Gebärmutterhalskrebs: Erkennung, Ursachen und Vorbeugung

Gebärmutterhalskrebs, auch Zervixkarzinom genannt, ist eine bösartige Tumorerkrankung, die im unteren Teil der Gebärmutter, dem Gebärmutterhals, entsteht. Die medizinische Fachsprache bezeichnet dies als maligne Zellwucherung des Gebärmutterhalses. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 53 Jahren. In frühen Stadien ist Gebärmutterhalskrebs in der Regel heilbar, wobei die Heilungschancen mit fortschreitender Ausbreitung des Tumors sinken.

Der Gebärmutterhals bildet den Übergang zwischen dem Gebärmutterkörper und der Scheide. Seine Öffnung zur Scheide wird als äußerer Muttermund bezeichnet, die Öffnung zum Gebärmutterkörper als innerer Muttermund. Die Schleimhaut des Gebärmutterhalses besteht aus einem Deckgewebe (Plattenepithel) und Schleimdrüsen. Die meisten Gebärmutterhalskrebsfälle gehen vom Plattenepithel aus und werden als Plattenepithelkarzinome klassifiziert. Seltener entsteht der Krebs aus dem Drüsengewebe und wird dann als Adenokarzinom bezeichnet. In den meisten Fällen entwickelt sich der Gebärmutterhalskrebs im Bereich des äußeren Muttermundes.

Anatomie der inneren weiblichen Geschlechtsorgane, mit Hervorhebung des Gebärmutterhalses

Es ist wichtig, Gebärmutterhalskrebs nicht mit Gebärmutterkörperkrebs (Uteruskarzinom, Endometriumkarzinom) zu verwechseln.

Symptome von Gebärmutterhalskrebs

In den frühen Stadien verursacht Gebärmutterhalskrebs meist keine Symptome. Auch die Krebsvorstufen bleiben oft lange Zeit unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium können Beschwerden auftreten:

  • Scheidenausfluss, der oft blutig oder übelriechend ist.
  • Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, nach Belastungen (z. B. Radfahren, Reiten) oder nach dem Stuhlgang.
  • Bei Frauen nach dem 35. Lebensjahr können auch starke Regelblutungen, Zwischen- oder Schmierblutungen ein Hinweis sein.
  • Blutungen nach den Wechseljahren sind ebenfalls ein mögliches Symptom.
  • Schmerzen im Unterbauch.
  • Unerklärliche Gewichtsabnahme.

Bei fortgeschrittenem Stadium können Anzeichen eines Befalls weiterer Organe hinzukommen:

  • Lymphödeme (Schwellungen der Beine) bei Befall des Lymphsystems.
  • Rotfärbung des Urins bei Befall der Harnwege und Blase.
  • Tiefe Rückenschmerzen, die in das Becken ausstrahlen, bei Befall des Beckens und der Wirbelsäule.
  • Starke Bauchschmerzen mit Lähmung der Darmtätigkeit bei Befall der Baucheingeweide.

Diese Symptome sind nicht eindeutig für Gebärmutterhalskrebs und können auch andere Ursachen haben. Eine ärztliche Abklärung ist daher unerlässlich.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs ist eine chronische Infektion mit bestimmten Typen des **humanen Papillom-Virus (HPV)**. Von den etwa 200 bekannten HPV-Typen gelten einige als besonders aggressiv ("high risk"-Typen), darunter HPV 16, 18, 31, 45, 51 und 52. Allein die Typen 16 und 18 sind für über 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich.

HPV wird fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Auch Kondome bieten keinen vollständigen Schutz, da die Übertragung durch Hautkontakt im Intimbereich erfolgen kann.

Obwohl fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit HPV in Kontakt kommt, kann das Immunsystem die Viren meist bekämpfen. Weniger als eine von 100 Frauen, die mit einem Hochrisiko-HPV-Typ infiziert sind, erkrankt tatsächlich an Gebärmutterhalskrebs.

