Feindiagnostik bei Übergewicht: Ursachen und Behandlung in der Schwangerschaft

Übergewicht und Adipositas stellen ein zunehmendes Problem unter Schwangeren dar und können mit Komplikationen für Mutter und Kind einhergehen. Der Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße setzt, dient als Indikator für Übergewicht und Adipositas. Ab einem BMI von 25 kg/m² spricht man von Übergewicht, während ein BMI von 30 kg/m² oder höher auf Adipositas hinweist.

Grafik zur Berechnung des Body-Mass-Index (BMI)

Risiken von Übergewicht und Adipositas während der Schwangerschaft

Mit steigendem Gewicht erhöht sich das Risiko für Mutter und Kind. Babys von übergewichtigen Frauen neigen dazu, größer und schwerer zu sein, was die Geburt erschweren kann. Dies führt zu einer deutlich höheren Kaiserschnittrate bei adipösen Schwangeren. Zudem ist das Risiko für Missbildungen bei Kindern übergewichtiger Frauen statistisch höher. Die bildgebende Diagnostik, wie der Ultraschall, kann bei übergewichtigen Schwangeren erschwert sein.

Spezifische Risiken umfassen:

  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Bluthochdruck
  • Schlafapnoe (Atemstörungen beim Schlafen)
  • Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung): Adipositas ist ein bedeutender Risikofaktor und erhöht das Risiko um das 3- bis 5-fache.
  • Wachstumsretardierung des Fötus: Die Wahrscheinlichkeit liegt zwischen 20-27 %.
  • Fehlgeburt (insbesondere bei BMI > 40 kg/m²)
  • Nachblutungen in der postpartalen Phase (1,6-fach erhöhtes Risiko für Blutverlust > 500 ml)
  • Wundheilungsstörungen und Wundinfektionen
  • Intrauteriner Fruchttod bei Terminüberschreitung (erhöhtes Risiko bei adipösen Schwangeren)
  • Totgeburten
Infografik zu den Risiken von Adipositas in der Schwangerschaft

Diagnostik und Feindiagnostik bei übergewichtigen Schwangeren

Die diagnostische Sicherheit von Methoden wie der zellfreien DNA-Analyse (NIPT) im mütterlichen Blut kann bei ausgeprägter Adipositas eingeschränkt sein. Dies liegt an der im mütterlichen Blut zirkulierenden fetalen DNA, deren Analyse bei höherem Körperfettanteil erschwert sein kann.

Frühe und erweiterte Feindiagnostik

Eine frühe fetale Organdiagnostik kann zwischen der 13. und 14. Schwangerschaftswoche (SSW) im Rahmen des Ersttrimester-Screenings diskutiert werden. Hierbei werden Organanlagen beurteilt, wobei nur schwerwiegende Fehlbildungen nachgewiesen oder ausgeschlossen werden können, da der Fötus zu diesem Zeitpunkt noch sehr klein ist.

Die Nackentransparenz (NT), eine flüssigkeitsgefüllte Struktur im Nackenbereich des Fötus, wird zwischen der 11+0 und 13+6 SSW gemessen. Eine erhöhte NT kann auf Chromosomenstörungen wie Trisomie 21, 18 oder 13 hinweisen. Die Hinzunahme weiterer Marker wie das Nasenbein (NB), der Trikuspidalfluss (TF) und der Blutfluss im Ductus venosus (DV) erhöht die Detektionsrate für diese Trisomien.

Die Feindiagnostik wird optimal zwischen der 20+0 und 22+6 SSW durchgeführt, wenn die Organe des Fötus funktionell ausdifferenziert und strukturell weitgehend entwickelt sind. Bei dieser detaillierten Ultraschalluntersuchung werden alle wichtigen Organe auf Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen untersucht.

Besonderheiten bei der Ultraschalluntersuchung

Grundsätzlich unterscheidet sich eine Ultraschalluntersuchung bei übergewichtigen Schwangeren nicht von der bei normalgewichtigen Frauen. Jedoch können Schallwellen durch das Gewebe abgeschwächt werden, was die Bildqualität bei zunehmender Gewebedicke beeinträchtigen kann. Internationale Leitlinien empfehlen bei schlechten Ultraschallbedingungen eine häufigere Wiederholung der Untersuchung.

