Die „Pille danach“ ist eine Notfalllösung, die dazu dient, eine ungewollte Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder einer Panne bei der Verhütung zu verhindern. Sie ist kein Verhütungsmittel für den regelmäßigen Gebrauch, sondern eine Option für Ausnahmesituationen.
Was ist die Pille danach?
Die „Pille danach“ ist ein hormonelles Präparat in Tablettenform. Sie wird eingenommen, um eine Schwangerschaft zu verhindern, nachdem Geschlechtsverkehr ohne ausreichende Verhütung stattgefunden hat oder die angewandte Verhütungsmethode versagt hat.
Es gibt zwei Haupttypen der Pille danach, die in Deutschland erhältlich sind:
- Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG).
- Präparate mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA).
Die Pille danach sollte nicht leichtfertig eingenommen werden, da sie wie jedes Medikament Nebenwirkungen haben kann.
Wie funktioniert die Pille danach?
Die beiden zugelassenen Wirkstoffe der Pille danach verhindern eine Schwangerschaft, indem sie den Eisprung beeinflussen:
- Levonorgestrel blockiert die Bildung des luteinisierenden Hormons (LH), das den Eisprung anregt. Dadurch verschiebt sich der Eisprung um einige Tage nach hinten. Ziel ist, dass Spermien absterben, bevor die Eizelle freigesetzt wird. Diese Methode ist weniger wirksam, wenn der Eisprung bereits stattfindet oder unmittelbar bevorsteht.
- Ulipristalacetat blockiert die Wirkung des Hormons Progesteron, was ebenfalls den Eisprung verhindert oder verschiebt. Ulipristalacetat wirkt potenziell bis kurz vor dem Eisprung und kann daher auch dann noch wirksam sein, wenn der LH-Spiegel bereits angestiegen ist.
Wichtig ist zu verstehen, dass die Pille danach nicht die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindert und somit kein Schwangerschaftsabbruch ist.

Wie lange nach dem Sex kann die Pille danach eingenommen werden?
Grundsätzlich gilt: Je früher nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr die Pille danach eingenommen wird, desto wirksamer ist sie. Die maximale Einnahmezeit hängt vom Wirkstoff ab:
- Levonorgestrel: Bis maximal 72 Stunden (drei Tage) nach dem Geschlechtsverkehr.
- Ulipristalacetat: Bis maximal 120 Stunden (fünf Tage) nach dem Geschlechtsverkehr.
Trotz dieser Fristen ist die Pille danach nicht wirksam, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat oder gerade stattfindet.
Wann sollte die Pille danach eingenommen werden?
Die Pille danach sollte so bald wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Der Zeitpunkt des Eisprungs ist entscheidend für die Wirksamkeit. Die fruchtbaren Tage umfassen etwa fünf Tage vor dem Eisprung und den Tag danach. Eine rechtzeitige Einnahme vor dem Eisprung erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern.
Wie sicher ist die Pille danach?
Die Sicherheit der Pille danach hängt von mehreren Faktoren ab, darunter das Präparat, der Zyklustag und der Einnahmezeitpunkt. Die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern, schwankt je nach Studienlage zwischen 59 % und 98 %.
Faktoren, die die Sicherheit beeinträchtigen können:
- Zeitpunkt der Einnahme: Je länger die Zeitspanne nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, desto geringer die Wirksamkeit.
- Zeitpunkt des Eisprungs: Wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat, ist die Pille danach unwirksam.
- Körpergewicht: Bei Frauen mit Übergewicht (ab einem bestimmten BMI oder Körpergewicht, je nach Wirkstoff) kann die Wirksamkeit reduziert sein. Bei Levonorgestrel kann die Wirksamkeit ab ca. 70 kg Körpergewicht deutlich sinken, bei Ulipristalacetat ab ca. 95 kg.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Bestimmte Medikamente, wie Antiepileptika, Johanniskraut oder einige Antibiotika, können die Wirksamkeit der Pille danach beeinträchtigen.
Einnahme und Verträglichkeit
Die richtige Einnahme
Die Pille danach wird einmalig als Tablette eingenommen. Es ist ratsam, vor der Einnahme eine Kleinigkeit zu essen, um Übelkeit zu vermeiden. Insbesondere sollte nichts Fettiges gegessen werden. Sollte es innerhalb der ersten drei bis vier Stunden nach der Einnahme zu Erbrechen kommen, ist die Wirkung möglicherweise nicht mehr gegeben. In diesem Fall sollte umgehend eine neue Tablette eingenommen werden.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie bei jedem Medikament können Nebenwirkungen auftreten. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Zwischenblutungen (Schmierblutungen)
- Brustspannen
- Schwindel
In seltenen Fällen kann es zu Erbrechen kommen.
Wann sollte die Pille danach nicht eingenommen werden?
Die Pille danach ist nicht für jede Frau geeignet. Kontraindikationen umfassen:
- Schweres Asthma, insbesondere bei Einnahme von Glukokortikoiden (vor allem bei Ulipristalacetat).
- Schwere Leberfunktionsstörungen.
- Einnahme der Pille danach im selben Zyklus (außer bei Erbrechen der ersten Tablette).