Weitere wichtige Risikofaktoren sind:

  • Rauchen: Tabakgifte schwächen das Gewebe des Gebärmutterhalses und machen es anfälliger für Viren.
  • Hohe Anzahl an Geschlechtspartnern.
  • Früher Beginn der sexuellen Aktivität (vor dem 14. Lebensjahr).
  • Schlechte Genitalhygiene.
  • Niedriger sozioökonomischer Status.
  • Viele Schwangerschaften und Geburten.
  • Langzeiteinnahme oraler Verhütungsmittel ("Pille"), insbesondere bei gleichzeitiger HPV-Infektion.
  • Andere sexuell übertragbare Krankheiten (z. B. Genitalherpes, Chlamydien).
  • Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch HIV oder immunsuppressive Medikamente).

Genetische Faktoren spielen nach derzeitigem Wissensstand nur eine untergeordnete Rolle.

Gebärmutterhalskrebs: Entstehung, Symptome und Impfung | AOK

Diagnose von Gebärmutterhalskrebs

Die wichtigste Maßnahme zur Früherkennung ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt. Diese ergänzt, aber ersetzt nicht die HPV-Impfung.

Körperliche Untersuchung und Anamnese

Zu Beginn des Arztgesprächs erfragt die Ärztin oder der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese), einschließlich Menstruationszyklus, Beschwerden, Vorerkrankungen und Verhütungsmittel. Anschließend erfolgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der die äußeren Geschlechtsorgane sowie Scheide und Muttermund begutachtet werden.

Zellabstrich (PAP-Test)

Mit einer kleinen Bürste oder einem Wattestäbchen wird Zellmaterial von der Schleimhautoberfläche des Muttermundes und des Gebärmutterhalskanals entnommen. Dieses Material wird unter dem Mikroskop auf Zellveränderungen untersucht. Der PAP-Test (benannt nach Georgios Papanicolaou) kann Krebszellen oder deren Vorstufen erkennen.

Die Befundgruppen des PAP-Tests reichen von Pap I (normal) bis Pap V (sehr wahrscheinlich Krebszellen nachgewiesen). Pap III und Pap IIID deuten auf unklare Zellveränderungen hin, die weitere Abklärung erfordern. Pap IV und Pap V weisen auf Krebsvorstufen oder Krebs hin.

Schema des PAP-Tests und Darstellung von Zellen unter dem Mikroskop

HPV-Test

Der Test auf humane Papillomviren (HPV) ist sinnvoll, insbesondere bei auffälligem PAP-Abstrich. Ein negativer HPV-Test schließt hochgradige Vorstufen oder Krebs zum Zeitpunkt der Untersuchung weitgehend aus.

Zukünftig wird der HPV-Test in Kombination mit dem PAP-Test als Teil der gynäkologischen Krebsfrüherkennung für Frauen ab 35 Jahren alle drei Jahre von den Krankenkassen übernommen. Ein organisiertes Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs informiert Frauen zwischen 20 und 65 Jahren und lädt sie zur Teilnahme ein.

Kolposkopie (Scheidenspiegelung)

Wenn der äußere Muttermund nicht ausreichend beurteilt werden kann, kommt die Kolposkopie zum Einsatz. Dabei betrachtet die Ärztin mithilfe eines Vergrößerungsglases (Kolposkop) die Scheide und den Muttermund. Auffällige Bereiche können mit einer Jodlösung angefärbt werden, um sie besser zu erkennen.

Biopsie (Gewebeprobe)

Bei Verdacht auf auffällige Gewebebereiche wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen. Spezialisten untersuchen diese Probe unter dem Mikroskop auf Zellveränderungen. Eine Biopsie ist meist kaum schmerzhaft; bei Bedarf ist eine lokale Betäubung möglich.

Konisation

Bei kleinen, verdächtigen Gewebeveränderungen kann eine Konisation durchgeführt werden. Dabei wird ein kegelförmiger Teil des Gewebes, der die veränderten Zellen und einen Rand gesunden Gewebes umfasst, herausgeschnitten. Die Konisation dient sowohl der Diagnose als auch der Behandlung.

