Die Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI) ist ein Verfahren der assistierten Reproduktion, bei dem ein einzelnes Spermium direkt in das Innere einer reifen Eizelle injiziert wird, um eine Befruchtung zu ermöglichen. Diese Methode hat sich aufgrund ihrer hohen und konstanten Erfolgsraten bei der Erzielung einer Befruchtung - typischerweise zwischen 70-80% - seit ihrer Einführung kaum verändert.
Die notwendige Ausstattung für die ICSI umfasst ein invertiertes Mikroskop mit spezieller Optik (Hoffman) und eine auf 37°C beheizte Platte. An dieses Mikroskop sind Mikromanipulatoren angeschlossen, die eine dreidimensionale Steuerung der Mikropipetten ermöglichen. Diese Pipetten halten die Eizelle fest und führen das Spermium für die Injektion ein.

Wann wird ICSI eingesetzt?
Die ICSI-Methode kommt insbesondere in folgenden Situationen zum Einsatz:
- Schwerwiegende männliche Unfruchtbarkeit:
- Oligozoospermie oder Kryptozoospermie: Eine stark verminderte Anzahl von Spermien.
- Asthenozoospermie: Eine stark verminderte Spermienmotilität, bis hin zu völliger Bewegungsunfähigkeit.
- Teratozoospermie: Eine erhöhte Anzahl von Spermien mit abnormaler Morphologie.
- Obstruktive Azoospermie: Das vollständige Fehlen von Spermien im Ejakulat aufgrund einer Blockade der Samenwege.
- Geringe Anzahl gewonnener Eizellen: Wenn bei der Follikelpunktion nur wenige reife Eizellen gewonnen werden können.
- Fehlgeschlagene IVF-Behandlungen: Wenn frühere Versuche einer konventionellen In-vitro-Fertilisation (IVF) nicht zur Befruchtung geführt haben.
Grundsätzlich ist für die Durchführung einer ICSI nur eine einzige, befruchtungsfähige Samenzelle erforderlich. Dies macht die Methode auch für Paare oder Einzelpersonen attraktiv, die auf eine Samenspende zurückgreifen möchten.
Der Ablauf einer ICSI-Behandlung
Der Behandlungszyklus einer ICSI-Behandlung folgt einem strukturierten Ablauf:
- Downregulation: Zunächst wird die körpereigene Hormonproduktion der Frau unterdrückt, um einen natürlichen Eisprung zu verhindern.
- Stimulation der Eizellreifung: Ab dem 2. oder 3. Zyklustag beginnt die Frau mit der Selbstinjektion von Hormonen, um die Entwicklung mehrerer Eizellen zu fördern. Dieser Prozess dauert in der Regel etwa 10 bis 14 Tage.
- Kontrolluntersuchungen: Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Bluttests überwachen die Entwicklung der Eibläschen und die Hormonspiegel.
- Einleitung des Eisprungs: Sobald genügend Eizellen die gewünschte Größe und Reife erreicht haben, wird der Eisprung durch eine Hormonspritze zu einem exakt festgelegten Zeitpunkt ausgelöst.
- Entnahme der Eizellen: Unter lokaler Betäubung oder kurzer Narkose werden die reifen Eizellen mithilfe einer feinen Nadel durch die Vagina unter Ultraschallsicht aus den Eibläschen entnommen.
- Bereitstellung des Spermas: Am Tag der Eizellentnahme gewinnt der Partner durch Masturbation eine Spermaprobe. Alternativ kann eine aufgetaute oder aus einer TESE/MESA stammende Samenprobe verwendet werden. Wichtig ist die Befruchtungsfähigkeit des Spermiums.
- Befruchtung durch Injektion (ICSI): Im Labor wird ein einzelnes Spermium mit einer speziellen Glaspipette direkt in jede reife Eizelle injiziert.
- Kultivierung der Embryonen: Die befruchteten Eizellen (nun Embryonen genannt) entwickeln sich in den folgenden 2 bis 5 Tagen in einem Inkubator weiter.
- Embryotransfer: Erfolgreich entwickelte Embryonen werden mit einem dünnen Katheter durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter der Frau übertragen. In Deutschland ist die Übertragung von maximal drei Embryonen erlaubt.
- Schwangerschaftstest: Nach etwa zwei Wochen kann ein Bluttest Aufschluss darüber geben, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.
- Ultraschall-Untersuchung: Bei positivem Testergebnis kann die Schwangerschaft mittels Ultraschall bestätigt und bei Einnistung des Embryos auch der Herzschlag sichtbar gemacht werden.
3D Animation of how ICSI works
Unterschiede zur IVF-Behandlung
Während bei der klassischen In-vitro-Fertilisation (IVF) die Befruchtung durch das Zusammenführen von Eizellen und Spermien in einer Kulturschale erfolgt, wird bei der ICSI die Befruchtung durch die direkte Mikroinjektion eines Spermiums in die Eizelle erreicht. Die ICSI ahmt dabei den natürlichen Prozess des Eindringens eines Spermiums in die Eizelle nach, umgeht jedoch die natürlichen Hürden, die bei stark eingeschränkter Spermienqualität überwunden werden müssten.
Sicherheit und Risiken der ICSI
Die einzelnen Behandlungsschritte der ICSI sind für die Frau in der Regel mit geringen gesundheitlichen Risiken verbunden. Die notwendige Hormonstimulation kann jedoch körperlich und emotional belastend sein. Seltene Komplikationen der Hormontherapie sind das Überstimulationssyndrom, bei dem der Körper auf die Hormone überreagiert.
Ein potenzielles Risiko bei assistierten Reproduktionstechniken ist die Entstehung von Mehrlingsschwangerschaften, insbesondere wenn mehrere Embryonen übertragen werden. Mehrlingsschwangerschaften sind mit erhöhten Risiken für Mutter und Kind verbunden, darunter Frühgevurtlichkeit. Daher empfehlen Ärzte oft die Übertragung von nur einem Embryo.
Studien deuten darauf hin, dass Kinder, die mittels ICSI gezeugt werden, ein leicht erhöhtes Risiko für genetische Abweichungen oder bestimmte Erkrankungen aufweisen könnten. Es ist jedoch unklar, ob dies auf die ICSI-Methode selbst zurückzuführen ist oder auf den genetischen Hintergrund der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Fehlbildungsraten bei durch ICSI oder IVF gezeugten Kindern sind im Vergleich zu natürlich gezeugten Kindern signifikant erhöht, wobei keine wesentlichen Unterschiede zwischen IVF und ICSI festgestellt wurden.

Erfolgsraten der ICSI
Die durchschnittliche Geburtenrate pro Behandlungszyklus bei der ICSI ist stark vom Alter der Frau abhängig. Bei Frauen unter 32 Jahren sind die Chancen am besten. Bei 30-jährigen Frauen liegt die Geburtenrate pro Behandlungszyklus bei etwa 30%, während sie bei 40-jährigen Frauen auf rund 14% sinkt. Die Erfolgschancen für eine Schwangerschaft liegen pro Embryotransfer typischerweise zwischen 35-40%.
Kostenübernahme
Die Kosten für eine ICSI-Behandlung variieren je nach Klinik und Umfang der Maßnahmen und beginnen bei etwa 3.500 Euro, können aber auch deutlich höher liegen. Unter bestimmten Voraussetzungen beteiligt sich die gesetzliche Krankenkasse zur Hälfte an den Kosten. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten manchmal vollständig, wenn die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch beim Versicherten liegt. Zusätzliche Unterstützung kann unter Umständen bei einigen Bundesländern beantragt werden.
tags: #ivf #mit #mikroinjektion #icsi