Die Wahrheit über Babynahrung: Mythen und Fakten

Die Einteilung der Babynahrung nach Monaten ist als grobe Orientierung gedacht und nicht als starres Raster, das jedes Kind exakt so durchlaufen muss. Sie richtet sich nach dem, was viele Kinder in einem ähnlichen Alter typischerweise schon können. Ihr Kind muss aber nicht immer unter den Ersten sein; es darf sich, in einem gewissen Rahmen, auch Zeit lassen. Manchmal ist es später dran, manchmal vielleicht auch früher. Sie können die Artikel auch im Dreimonatssprung lesen.

Vielleicht ist der Brei bei Ihnen zu Hause gerade ein großes Thema. Vielleicht haben Sie schon mit der Beikost begonnen und nach etwas Gewöhnung und Übung isst Ihr Baby prima. Brei findet es spannend, nicht nur im Mund - es wird gemanscht, gekleckert, Essen auf dem Tisch verteilt. Vielleicht verweigert Ihr Baby aber plötzlich wieder die Beikost, es wird zum schlechten Esser. Oder es will so gar nicht damit anfangen. Oder es lutscht lieber gleich an der gekochten Karotte. Darf es das denn schon? Und was tun? Wird es satt?

Machen Sie sich nicht zu viel Stress und Druck. Der Beikostplan ist ein Plan, und wenn es mal nicht nach Plan funktioniert, muss das nicht gleich ein Weltuntergang sein. Achten Sie auf Ihr Kind. Wächst und gedeiht es weiterhin, ist es munter und aktiv? Dann bekommt es höchstwahrscheinlich alles, was es braucht, auch wenn die Beikost nach ein paar Wochen kurzfristig verweigert wird und es wieder mehr gestillt werden will, vielleicht weil es krank ist. »Dann nehmen Babys oft keine feste Nahrung mehr an, aber noch Muttermilch.«

Baby-led Weaning: Eine Alternative?

Beim sogenannten Baby-led Weaning - auf Deutsch etwa "Selbstbestimmtes Abstillen" - bekommen Babys ab einem Alter von sechs Monaten keinen extra Brei, sondern dieselben Lebensmittel wie alle anderen Familienmitglieder, nur in kleinen mundgerechten Stücken. Das Baby bestimmt dabei, was es essen will und wie viel. Laut Hebammenverband ist dies eine Möglichkeit, das Kind stressfrei an Beikost zu gewöhnen. Wichtige Nährstoffe erhalte das Kind durch die weiter nach Bedarf angebotenen Milchmahlzeiten.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht das kritisch: Für eine gute Versorgung sei ein ausgewogenes Nahrungsmittelangebot wichtig. Dieses könne beim Baby-led Weaning auf der Strecke bleiben. »Kritische Nährstoffe wie Jod oder Eisen werden beim Baby-led Weaning, je nachdem, wie viel eisen- oder jodhaltige Produkte verzehrt werden, wahrscheinlich nicht in den Empfehlungen entsprechenden Mengen aufgenommen«, heißt es auch in einem aktuellen "Update Säuglingsernährung". Die Zusammensetzung der empfohlenen Breie sei hingegen nährstoffoptimiert.

Die Autorinnen verweisen jedoch auch auf die Vorteile des Konzepts: So eigne es sich etwa für Babys, die Beikost von Anfang an oder früher als geplant verweigern. Auch die frühe Gewöhnung an unterschiedliche Geschmäcker und Konsistenzen sei gut. Sie raten daher zu einem Mittelweg: Statt ausschließlich auf Baby-led Weaning zu setzen, sollten Eltern zusätzlich zu den im Ernährungsplan vorgesehenen Breien Beikost auch als Fingerfood anbieten - und sich bei der Auswahl des Fingerfoods an der Zusammensetzung der Breie orientieren. Lebensmittel wie Nüsse oder harte Gemüsestückchen, an denen sie sich verschlucken können, sollten Babys natürlich nicht bekommen.

Grafik, die die Entwicklung von Baby-led Weaning im Vergleich zu traditionellem Brei darstellt

Entwicklungsschritte im ersten Lebensjahr

Sechs Monate: Was kann und lernt das Kind?

