Manche Kinder sind echte Wasserverweigerer, andere trinken phasenweise wenig. Fest steht: Wasser ist wichtig für den Körper - besonders an heißen Sommertagen.
Unser Körper besteht zu mehr als 50 Prozent aus Wasser. Um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten, müssen wir regelmäßig Wasser aufnehmen. Für Vier- bis Zehnjährige heißt das zum Beispiel, dass sie mindestens vier Gläser Flüssigkeit zu sich nehmen sollten - am besten ungesüßten Tee oder Wasser. Am ökologischsten und praktischsten ist Leitungswasser. Hahn auf, Durst gestillt. Soweit die Theorie. In der Praxis ist Wassertrinken oft öde und Spielen, Toben, Quatschmachen viel spannender. Besonders in der Sommerhitze, wenn der Körper doppelt oder gar dreimal so viel Flüssigkeit verliert und entsprechend noch mehr Wasser braucht, ist es umso wichtiger, Kinder immer wieder zum Wassertrinken zu animieren.

Warum ausreichend Trinken wichtig ist
Kinder vergessen das Trinken oft, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil Trinken für sie keine Priorität hat. Spielen, Entdecken und Bewegen sind spannender als ein Glas Wasser. Kinder haben ein schwächeres Durstgefühl als Erwachsene und melden Flüssigkeitsmangel oft erst spät. Aufforderungen wie „Trink jetzt!“ erzeugen deshalb häufig Widerstand statt Kooperation. Gleichzeitig sollte Trinken sichtbar sein: Die Trinkflasche gehört auf Augenhöhe und in Griffnähe, nicht an den Boden des Rucksacks. Dein Kind entscheidet, wann es trinkt, nicht ob.
Ein geringes Level von Dehydratisierung kann bei Kindern zu Müdigkeit und einer geringeren Aufmerksamkeit führen, die mit Konzentrationsproblemen und einer insgesamt niedrigeren Denkkraft einhergeht. Wenn es draußen sehr warm ist, wie etwa im Sommer, kann der Flüssigkeitsanteil in ihren kleinen Körpern deutlich absinken.
Die benötigte Trinkmenge von Kindern hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Alter, der körperlichen Aktivität und der Temperatur. An heißen Sommertagen sollte dein Kind daher mehr als die durchschnittlich empfohlene Menge trinken. Der Zwei-Liter-Mythos gilt für Kinder allerdings nicht. Auch nicht bei 30 Grad Außentemperatur. Laut dem Natural Hydration Council benötigen Kinder zwischen 4 und 13 Jahren ungefähr 6-8 Gläser Wasser pro Tag. Da nicht jedes Glas gleich groß ist, ist es besser, sich nach der empfohlenen Menge von 1-1,5 Litern pro Tag zu richten. Säuglinge benötigen kleinere Mengen von etwa 150 Milliliter verteilt auf 4-6 Portionen am Tag.
Anzeichen für Flüssigkeitsmangel
Erste Anzeichen dafür, dass ein Kind zu wenig getrunken hat, sind zum Beispiel trockene, spröde Lippen und ein trockener Mund. Auffällig sind auch seltenes oder gar kein Wasserlassen - was bei kleineren Kindern recht einfach zu kontrollieren ist: Bleibt die Windel über eine längere Zeit trocken, hat das Kind vermutlich zu wenig getrunken. Bei größeren Kindern deutet dunkler oder stark riechender Urin auf Flüssigkeitsmangel hin.
Dehydrierte Kinder sind oft schlapp und teilnahmslos, und ihr Urin ist deutlich dunkler gefärbt.
Tipps, um Kinder zum Trinken zu animieren
1. Feste Trinkrituale etablieren
Bietet zu jeder Mahlzeit ein Getränk an, damit euer Kind verinnerlichen kann: Essen und Trinken gehören zusammen. Rituale - etwa „ein Glas Wasser vor dem Spielen“ oder „Trinken nach dem Toben“ - geben Struktur. In Kitas lassen sich feste Trinkpausen gut in den Tagesablauf integrieren. Schulen profitieren, wenn das Trinken nach Bewegungseinheiten oder in kurzen Pausen zum Standard wird.
