenden Zahnlücke besteht oder Probleme beim Sprechen zu erwarten sind.
- Bei Erwachsenen, wenn ein fehlgebildetes Lippenbändchen die Zahn- und Zahnfleischgesundheit beeinträchtigt.
- Wenn Zahnfleischrückgang im Bereich der Schneidezähne bemerkt wird.
- Bei anhaltenden Schmerzen, Entzündungen oder Schluckbeschwerden nach einer Verletzung, die nicht von selbst abheilt.
- Bei Sprachproblemen, drückenden Prothesen oder überempfindlichen Zähnen.
- Zur Vermeidung von Problemen und/oder Wundheilungsstörungen beim Einsetzen von Zahnimplantaten.
Bei Babys kann ein zu kurzes Lippenband das Stillen erschweren. Eine Behandlung wird in der Regel erst beurteilt, wenn die bleibenden Schneidezähne durchgebrochen sind. Oftmals schließt sich eine Zahnlücke, die bei den Milchzähnen deutlich war, nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne von selbst wieder.
Behandlungsoptionen: Frenotomie und Frenektomie
Zur Korrektur von Lippenbändchen stehen prinzipiell zwei chirurgische Methoden zur Verfügung: die Frenotomie (Durchtrennung) und die Frenektomie (vollständige Entfernung).
1. Frenotomie (Lippenbändchen durchtrennen)
Bei der Frenotomie wird das Lippenbändchen lediglich durchtrennt. Dieses Verfahren kommt vor allem bei verkürzten Bändchen zum Einsatz, um den Zug auf das Zahnfleisch zu verringern und eine Regeneration zu ermöglichen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich das Frenulum neu bildet.
2. Frenektomie (Lippenbändchen entfernen)
Die Frenektomie beinhaltet die vollständige Entfernung des Lippenbändchens inklusive des darunterliegenden Bindegewebes. Dies ist notwendig, um eine erneute Anhaftung an derselben Stelle zu verhindern. Die Frenektomie ist oft erforderlich, um eine anormale Zahnlücke zwischen den zentralen Oberkieferschneidezähnen zu korrigieren.
Verfahren der Lippenbändchenkorrektur
Die Korrektur von Lippenbändchen ist ein ambulanter Eingriff, der in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird und nur wenige Minuten dauert. In einigen Fällen, insbesondere bei Kindern, kann auch eine Narkose erwogen werden. Es gibt konventionelle und laserbasierte Methoden.
Konventionelle operative Methode
Bei der konventionellen Frenektomie wird das Lippenbändchen chirurgisch mit traditionellen Instrumenten wie Skalpellen und parodontalen Messern entfernt. Zu den etablierten Verfahren zählen die Methoden nach Dieffenbach (V-Plastik) und Schuchardt (Z-Plastik).
Der Eingriff beginnt mit einer lokalen Injektion zur Anästhesie des Operationsgebiets. Anschließend wird das Frenum mit einem Instrument gefasst. Mit einem Skalpell wird ein Schnitt entlang der Oberseite des Instruments bis zur vollen Tiefe des Frenums ausgeführt. Ein vergleichbarer Schnitt wird auf der Unterseite wiederholt, sodass das Frenumgewebe mit dem Instrument entfernt werden kann. Nach der Abtrennung des Frenums werden tiefere Gewebefasern vom darunterliegenden Periost gelöst. Um eine erneute Anhaftung zu verhindern, wird im Periost eine Einkerbung vorgenommen. Die labiale Schleimhaut wird mobilisiert, um eine gute Wundrandadaptation zu ermöglichen. Die resultierende Wunde wird vernäht, um eine gute Zusammenfügung der Geweberänder sicherzustellen. Eine Frenektomie mittels V-Plastik kann Narbenbildung zur Folge haben, die eine mesiale Bewegung der zentralen Schneidezähne verhindert. Die Z-Plastik Methode hat eine geringere Neigung zur Narbenbildung, ist aber anspruchsvoller in der Durchführung.
Die Fäden verbleiben in der Regel sieben bis zehn Tage im Wundbereich, und die gesamte Heilungsdauer beträgt etwa zwei bis drei Wochen.

Unblutiger Eingriff mit dem Laser
Moderne Weichgewebslaser, wie Diodenlaser (z.B. mit einer Wellenlänge von 810nm) oder CO2-Laser, ermöglichen eine nahezu unblutige und schonende Trennung des Lippenbändchens. Für den Eingriff ist oft keine oder nur eine geringe lokale Betäubung notwendig, da die Laserbehandlung weitgehend schmerzfrei ist.
Der Laser wird im Kontaktmodus eingesetzt, wobei das Fiberende direkten Kontakt zum Gewebe hat. Das Gewebe wird mit dem Laser behandelt, bis alle darunterliegenden Muskelfasern durchtrennt sind. Aufgrund der schonenden Wirkung des Lasers ist in der Regel keine Naht erforderlich. Dies führt zu einer deutlich schnelleren und nahezu beschwerdefreien Heilung im Vergleich zur konventionellen Methode. Patienten empfinden nach dem Eingriff meist kaum Schmerzen.
Animation of Laser Periodontal Therapy
Der richtige Zeitpunkt für die Operation
Der optimale Zeitpunkt für die Korrektur eines Lippenbändchens sollte in Absprache mit dem behandelnden Kieferorthopäden festgelegt werden. Bei Kindern wird häufig der Durchbruch der seitlichen bleibenden Schneidezähne abgewartet, um die genaue Auswirkung des Lippenbändchens auf die Zahnstellung beurteilen zu können. Bei Säuglingen kann eine Korrektur bei Stillproblemen jedoch auch früher erfolgen.
Nach dem Eingriff
Unabhängig von der gewählten Methode ist eine sorgfältige Mundhygiene nach dem Eingriff von großer Bedeutung. Rauchen sollte in der Heilungsphase vermieden werden. Heiße, scharfe oder säurehaltige Speisen sollten nach der Lippenbändchen-OP für einige Zeit gemieden werden, um die Wundheilung nicht zu beeinträchtigen. Die Wunde heilt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig ab.
Bei laserbasierten Verfahren sind Nachkontrollen und Übungen zur Erhaltung der Mobilität des durchtrennten Bandes wichtig, um eine erneute Verkürzung durch Narbengewebe zu verhindern. Diese Nachbehandlung wird oft durch spezielle Übungen unterstützt, die von den behandelnden Fachpersonen angeleitet werden.
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