Die meisten Kinder können sich mittlerweile vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt drehen. Machen Sie sich aber nicht verrückt, wenn Ihr Kind das noch nicht kann; es darf sich noch Zeit nehmen. Die Kopfkontrolle muss allerdings da sein, auch wenn es kurz im Sitzen gehalten wird. In Rückenlage werden die eigenen Füße interessant, die Säuglinge greifen danach, manche sind so gelenkig, dass sie die Zehen in den Mund stecken.

Halten Sie das Kind auf dem Schoß, will es nun so sitzen, dass es sich die Umwelt anschauen kann. Manche Babys sitzen nun auch schon für kurze Zeit ohne Unterstützung, die meisten schaffen das mit sieben Monaten. Das ist aber noch etwas wackelig, und viele Säuglinge können sich dabei noch nicht selbst aufsetzen. Das gelingt den meisten erst mit etwa neun Monaten.

Für das Sitzen müssen Kopf und Rumpf stabil gehalten werden, die Rücken-, Arm- und Bauchmuskulatur muss gekräftigt sein. Wer schon einmal länger krank das Bett hüten musste, weiß: Die Welt im Liegen kann auf Dauer ganz schön eintönig sein. Kinderärzte und Orthopäden empfehlen nicht, das Sitzen zu trainieren, bevor das Kind es von selbst kann.

Illustration eines Babys, das versucht, sich zu drehen und zu sitzen

Das Kleine kann nun wahrscheinlich bereits zwei Sachen gleichzeitig halten. Etwa, indem das Baby sie intensiv befühlt, betastet, dreht, hochhebt oder damit auf den Tisch schlägt. »Und das richtig kräftig, Eltern oder Großeltern zucken da oft zusammen«, sagt Kinderarzt Florian Heinen. Das Baby lässt Klötzchen auch los und verfolgt den Fall und die Reaktion der Umwelt mit Interesse. »Damit will Sie das Kind nicht ärgern«, sagt Heinen. Es findet lediglich heraus, wie schwer Dinge sind, was passiert, wenn man sie mit Kraft bearbeitet oder fallen lässt und wie das klingt.

Sobald Babys immer besser greifen können, fangen sie auch an, einfache Bewegungen anderer Menschen zu imitieren. »Schüttelt die Mutter einen Rasselball und er macht ein lustiges Geräusch, versucht das Kind das auch«, sagt Elsner. Mit etwa sechs, sieben Monaten starten die Kinder meist mit Lallen, im Englischen auch als "babbling" (Plappern) bezeichnet - die nächste Stufe in der Sprachentwicklung. Silben, die aus einem Konsonanten und einem Vokal bestehen ("ba", "da", "ma"), werden aneinandergereiht ("papapa", "mamama", "dadada"). Dieses Lallen passt sich nach und nach der Muttersprache an - in Sprachmelodie und Rhythmus.

Sprachentwicklung und statistisches Lernen

Wie gelingt es Kindern eigentlich, im Redefluss allmählich Wortgrenzen und Wörter zu erkennen, etwa bei »Naduschlafmützehastduausgeschlafenundbistschonmunter«? Was wir automatisch machen, ist gar nicht so trivial. Pausen allein reichen dafür jedenfalls nicht aus, wir setzen sie viel zu willkürlich, ein Wort geht ins andere über.

In einem 1996 erschienenen Paper konnte die Forscherin Jenny Saffran zeigen, dass schon acht Monate alte Kinder offenbar kleine Statistiker sind. Wieso verstehen englischsprachig aufwachsende Säuglinge, dass »pretty baby« zwei Wörter sind? Im Redefluss hört es sich erst einmal wie »prettybaby« an. Könnte ja auch sein, dass »tyba« ein Wort ist, oder? Wer viel Input bekommt, lernt aber, dass auf »pre« häufig »ty« folgt und auf »ba« häufig »by«. Dass ein »ty« einem »ba« vorangeht, passiert selten. Ergo, »pre« »ty« passt zusammen und ist ein Wort, »ty« »ba« nicht.

Im Deutschen kommen »tk« oder »tm« eher nicht innerhalb von Wörtern vor - die Buchstabenfolge signalisiert daher ebenfalls sehr wahrscheinlich eine Wortgrenze. Auch die Betonung hilft: Oft wird die erste Silbe eines Wortes betont, wie etwa bei »AU-to«.

Die Kinder sind also sehr gut darin, Wissen aus wiederkehrenden Mustern zu ziehen. Manche Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass sie mit einer Art statistischem Lernvermögen geboren werden. Und dass sie intuitiv mit Wahrscheinlichkeiten umgehen können, was sich daran erkennen lässt, dass sie auf ungewöhnliche Ereignisse aufmerksamer reagieren als auf die, die sie - dem gelernten Input zufolge - statistisch erwarten.