2. Getränke griffbereit halten
Eine Trinkflasche oder ein Becher mit Wasser steht im Spielbereich immer bereit und ist für das Kind selbstständig erreichbar. Getränke sollten immer gut erreichbar sein - am besten auf Kinderhöhe in kleinen Karaffen oder Krügen. Das fördert Eigenständigkeit und macht das Trinken selbstverständlich. In Kitas hat sich bewährt, Wasserkaraffen auf Gruppentische zu stellen. Zuhause helfen vorbereitete Trinkflaschen, die Kinder eigenständig nutzen können.
3. Das Trinken interessant gestalten
Macht das Trinken interessanter - zum Beispiel durch einen hübschen Strohhalm oder unterschiedliche Becher mit Motiven darauf. Vielleicht gebt ihr auch mal euer eigenes Glas her.
- Hübsche Trinkflaschen: Das ständige Trinken aus dem gleichen Becher kann mit der Zeit langweilig werden. Eine attraktive Trinkflasche kann dazu beitragen, dass dein Kind mehr Wasser trinkt. Es gibt auch Marken, die speziell für Kinder konzipierte Trinkflaschen anbieten. Diese sind kleiner und mit tollen Motiven versehen. Wer mag, kann die Flasche auch mit eigenen Stickern bekleben.
- Farbige Strohhalme: Ein Strohhalm kann ebenfalls dazu beitragen, Kinder zum Trinken zu animieren. Die Kleinen müssen den Becher nicht extra anheben, sondern können ganz bequem aus dem Strohhalm trinken. Wenn die Strohhalme noch verschiedene Farben und Formen haben, wird das Trinken von ganz alleine richtig spannend. Eine umweltfreundliche Alternative zu Plastikstrohhalmen sind wiederverwendbare Halme aus Glas, Metall oder Silikon.
- Bunte Eiswürfel: Ein einfacher Trick, um Wasser spannender zu machen: Bunte Eiswürfel! Du kannst dafür stark verdünnten Fruchtsaft einfrieren oder kleine Fruchtstücke wie Himbeeren, Johannisbeeren oder Minzblätter mit Wasser in Eiswürfelformen geben. Wenn sie im Glas schmelzen, geben sie langsam Geschmack ab - und sehen dabei richtig schön aus.
Bunte Eiswürfel selber machen
4. Wasser mit Geschmack aufwerten
Oder ihr macht einfach das Wasser an sich interessanter! Gebt ab und an mal eine Zitronenscheibe ins Wasser oder ein paar Beeren. Wasser ist geschmacklich neutral, Kinder bevorzugen Reize. Wasser lässt sich sanft aufwerten, indem du es mit Früchten wie Beeren, Orange oder Zitrone aromatisierst. Gurke oder Minze sorgen für einen frischen Geschmack, ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee - abgekühlt - bringt zusätzliche Abwechslung. So bleibt Wasser Wasser, bekommt aber einen kleinen Reiz.
Wasser interessanter zu machen ist auch das Konzept der Air Up Trinkflasche, die mit einem sogenannten Duft-Pod versehen wird, damit einfaches Wasser - ganz ohne Zucker oder Zusatzstoffe - nach Mango-Maracuja, Limette oder Pfirsich-Eistee schmeckt. Klingt nach Mogelpackung? Vielleicht.
5. Vorbild sein
Seid ein gutes Vorbild. Trinkt regelmäßig vor dem Kind und inszeniert das ruhig ein bisschen: „Oh, habe ich Durst. Ich trinke mal was.“ Kinder orientieren sich stark am Verhalten ihrer Bezugspersonen. Wenn du selbst regelmäßig Wasser trinkst und das ganz selbstverständlich in deinen Alltag einbaust, wird dein Kind es dir nachmachen. Besonders im Sommer bei hohen Temperaturen ist es wichtig, dass Kinder ausreichend trinken. Doch Kinder haben oft keine so hohe Trinkmotivation oder vergessen schlicht aufs Trinken zu achten.
