Die Entscheidung, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen, ist ein wichtiger Schritt in der kindlichen Entwicklung. Mit zunehmendem Alter sollte der Schnuller abgewöhnt werden, damit sich Kiefer und Zähne gut entwickeln können. Die meisten Kinder verlangen von selbst weniger nach dem „Nucki“, wenn sie älter werden. Allerdings kann das regelmäßige Saugen am Schnuller auf Dauer gesundheitliche Probleme wie Zahn- und Kieferfehlstellungen verursachen sowie zu Sprachstörungen wie Lispeln führen, da die Zunge nicht lernt, am oberen Gaumen hinter den Zähnen zu liegen. Außerdem steht häufiges Nuckeln am Schnuller in Verdacht, das Risiko für Mittelohrentzündungen zu erhöhen. Forscher der Finnischen Universität Oulu konnten in einer klinischen Studie mit Babys und Kleinkindern zwischen 7 und 18 Monaten belegen, dass das Saugen das Druckverhältnis zwischen Ohren und Rachen verändert.
Schnuller können auch die Sprachentwicklung behindern. Viele Eltern entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, ihr Kind auch mit Nuckel im Mund zu verstehen. Aber das ist nicht nötig und auch nicht ratsam. Selbst wenn es bei Ihnen so sein sollte: Sagen Sie zu dem mit Schnuller sprechenden Kleinkind: „Ich versteh dich ja gar nicht, gib mir doch mal den Schnuller.“
Der Schnuller hat eine wichtige Funktion: Er hilft dem Kind, sich zu beruhigen und zu entspannen. Babys haben von Natur aus ein Saugbedürfnis. Das Saugen am Schnuller beruhigt die Kleinen und lässt viele Babys besser einschlafen. Viele Babys beschäftigen sich in der oralen Phase auch gerne mit dem Schnuller und nutzen ihn als Spielzeug. Einmal angewöhnt, ist ein Schnuller ein wichtiger Anker, der in stressigen Situationen Entspannung schaffen kann. Auch das Abstillen gelingt mitunter etwas einfacher, wenn das Baby einen Schnuller nimmt. Deshalb ist es absolut verständlich, wenn Eltern ihrem Baby schon früh einen Schnuller anbieten - obwohl ein Schnuller natürlich auch einige Nachteile mit sich bringt. Nicht zuletzt, dass er irgendwann wieder abgewöhnt werden muss.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Schnuller abgewöhnen?
Da das Saugbedürfnis Deines Babys im zweiten Lebensjahr deutlich abnimmt, ist ein Schnuller zur Beruhigung nun nicht mehr unbedingt notwendig - so zumindest die Theorie. Außerdem ist der Abschied vom Schnuller ein wichtiger Schritt zum „Großwerden“ für Dein Kind.
Früher galt die Empfehlung, dass der Schnuller spätestens zum 3. Geburtstag weg sein sollte. Innerhalb der letzten 20 Jahre wurde die „Schnullerzeit“ aber ziemlich reduziert. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) empfiehlt schon seit 2004, dass der Schnuller im Alter von 7 Monaten abgewöhnt werden sollte. In diesem Zeitraum wachsen die ersten Milchzähne und auch der Saugreflex bildet sich zurück, so dass es Deinem Baby leichter fällt, auf den Schnulli zu verzichten. Lediglich bei frühgeborenen Kindern könne man wegen ihrem besonders hohen Saugbedürfnis noch bis zum 1. Geburtstag warten, so die Experten.
Falls es mit der frühen Entwöhnung nicht klappen sollte oder Du den Zeitpunkt einfach verpasst hast, ist es auch vertretbar, wenn Du den Schnuller während des zweiten Lebensjahres abgewöhnst, sofern Du den Nuckel nur noch zum Schlafen und in „Notsituationen“ anbietest. So empfiehlt es auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Leitfaden „Das Baby. Informationen für Eltern über das erste Lebensjahr“. Der 3. Geburtstag gilt dann tatsächlich (immer noch) als der allerspäteste Zeitpunkt für die Entwöhnung.
Wichtige Empfehlungen zum Zeitpunkt:
- 7 bis 12 Monate: Idealer Zeitpunkt, da der natürliche Saugreflex nachlässt und die ersten Zähnchen wachsen.
- 2. Lebensjahr: Schnuller wird zunehmend zur Gewohnheit; je früher und weniger er verwendet wird, desto besser.