Infografik, die statistische Mustererkennung bei Babys veranschaulicht

Faszinierend auch: Diese Fähigkeit ist nicht allein auf die Sprache beschränkt. So zeigten Wissenschaftler neun Monate alten Kindern eine Box voller roter und weißer Tischtennisbälle. Einmal waren in der Box überwiegend weiße Bälle und nur wenige rote. Ein anderes Mal war das Verhältnis genau umgekehrt. Der Versuchsleiter zog dann aus einer Box, deren Inhalt nicht sichtbar war, fünf Bälle - einmal vier rote und einen weißen. Ein andermal war das Verhältnis genau umgekehrt. Dann präsentierte er den Kindern den Inhalt der Kisten. Kamen die vier roten und der eine weiße Ball aus der Box mit überwiegend weißen Bällen, waren die Kleinen irritiert und schauten länger. Das Ergebnis war unerwartet, da unwahrscheinlich. Genauso wie vier weiße und ein roter Ball, die aus einer überwiegend mit roten Tischtennisbällen gezogenen Kiste stammten.

Schon Forscherin Saffran folgerte: Nicht angeborenes Wissen, sondern angeborene statistische Lernmechanismen könnten es sein, die Kinder zu so unglaublich guten und schnellen Lernern machen - was wiederum unterstreicht, wie wichtig der (sprachliche) Input und Erfahrung sind.

»Unser Gehirn scheint schon bei Babys auf Experimentieren und statistisches Analysieren programmiert«, schreibt die Entwicklungspsychologin Alison Gopnik. Dafür muss das Baby hören können. Gehörlose Kinder beginnen zwar ebenfalls zu lallen, verstummen jedoch im Laufe der Zeit. »Der dialogische Input von außen fehlt«, sagt Heinen.

Soziale und visuelle Entwicklung

Säuglinge haben auch ein Ohr für kleine sprachliche Unterschiede, etwa »ba« und »pa«. Sie erkennen am Tonfall, ob Mama ihnen eher zustimmt, etwas verbietet oder sie beruhigt. Sie bauen ihren passiven Wortschatz auf und langsam aus, also das, was sie verstehen.

»Mit sechs Monaten fremdeln die Kinder zwar meist noch nicht im klassischen Sinne, aber sie haben, salopp gesagt, eine Idee, wer zur Truppe gehört und wer nicht«, sagt Heinen. Vielleicht lacht Ihr Baby Sie herzhaft an, bei dem älteren Herrn in der Schlange beim Bäcker ist es hingegen schon etwas zurückhaltend. Wenn sich die Kleinen selbst im Spiegel sehen, freuen sie sich, erkennen sich aber noch nicht. Gut nachweisbar ist das über einen Punkt auf der Nase.

Dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. zufolge bleiben viele Sehstörungen bei Kindern unerkannt. Die Experten raten: Ist das Risiko für eine Sehstörung erhöht, sollten Kinder mit sechs bis spätestens zwölf Monaten augenärztlich untersucht werden. Ein höheres Risiko kann nach einer Frühgeburt vorliegen, wenn Eltern oder Geschwister schielen oder stark fehlsichtig sind oder wenn bereits erbliche Augenerkrankungen in der Familie vorkommen.

Mit sechs Monaten verstehen Kinder auch, dass andere Menschen ihr Handeln an Zielen ausrichten. »So zeigt sich in Studien, dass ihnen bewusst ist, dass eine Hand nach einem Gegenstand greift«, sagt Elsner. »Babys wissen, dass die Bewegung dazu da ist, den Teddy zu bekommen.«

Bei vielen Kindern zeigen sich jetzt auch die ersten Zähnchen - meist die unteren Schneidezähne.

Unterstützung der kindlichen Entwicklung

Kinderärzte und Orthopäden empfehlen nicht, das Sitzen zu forcieren und das Kind in eine Position zu bringen, die es nicht allein erreichen kann. Wird es aufgesetzt und hängt erbärmlich durch, kann das den Muskeln und Knochen sogar schaden - und es bremst die Entwicklung.