6. Kleine Trinkportionen und spielerische Ansätze
Auch kleine Trinkportionen führen zum Ziel. Im Sommer könnt ihr auch mal ausprobieren, ob euer Kind Eiswürfel lutschen möchte. Einige Eltern schwören auf Schnapsgläser - gerade für Trinkanfänger. Ja, richtig.
Trinken darf Spaß machen! Überlegt euch, was euer Kind am Trinken lustig finden könnte - zum Beispiel ein ausgiebiges Zuprosten. Gestaltet die ersten Trinkversuche eurer Babys ganz entspannt und spielerisch. Lasst es zum Beispiel unterschiedliche Trinkgefäße ausprobieren, ohne dass das Trinken an sich im Vordergrund steht.
7. Wasserreiche Lebensmittel nutzen
Flüssigkeit muss nicht nur aus dem Glas kommen. Wassermelone, Orangen und Beeren liefern viel Flüssigkeit und lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Gurken und Tomaten eignen sich ideal als Snack zwischendurch. Suppen und Bouillon zählen ebenfalls zur täglichen Flüssigkeitszufuhr. Diese zählen mit und entlasten den Trinkdruck.
Auch zuckerfreie Alternativen wie selbstgemachtes Wassereis oder Wassermelone, die von Natur aus zu 95 Prozent aus Wasser besteht, sind eine gute Option. Gurken-Snacks oder Erdbeeren sind ebenfalls wasserreich.

8. Belohnungssysteme einführen
Wenn Kinder trotz allem kein Wasser trinken wollen, kann ein Belohnungssystem helfen. Gemeinsam mit dem Kind können die Eltern ein Plakat gestalten, auf dem das Kind jeden Tag abhaken kann, ob es die vorgegebene Trinkmenge eingehalten hat. Oder die Kleinen dürfen ein Sticker in Tropfen-Form für jedes Glas Wasser aufkleben, das sie getrunken haben. Wenn während der Woche genug Wasser getrunken wurde, gibt es eine kleine Belohnung, wie einen neuen Trinkbecher.
Für die Kinder, die wirklich nicht trinken wollen, können Sie auch ein Belohnungssystem einführen, bei dem sie immer dann ein kleines Geschenk bekommen, wenn sie die empfohlene Tagesmenge an Wasser getrunken haben. Man kann auch mit einem Wochenziel arbeiten, bei dessen Erreichen ein Kuchen als Belohnung steht oder dass sie ausnahmsweise eine Stunde länger aufbleiben dürfen.
Alternativen und Einschränkungen
Viele Kinder neigen dazu, zu wenig Wasser und dafür zu viele Säfte oder andere Getränke zu konsumieren. Diese enthalten jedoch oft viel Zucker. Fruchtsäfte sollten daher immer im Verhältnis 1:3 (ein Teil Saft, drei Teile Wasser) verdünnt werden. Auch Limonaden und Co. sind keine geeigneten Durstlöscher für Kinder. Am besten wäre es jedoch komplett auf Wasser und ungesüßte Tees umzusteigen.
Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sind eine gute Alternative, wenn Abwechslung gefragt ist. Sorten wie Pfefferminze, Kamille oder Rooibos bringen Geschmack, ohne Zucker zu enthalten. Verdünnte Saftschorlen (1 Teil Saft, 3 Teile Wasser) liefern Vitamine und sind besonders für bewegungsintensive Tage geeignet. Sie sollten aber nicht den Alltag dominieren, da Fruchtsäfte viel natürlichen Zucker enthalten. Ungeeignet sind Softdrinks, Energydrinks und Eistees. Sie enthalten große Mengen Zucker oder Koffein, belasten die Zähne und fördern Übergewicht.
Mit einigen Obst- und Gemüse-Sorten müssen Eltern allerdings vorsichtig sein. Der wasserreiche Sellerie oder Zitronen können unter Sonneneinstrahlung schmerzhafte Verbrennungen rund um den Mund auslösen.
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