- Bis zum 3. Geburtstag: Spätestens sollte das Kind schnullerfrei sein, um Zahnfehlstellungen und Probleme beim Sprechen und Essen zu vermeiden.
Tipp: Wenn Du das Gefühl hast, das Schnuller abgewöhnen könnte bei Euch zuhause ein großes Drama werden, wähle unbedingt einen Zeitpunkt, zu dem Ihr Euch wirklich auf dieses Thema konzentrieren könnt. Kita-Eingewöhnung, ein neues Geschwisterchen oder ein Umzug ist wahrscheinlich kein guter Zeitpunkt. Aber vielleicht klappt es im Urlaub umso besser?
Warum ist es schwierig, den Schnuller wieder abzugewöhnen?
Nun ist Dein Schatz (fast) von Geburt an daran gewöhnt, einen Schnuller regelmäßig im Mund zu haben und daran saugen zu können. Wahrscheinlich fordert Dein Kind seinen Nuckel auch regelmäßig ein, besonders, wenn es müde ist oder Trost braucht. Der Schnuller ist ein Teil seines kleinen Lebens geworden, ein Seelentröster, der immer für ihn da ist. Da ist es nur zu verständlich, dass Dein Schatz seinen Schnuller mit großer Wahrscheinlichkeit nicht freiwillig hergeben wird.
Deshalb ist es nach Charakter des Kindes wichtig, bei der Entwöhnung des Schnullers behutsam vorzugehen. Der Schnuller kann durch das vertraute Saugen die überwältigenden Gefühle regulieren, die ein Kleinkind täglich erlebt. Aus diesem Grund ist er auch so schwer abzugewöhnen. Das Saugbedürfnis selbst nimmt aber ab dem Babyalter immer weiter ab. Kuscheln, Tuchschaukeln oder schwere Decken können ebenfalls helfen, die Gefühle von Kleinkindern zu regulieren.
10 Tipps und Tricks zum Schnuller abgewöhnen
Es gibt (Gott sei Dank) viele verschiedene Möglichkeiten, um Deinen kleinen Schatz von seinem geliebten Schnuller zu entwöhnen. Vielleicht weißt Du sofort, wie es ihm am einfachsten fallen wird. Vielleicht musst Du aber auch zwei oder drei Tipps ausprobieren, bis es auch ohne Schnuller funktioniert.
1. Miteinander reden
Auch wenn Dein Baby noch sehr klein ist, ist es in jedem Alter ganz wichtig, dass Du mit Deinem Baby oder Kind vorher darüber sprichst, dass der Schnuller beispielsweise morgen von der Schnullerfee mitgenommen wird und er dann schon ein ganz Großer ist. Das macht den Schritt vielleicht auch für Dich leichter.
2. Buch zum Schnuller abgewöhnen anschauen
Natürlich gibt es auch viele Kinderbücher, die das Thema behandeln, beispielsweise:
- Die kleine Schnullerfee
- Ich brauch doch keinen Schnuller mehr
- Der Baby Waschbär braucht keinen Schnuller mehr
3. Schnuller langsam abgewöhnen
Ein guter Tipp ist es, den Schnuller im Leben Deines Kindes langsam zu reduzieren. Während es als Baby den Schnuller noch rund um die Uhr zur Verfügung hatte, kannst Du ihm den Schnulli ab dem ersten Geburtstag beispielsweise nur noch zum Schlafen oder in schwierigen Situationen anbieten - und auch das kannst Du mit der Zeit reduzieren. So lernt Dein Kind schrittweise sich auch ohne Schnuller zu beruhigen.
Wichtig: Signalisiere Deinem Kind, dass der Verzicht auf den Schnuller keinen Liebesentzug bedeutet - im Gegenteil. Es ist gut möglich, dass Dein Schatz während des Schnuller Abgewöhnens mehr Kuscheleinheiten oder einfach noch mehr Zuwendung von Euch als Eltern braucht als sonst. Die sollte es dann auch bekommen dürfen.
4. Schnuller wegräumen
Wenn Dein Kind seinen Schnuller im Zimmer herumliegen sieht, ist er wahrscheinlich ruck zuck im Mund. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Du alle Schnuller nach dem Aufstehen aus der Sichtweite Deines Kindes räumst, damit es gar nicht erst in Versuchung kommt. Und wenn es zwischendurch gar nicht geht, kannst Du ja schnell einen Schnuller hervorholen (und anschließend wieder weglegen).