Sehen Sie es aber auch nicht zu dogmatisch. »Wenn das Kind es selbst will und es ihm Spaß macht, kann man es auch einmal in die Sitzposition bringen, aber nicht zu lange«, sagt Hermann Josef Kahl. Gönnen Sie ihm dann Zeit auf Ihrem Schoß, wo es sich bei Bedarf anlehnen kann, oder stützen Sie das Sitzen mit einem Kissen im Rücken ab.

Besser noch: mehr Zeit auf der Krabbeldecke unter Aufsicht einplanen, damit das Kind seine Oberkörper-, Nacken-, Arm- und Bauchmuskulatur kräftigen, strampeln und das Drehen üben kann. All das sind Voraussetzungen für das spätere Sitzen. »Manchmal ist auch ein ausreichend großer Laufstall als Spiel- und Strampelplatz eine sichere Alternative«, sagt Kinderarzt Thorsten Langer. »Etwa, wenn noch andere Kinder oder Haustiere im Zimmer unterwegs sind oder Eltern mal nebenbei etwas erledigen wollen.« Zur Dauereinrichtung sollte der Laufstall aber nicht werden; das Kind will bei Ihnen sein und Bewegungsfreiheit haben.

Auch möglich: Ziehen Sie den Säugling beim Wickeln immer mal langsam an den Armen hoch oder legen auf der Krabbeldecke seitlich ein Spielzeug hin, damit er sich drehen muss. In der Babywippe sollte er nur kurz sitzen, da er darin wenig Bewegungsfreiheit hat und die starre Position zu Fehlhaltungen führen kann. Sitzt das Kind sicher, ist es Zeit für einen Hochstuhl, in dem es am Familientisch mit dabei sein kann.

Fotocollage, die verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten zeigt: Krabbeldecke, Laufstall, Hochstuhl

»Wenn das Kind zunehmend mobil wird, kann das Wickeln auch schwieriger werden«, sagt die Psychologin Martina Brehm. »Dreht es sich weg, ist das nicht als Provokation gedacht, es genießt einfach seine neuen Möglichkeiten.« Hilfreich kann es sein, dass Eltern ihren Babys den Ablauf des Wickelns erklären - und die Kleinen auch loben, wenn sie gut mithelfen, etwa beim Anziehen des Bodys. Oder Sie geben Ihrem Nachwuchs etwas in die Hand, damit er beschäftigt ist.

Die Bedeutung von Muttermilch, besonders für Frühgeborene

Wie in den Wochen zuvor ist Ihr kleiner Entdecker immens an seiner Umwelt interessiert und will sie erkunden. Wird die Quietschente endlos gedrückt, die Rassel ausgiebig geschüttelt oder mit dem Holzklötzchen immer wieder auf den Tisch geklopft, betrachten Sie es als neugieriges Experimentieren. Spannend ist es für das Kleine, wenn Sie ihm Objekte mit unterschiedlicher Oberfläche anbieten - Flauschiges, Knisterndes, Raues oder Weiches. Ihr Kind lernt nun auch zunehmend durch Imitation, es versucht, Ihr Handeln nachzuahmen: Ihre Laute oder wie Sie sich verhalten, etwa wenn Sie das Rasselherzchen schütteln, die Spieluhr aufziehen oder m...

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Muttermilch als Medizin

Die Brüste werden während der Schwangerschaft schon größer, sie reifen und entwickeln sich weiter. Ab der 16. Schwangerschaftswoche produziert auch Ihr Körper seine erste Muttermilch, ohne dass sie gleich zu sehen ist. Muttermilch ist somit auch für Frühgeborene sofort ab Geburt da. Muttermilch hat für die Gesundheit sowohl von reif- als auch von frühgeborenen Babys eine zentrale Bedeutung. Für Frühgeborene ist Muttermilch darüber hinaus ein Medikament und Therapeutikum. Sie hat unzählige besondere Inhaltsstoffe, die ausschließlich in Muttermilch, nicht jedoch in künstlicher Babynahrung vorkommen.

Ausschließlich in Muttermilch enthalten:

  • Lebende Immunzellen sowie Immunglobuline: Sie schützen das Baby vor Infektionen.
  • Wachstumsfaktoren: Sie steuern und unterstützen den kindlichen Stoffwechsel sowie das Wachstum und unterstützen die Reifung der kindlichen Darmschleimhaut.
  • Embryonale Stammzellen: Sie können jede Körperzelle bilden und reparieren.
  • Zellen des mütterlichen Darmmikrobioms: Sie bilden eine gesunde Darmflora beim Baby aus, schützen seinen Darm und helfen ihm bei der Verdauung.
  • Oligosaccharide: Sie nähren gesunde Bakterien der Darmflora, erleichtern die Verdauung, schützen vor Infektionen.
  • Enzyme: Sie unterstützen die kindliche Verdauung und reduzieren den Stoffwechselstress beim Frühgeborenen.
  • microRNA: Sie reguliert die Genexpression im kindlichen Körper.