Darstellung einer Konisation

Bildgebende Verfahren

Bei Verdacht auf fortgeschrittene Stadien oder Metastasierung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • Ultraschall: Über die Bauchdecke können Ärzte prüfen, ob Nieren und Harnwege betroffen sind und ob sich der Tumor auf benachbarte Gewebe und Organe ausgebreitet hat. Auch die Lymphknoten im Halsbereich können untersucht werden.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ermöglicht die Beurteilung der Eindringtiefe des Tumors ins Gewebe und die Beteiligung von Nachbarorganen und Lymphknoten. MRT ist nicht möglich bei Patientinnen mit Metallimplantaten oder Herzschrittmachern.
  • Computertomographie (CT): Wird eingesetzt, um eine weitere Ausbreitung des Tumors (z. B. in Brustkorb und Bauch) zu prüfen und Metastasen in Organen wie der Lunge festzustellen. Bei fehlender MRT-Möglichkeit kann der Beckenbereich mittels CT untersucht werden.
  • Positronenemissionstomographie (PET-CT): Wird vor allem bei Verdacht auf Rückfälle eingesetzt, um mögliche Metastasen zu finden. Die Kosten werden nicht immer von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Operation zur Stadieneinteilung

Bei vielen Patientinnen ist eine Voroperation notwendig, um das genaue Stadium der Krebserkrankung zu bestimmen.

Behandlung von Gebärmutterhalskrebs

Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und kann Operation, Strahlentherapie und/oder Chemotherapie umfassen.

Operation

Im frühen Stadium ist die Operation die Therapie der Wahl. Sie dient der vollständigen Entfernung des Tumorgewebes und gegebenenfalls der befallenen Lymphknoten. Gängige Verfahren sind:

  • Sentinel-Lymphknoten-Entfernung: Identifizierung und Entfernung des ersten Lymphknotens, der von Tumorzellen erreicht wird.
  • Radikale Hysterektomie (RHE): Entfernung der Gebärmutter, des Gebärmutterhalses, des oberen Teils der Scheide und der umliegenden Lymphknoten.
  • Radikale Trachelektomie: Erhaltung der Fruchtbarkeit durch Entfernung des Gebärmutterhalses, aber Beibehaltung des Gebärmutterkörpers. Dies ist nur in ausgewählten Fällen bei sehr kleinen Tumoren möglich.

Langfristige Nebenwirkungen der Operation sind selten, können aber Probleme bei der Blasenentleerung und eine Verkürzung bzw. Trockenheit der Scheide umfassen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie wird eingesetzt, um maligne Zellen zu vernichten. Sie kann extern oder intern (Brachytherapie) erfolgen. Bei der Brachytherapie wird eine Strahlenquelle in das Scheidengewölbe oder die Gebärmutterhöhle eingebracht.

Chemotherapie und zielgerichtete Therapie

Die Chemotherapie mit Zytostatika hemmt das Wachstum von Krebszellen. Zielgerichtete Therapien (z. B. Antikörpertherapie) greifen spezifisch Krebszellen an.

Mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie umfassen Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen und erhöhte Infektanfälligkeit, die jedoch größtenteils gelindert werden können.

Infografik zu den Behandlungsmethoden von Gebärmutterhalskrebs

Prognose und Lebenserwartung

Die Heilungschancen bei Gebärmutterhalskrebs sind gut, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird. Frühe Stadien sind in der Regel heilbar. Mit zunehmender Ausbreitung des Tumors sinken die Heilungschancen. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt im Frühstadium fast 100 %, im Spätstadium jedoch nur etwa 8 %.

Die Lebenserwartung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Stadium der Diagnose, das Alter und der Allgemeinzustand der Frau. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Heilungschancen und die Lebenserwartung deutlich verbessert.

Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs

Die wirksamste Methode zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs ist die HPV-Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren, bevor sie sexuell aktiv werden.

Weitere vorbeugende Maßnahmen:

  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (PAP-Test, HPV-Test).
  • Schutzmaßnahmen beim Geschlechtsverkehr (Kondome können das Risiko einer Übertragung verringern).
  • Verzicht auf Rauchen.
  • Gesunder Lebensstil zur Stärkung des Immunsystems.

Auch geimpfte Frauen sollten die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, da die Impfung nicht vor allen HPV-Typen schützt und eine Ansteckung nicht vollständig ausschließt.

Nachsorge

Nach der Behandlung ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um ein Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Die Intervalle der Nachsorgeuntersuchungen richten sich nach der Behandlungsphase und werden vom behandelnden Arzt festgelegt.

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