5. Schnullerbaum
In fast jeder größeren Stadt gibt es inzwischen einen Schnullerbaum. Das ist ein echter oder nachgebildeter Baum, der sofort aufgrund der vielen Schnuller auffällt, die durch Bänder an ihm befestigt wurden. Und vermutlich werden es täglich mehr, denn viele Eltern kommen mit ihrem Kind zu diesen Bäumen und lassen es selbst seinen Schnuller an den Baum hängen. Schön ist, dass Ihr den Schnuller auch jederzeit besuchen kommen könnt und dass Dein Kind sieht, dass sich auch viele andere Kinder von ihrem Schnuller getrennt haben. In manchen Städten finden sogar groß angelegte Feste rund um den Schnullerbaum statt - wie hier z.B. in Dortmund.
6. Schnullerfee
Eine schöne Idee ist auch der Besuch der Schnullerfee in der Nacht - so ähnlich, wie wenn die Zahnfee kommt. Die Schnullerfee nimmt den Schnuller für ein kleineres Baby mit und lässt im Tausch ein schönes Geschenk da. Das Kind legt seine Schnuller auf der Fensterbank oder auf dem Kopfkissen für die „Schnullerfee“ bereit, die sie abholt und im Tausch ein Spielzeug hinterlässt.
7. Zeremonie zum Schnuller abgewöhnen
Du kannst Dir natürlich auch selbst etwas ausdenken, wie und wann der Schnuller verschwinden soll. Zum Beispiel zum zweiten Geburtstag, zu Weihnachten oder Ostern oder nachdem Ihr aus dem Urlaub zurückgekommen seid. Oder ihr vergrabt den Schnuller im Garten und pflanzt etwas Schönes darauf. Ganz bestimmt gibt es dann zum Tausch ein tolles Geschenk.
8. Entwöhnungssauger für Kinder ab 2
Hast Du schon mal etwas von einem Entwöhnungssauger gehört? Von vorne sieht er wie ein gewöhnlicher Schnuller aus, allerdings fehlt ihm der Sauger. Stattdessen hat er eine Silikonschiene, die nur auf den Zähnen aufliegt, so dass Deinem Kind dieser eher unattraktive Schnuller vermutlich keinen Spaß mehr machen wird. Der Entwöhnungssauger wird erst ab einem Alter von 24 Monaten empfohlen und hat einige gute Bewertungen von Eltern erhalten.
9. Abschneiden der Schnullerspitze
Wenn Du die Schnullerspitze des Schnullers abschneidest, kann Dein Baby den Schnuller zwar noch in den Mund nehmen, aber auch hier ist das Saugen nicht mehr wirklich möglich und die Freude am Nuckeln vergeht recht schnell. Klingt brutal? Wird aber tatsächlich von einigen Kinderärzt:innen so empfohlen.
10. Schnuller verschwinden lassen
Wenn der Schnuller verschwunden ist, kannst Du Deinem Kind natürlich auch keinen Schnuller geben. Du kannst ihm beispielsweise beim Einschlafen sagen, dass Du den Schnuller überall gesucht hast, aber ihn einfach nicht findest. Manche Kinder kommen damit recht schnell klar, andere gar nicht. Ich habe meine Kinder tatsächlich mit dieser Variante mit jeweils 26 Monaten vom Schnuller entwöhnt und sie haben es beide sehr schnell akzeptiert, dass der Schnuller weg ist.

Los geht’s mit der Entwöhnung vom Schnuller
Übrigens wäre es am Schonendsten für Deinen Schatz, wenn er den Schnuller von sich aus aktiv abgibt und er ihm nicht einfach weggenommen wird. Aber viele Kinder hängen so sehr an ihrem Schnulli, dass es manchmal leider nicht anders möglich ist, als ihn aktiv abzugewöhnen.
Ganz wichtig ist, dass Du bei allen Maßnahmen konsequent bleibst! Ich kann Dir versichern, dass die ersten zwei oder drei Abende oder Situationen ohne Schnuller echt anstrengend sein werden. Aber nach einer Woche fragst Du Dich, warum Ihr den Schnuller nicht schon vorher weggelassen habt.
Oftmals klappt es mit der Entwöhnung in der Betreuung viel leichter als zu Hause. Beim Spielen ist das Kind meistens so abgelenkt, dass es leichter ist, die alte Gewohnheit zu vergessen. In der Garderobe kann der Schnuller warten bis zur Mittagsruhe.