Die Besonderheit der Frühgeborenenmuttermilch

Ihr Körper weiß, dass Ihr Kind zu früh geboren wurde und produziert in den ersten 4 bis 6 Wochen nach der Geburt eine besondere Frühgeborenenmuttermilch. Sie ist angepasst an die besonderen Bedürfnisse von Frühgeborenen. Im Vergleich zur Milch für reifgeborene Babys hat die Frühgeborenenmuttermilch:

  • Doppelt so viele Immunzellen und Immunglobuline für einen verstärkten Immunschutz.
  • Einen erhöhten Gehalt an Proteinen, Kalorien, Fett, ungesättigten Fettsäuren, Enzymen, Oligosacchariden und microRNA, die an die erhöhte Wachstumsgeschwindigkeit von Frühgeborenen angepasst ist.

Bei sehr kleinen, unreifen Frühgeborenen wird Frühgeborenenmuttermilch zusätzlich mit einem Fortifier (Verstärker) ergänzt, um den in diesem frühen Stadium besonders hohen Nährstoffbedarf zu decken. Frühgeborenenmuttermilch nährt Frühgeborene auf diese Weise optimal, sehr viel besser als künstliche Babynahrung. Sie fördert die Entwicklung des Babys, schützt es vor Infektionen und hilft vorhandene Infektionen zu überwinden. Sie hält den Darm gesund, kann vor einer - bei Frühgeborenen gefürchteten - zersetzenden Darminfektion (Nekrotisierende Enterocolitis) schützen. Frühgeborenenmuttermilch fördert die gesunde Augen- und Hirnentwicklung und ist der beste Schutz vor infektiösen Darmerkrankungen.

⇒ Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Frühgeborene sich geistig und körperlich besser entwickeln und an weniger Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich leiden, wenn sie Muttermilch erhalten. Die positive Auswirkung der Muttermilchernährung ist auch langfristig, noch lange nach der Säuglingszeit nachweisbar. Muttermilch hält ehemalige Frühgeborene die gesamte Kleinkindzeit bis zum Schulalter gesünder und stellt einen lebenslangen Schutz vor einer Reihe von Erkrankungen dar.

Schema, das die einzigartigen Bestandteile der Frühgeborenenmilch hervorhebt

Kolostrum: Die erste wertvolle Nahrung

Nach einer Geburt trinkt ein Baby seine erste Muttermilch, das gelbe und dickflüssige Kolostrum. Kolostrum ist leicht verdaulich, voller Energie und hilft dem Baby das eigene Abwehrsystem aufzubauen. Es überzieht den Darm mit Millionen Antikörpern und aktiven Abwehrzellen wie eine Schutzschicht. Es hilft beim Ausscheiden des ersten schmerzlichen Stuhlgangs und enthält besonders viele Stammzellen. Deshalb hilft es dem Baby, wenn es möglichst gleich nach der Geburt, oft und viel Kolostrum erhält.

Kann ein neugeborenes Baby noch nicht an der Brust trinken, ist eine Brustmassage und das Gewinnen von Kolostrum mit der Hand ideal, um das Baby mit Kolostrum zu versorgen und die Milchbildung der Mutter anzuregen. Beginnen Sie nach der Geburt so früh wie möglich, optimalerweise innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt Ihr erstes Kolostrum zu gewinnen. So wird auch langfristig mehr Milch gebildet und die Bildung von viel Milch beginnt bereits früher.

Herausforderungen bei der Ernährung von Frühgeborenen

Frühgeborene sind in der ersten Zeit nach der Geburt noch nicht in der Lage, an der Brust effektiv zu trinken: Zwar beginnen manche von ihnen ab Geburt an der Brust zu lecken und nach ihr zu suchen, aber ihnen fehlt noch die Kraft, die Ausdauer und die neurologische Reife, um die Brust effektiv entleeren zu können. Oft haben sie im Verhältnis zur Brustwarze noch einen kleinen Mund. Zudem müssen manche Frühgeborene in der Anfangszeit beatmet werden und/oder befinden sich in einem kritischen Allgemeinzustand.