- Neigung zu Thrombosen oder familiäre Vorbelastung mit Thrombosen (besonders bei Levonorgestrel).
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
- Bei bereits bestehender Schwangerschaft.
Besonderheiten für stillende Mütter
Die Wirkstoffe der Pille danach können in die Muttermilch übergehen. Nach der Einnahme von Levonorgestrel wird eine Stillpause von mindestens acht Stunden empfohlen. Nach der Einnahme von Ulipristalacetat wird eine Stillpause von bis zu einer Woche empfohlen. Während der Stillpause sollte die Milch abgepumpt und entsorgt werden, um die Milchbildung aufrechtzuerhalten.
Kosten und Verfügbarkeit
Wo ist die Pille danach erhältlich?
Die Pille danach ist in Deutschland rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich. Das Fachpersonal in der Apotheke berät Sie umfassend zur Einnahme und möglichen Wechselwirkungen.
Für Mädchen unter 14 Jahren ist in der Regel die Zustimmung der Eltern erforderlich.
Bei Fragen oder Problemen kann auch der ärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) oder die ärztliche Ambulanz im nächsten Krankenhaus kontaktiert werden.
Was kostet die Pille danach?
Die Kosten für die Pille danach variieren je nach Präparat und Apotheke und liegen zwischen etwa 18 und 35 Euro.
Kostenübernahme
Für Barmer-versicherte Frauen unter 22 Jahren werden die Kosten für die Pille danach übernommen, wenn das Präparat ärztlich verschrieben wurde. Frauen ab 18 Jahren zahlen dann nur die gesetzliche Zuzahlung. Für Frauen über 22 Jahre müssen die Kosten selbst getragen werden, es sei denn, es liegt eine ärztliche Verschreibung aufgrund von sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung vor.
Was passiert nach der Einnahme der Pille danach?
Verhütung im weiteren Zyklus
Die Pille danach wirkt nur einmalig und nicht vorbeugend. Nach ihrer Einnahme ist es für den Rest des Zyklus unerlässlich, Barrieremethoden wie Kondome zu verwenden, da die Wirksamkeit anderer hormoneller Verhütungsmittel in diesem Zyklus möglicherweise nicht mehr gewährleistet ist.
Wie lange bleiben die Hormone im Körper?
Die Wirkstoffe der Pille danach werden vom Körper in der Regel nach etwa sechs bis sieben Tagen abgebaut.
Ausbleibende oder veränderte Regelblutung
Die Einnahme der Pille danach kann die Menstruation nach hinten verschieben. Wenn die Periode länger als sieben Tage überfällig ist, sollte ein Schwangerschaftstest gemacht und ärztlicher Rat eingeholt werden. Eine Blutung nach Einnahme der Pille danach ist kein sicheres Zeichen für ihre Wirksamkeit; die einzige Gewissheit bietet die ausbleibende oder erwartete Periode.
Schwangerschaftstest
Wenn die Periode mehr als sieben Tage nach dem erwarteten Zeitpunkt ausbleibt, ist ein Schwangerschaftstest ratsam. Wenn die Pille danach nicht gewirkt hat und eine Schwangerschaft eingetreten ist, schadet dies dem Fötus nicht. In diesem Fall sollte eine ärztliche Beratung über die weiteren Optionen in Anspruch genommen werden.
Alternativen zur Pille danach
Neben der Pille danach gibt es weitere Optionen der Notfallverhütung:
- „Spirale danach“ (Kupferkette oder Kupferspirale): Dieses Intrauterinpessar muss von einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden und wirkt sehr wirksam bis zu fünf Tage nach der Empfängnis, indem es die Einnistung verhindert und Spermien schädigt. Sie kann auch zur weiteren Langzeitverhütung dienen.
Was man über die „Pille danach“ wissen sollte
Mythen und Fakten zur Pille danach
- Mythos: Die Pille danach ist eine Hormonbombe. Fakt: Während Levonorgestrel-Präparate Hormone in hoher Konzentration enthalten, greifen sie nur kurzzeitig in den Zyklus ein. Ulipristalacetat ist kein Hormon, sondern blockiert Rezeptoren. Beide sind gut verträglich.
- Mythos: Es ist ungesund, die Pille danach zu häufig zu nehmen. Fakt: Die Pille danach ist für den Notfall gedacht. Eine häufige Anwendung sollte mit einem Arzt besprochen werden, um über reguläre Verhütungsmethoden nachzudenken. Die Einnahme selbst ist nicht ungesund, aber eine regelmäßige Anwendung wird abgeraten.
- Mythos: Die Pille danach kann als gängige Verhütungsmethode eingesetzt werden. Fakt: Nein, sie ist eine Notfalllösung und nicht für die regelmäßige Anwendung geeignet.
- Mythos: Die Pille danach wird nicht an Männer ausgegeben. Fakt: Männer können die Pille danach für ihre Partnerin kaufen.
- Mythos: Die Pille danach wirkt sofort. Fakt: Bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach Einnahme kann die Aufnahme unvollständig sein, und eine erneute Einnahme ist notwendig.