Führen Sie deshalb neue Rituale ein, wenn Sie merken, dass das Kind den Nuckel aus diesem Grund verlangt. Sie können je nach Situation mit ihm kuscheln und etwas lesen, ein gemeinsames, ruhiges Spiel spielen oder die Unruhe wegtoben. Zum Abgewöhnen in schwierigeren Fällen ist es oft hilfreich, das Nuckeln an einen bestimmten Ort zu binden: Der Schnuller wird im Bett gelassen, das Kind kann sich aber bei Bedarf dorthin zum Beruhigen zurückziehen. Will es wieder los zum Spielen, bleibt der Nuckel konsequent im Bett. Da das Liegen auf Dauer langweilig ist, kehrt das Kind von selbst zum Spiel zurück, wenn es wieder aufgetankt hat.
Schnuller abgewöhnen mit der Schnullerfee - Einblick ins persönliche Video
Entscheidend ist die Haltung der Eltern: Kinder spüren, wenn Eltern überzeugt und klar sind. Wichtig dabei ist es, sein Kind vorzubereiten und es schrittweise daran zu gewöhnen, dass es künftig mit weniger Schnuller auszukommen. Kleine Schritte helfen, neue Routinen zu entwickeln und Vertrauen in eigene Selbstberuhigungsfähigkeiten zu gewinnen. Der Schnuller ist nicht immer verfügbar, sondern nur in wirklichen Belastungssituationen. Also so selten und so kurz wie möglich den Schnuller erlauben. Die Eltern entscheiden, wer, wann, wie belastet ist und wann der Schnuller zum Einsatz kommt. Auf jeden Fall wird die Nutzung eingeschränkt und dabei immer wieder auch auf das Kuscheltier verwiesen.
Der Schnuller hat im Bett des Kindes sein Zuhause gefunden (und vielleicht bei längeren Autofahrten auch im Auto). Jetzt lernt das Kind, dass der Schnuller nur noch zum Schlafen und Ausruhen genutzt wird. In allen anderen Situationen tagsüber hilft das Kuscheltier, also genauer gesagt, es hilft sich das Kind selber, mit Hilfe des Kuscheltieres. Und sollte das nicht gelingen muss natürlich die Bezugsperson her. Die Regel sollte sein: „der Schnuller wohnt im Bett“. Eine klare Aussage, für Eltern und Kind verständlich und eine Hilfe dazu, dass tagsüber Trost und Beruhigung nun anders erfahren werden kann.
Wir reden mit unserem Kind darüber, dass der Zeitpunkt näher rückt, an dem wir uns von dem Schnuller verabschieden. Reden hilft, denn wenn immer davon gesprochen wird, wird es zu einer Normalität, wie viele andere Sachen auch. Natürlich kann sich ein Kind das nicht wirklich vorstellen, wie es dann tatsächlich sein wird ohne Schnuller zurechtzukommen, aber die transportierte Normalität ist dennoch hilfreich. Die Eltern können sich überlegen, ob und was für eine Geschichte sie ihrem Kind erzählen wollen. Es kann die Schnullerfee kommen und ein Geschenk hinterlassen oder der Schnuller könnte an ein Baby, das ihn wirklich braucht verschickt oder geschenkt werden. Es gibt auch Schnullerbäume, an die die Schnuller gehängt werden und so sichtbar wird, dass viele Kinder ihren Schnuller abgeben. Man kann den Gummianteil des Schnullers mit Hilfe einer Schere immer mehr reduzieren, oder bei einem Zahnarztbesuch den Zahnarztschnuller abholen, damit wird das Saugvergnügen schon mal ziemlich eingeschränkt. Oder sie sagen es einfach wie es ist. Nicht mit „vielleicht“ und einigen Fragezeichen in der Stimme, sondern sicher, bestimmt, klar und optimistisch: „Wir haben es besprochen - und schaffen es gemeinsam“. Es kann ja die Nacht gemeinsam verbracht und Hilfe angeboten werden. Das Kuscheltier rückt als neuer Schlaffreund in den Fokus und diese Nacht geht vorbei und die nächste wird schon besser! Je sicherer die Botschaften transportiert werden, desto schneller finden sich Kinder damit ab. Wichtig ist, dass die Kinder nicht alleine gelassen werden in schwierigen Situationen, sie sollen erleben, wenn es schwer wird, sind meine Eltern ganz nah, sie stehen zur Verfügung und kümmern sich.
Fazit: Irgendwann geht’s ohne Schnuller. Früher oder später wird jedes Kind schnullerfrei. Und meistens klappt das Abgewöhnen viel besser, als es die Eltern befürchtet haben! Also scheue dich nicht davor, einen Versuch zu wagen.