Zur Ernährung erhalten manche Frühgeborene Flüssigkeit und Nährstoffe zunächst über eine Infusion (parenterale Ernährung). In den meisten Fällen werden Frühgeborene bereits kurze Zeit nach der Geburt enteral, d. h. über das Verdauungssystem ernährt, idealerweise mit Kolostrum, also der ersten Milch der Mutter. Bei Frühgeborenen, die noch zu unreif sind, um oral, also über den Mund ernährt werden zu können, wird die Nahrung über eine Magensonde verabreicht, die ihnen über die Nase oder den Mund durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt wird. Auch in diesem Fall ist es üblich, als Schutzmaßnahme den Mund mit einem in Muttermilch getränkten Watteträger auszustreichen.

Das Kolostrum der Mutter wird oft in eine Spritze aufgezogen, um das Baby zu füttern. Es wird bei Frühgeborenen oft über eine Magensonde verabreicht, der Mund des Babys wird damit ausgepinselt.

Frühgeborene, die zwischen der 34+0 und 36+6 Schwangerschaftswoche geboren werden und oral ernährt werden können, erhalten ab der Geburt idealerweise Kolostrum mit dem Löffel oder einer Spritze. Am Anfang erhalten Frühgeborene wenige Milliliter Kolostrum etwa alle zwei Stunden. Mit der Zeit wird die Muttermilchmenge gesteigert. An den meisten Kliniken ist es üblich, Babys per Flasche zu füttern. Stillfreundlicher sind alternative Fütterungsmethoden, wie Löffel, Pipette, Spritze und Becher, und in erster Linie die Zufütterung an der Brust.

Je nach Zusammensetzung des Personals gibt es auf der Station Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC, die sich mit alternativen Fütterungsmethoden auskennen und die Eltern anleiten können. An Kliniken mit dem WHO/UNICEF-Zertifikat „Babyfreundlich“ und einigen weiteren in der Stillförderung engagierten Kliniken werden Saugflaschen deutlich seltener und zurückhaltender genutzt, es sei denn, die Eltern wünschen diese Ernährungsform.

Fütterungsmethoden bei Frühgeborenen

  • Magensonde: Bei sehr kleinen Frühgeborenen ist die Sondierung oft der einzige Weg, eine ausreichende Versorgung mit Nahrung sicherzustellen. Die Sonde wird über die Nase oder den Mund eingeführt. Die Nahrung wird über eine Spritze verabreicht. Die Eltern können die Verabreichung von Milch vom Klinikpersonal erlernen und die Fütterung dann selbstständig durchführen.
  • Fütterung mit Mund-Brust-Kontakt: Dies ist besonders günstig für die Etablierung des späteren Stillens und unterstützt sogar die Immunabwehr des Babys. Dabei kommt es nicht darauf an, dass das Baby Milch entleert: Auch das sogenannte non-nutritive Saugen fördert die spätere Stillfähigkeit und die Milchbildung der Mutter. Außerdem gelangen Keime aus dem Mund-Nasen-Rachen-Raum des Babys über die Brustwarzen in die Milchgänge der Mutter, gegen die in der Muttermilch Abwehrstoffe gebildet werden. Auf diese Weise wird das noch schwache Immunsystem des Babys noch effektiver durch die Muttermilchernährung unterstützt. Hautkontakt und non-nutritives Saugen können oft bereits bei den ganz kleinen Babys mit < 1000 g und unter Atemhilfe praktiziert werden.

Sobald das frühgeborene Baby in der Lage ist, die Nahrung vollständig oral (also per Mund) aufzunehmen, wird die Ernährungssonde gezogen. In der Regel gibt es eine Übergangsphase: Das Kind übt bereits die Milch durch Stillen, aus der Flasche oder mithilfe alternativer Fütterungstechniken aufzunehmen, während eine ausreichende Nahrungsaufnahme per Sonde sichergestellt wird.

Der Geschmack von Muttermilch ist bereits für Frühgeborene ein großer Genuss. Außerdem gilt Muttermilch als Immuntherapie: Sie schützt die Schleimhäute des frühgeborenen Babys. Lassen Sie sich durch das Personal einweisen, wie Sie die Mundschleimhäute Ihres Babys mit Kolostrum ausstreichen.

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