Darstellung eines Fötus im Ultraschallbild

Management von Glukosestoffwechselstörungen

Bei adipösen Schwangeren sollte eine Abklärung einer Glukosestoffwechselstörung, wie z.B. durch Bestimmung des HbA1c-Wertes, angeboten werden. Werte unter 5,9 % gelten als unauffällig.

Bei Patientinnen nach Adipositas- und metabolisch-chirurgischer Operation darf aufgrund des Dumping-Effekts kein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt werden. Zur Abklärung einer behandlungsbedürftigen Hyperglykämie dienen eine venöse Nüchternblutzucker-Bestimmung und orientierende Tagesprofile.

Empfehlungen für die Entbindung

Bei einem BMI über 35 kg/m² sowie nach einer vorangegangenen Sectio sollte die Entbindung idealerweise in einem Perinatalzentrum erfolgen. Dies gilt auch für übergewichtige Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren oder Komplikationen während der Schwangerschaft.

Bei einem BMI über 40 kg/m² sollte eine pränatale Konsultation durch einen erfahrenen Anästhesiologen erfolgen. Oberhalb eines BMI von 35 kg/m² sowie nach vorangegangener Sectio sollte die Entbindung in einem Perinatalzentrum erfolgen. Schwangere mit einem BMI über 40 kg/m² werden ab der 37. SSW wöchentlich klinisch kontrolliert.

Adipösen Schwangeren wird ab der 40. SSW eine Geburtseinleitung angeboten, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für einen intrauterinen Fruchttod bei Terminüberschreitung besteht.

Ernährung und Bewegung während der Schwangerschaft

Für übergewichtige Schwangere kann eine Ernährungsumstellung und die Verbesserung alter Gewohnheiten ratsam sein, um Erkrankungen wie Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen. Ernährungsumstellungen sollten stets eng mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, um eine optimale Nährstoffversorgung sicherzustellen. Von Diäten wird generell abgeraten, da eine Gewichtsabnahme eine Gefahr für das ungeborene Kind darstellen könnte. Stattdessen wird eine Kombination aus gesunder Ernährung und Bewegung empfohlen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Schwangere nicht "für zwei" essen müssen. Der tatsächliche Energiebedarf steigt im Schwangerschaftsverlauf nur leicht an, etwa zehn Prozent im letzten Drittel. Der Körper benötigt also nur geringfügig mehr Energie, aber erheblich mehr Mineralstoffe und Spurenelemente. Daher ist eine abwechslungsreiche Ernährung entscheidend.

Körperliche Aktivitäten sind der Gesundheit von Mutter und Kind zuträglich. Sportliches Training sollte jedoch immer vorab mit dem behandelnden Arzt besprochen und nur mit mäßiger Intensität ausgeübt werden.

Ernährung in der Schwangerschaft: „Nicht für zwei essen – sondern für zwei denken!“

Ursachen von Adipositas

Adipositas ist eine multifaktorielle Erkrankung, die durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren entsteht. Dazu gehören:

  • Verhalten und Lebensweise: Mangelnde Bewegung und übermäßige, kalorienreiche Ernährung sind Hauptursachen. Stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel sowie Genussmittel spielen eine große Rolle.
  • Soziokulturelle Faktoren: Fehl- und Überernährung sind oft soziokulturell geprägt. Dazu zählen mangelnde Bewegung im Alltag, passive Freizeitgestaltung, sitzende Tätigkeiten, ein Überangebot an Genussmitteln, unregelmäßige Mahlzeiten, ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln, regelmäßiger Konsum von Fast Food, die Verwendung von Geschmacksverstärkern, Verführung durch Werbung, Diäten mit Jo-Jo-Effekt, Prägung durch Kinderernährung, Essen als Übersprungshandlung (bei Langeweile, Stress, Frust) oder als Ersatzbefriedigung. Antiquierte Erziehungsvorstellungen ("der Teller wird leer gegessen") und kulturelle Bedeutungen von Essen können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Genetische Komponenten: Grundumsatz, Energieverwertung und Fettverteilung sind genetisch geprägt. Studien mit Zwillingen und Adoptivkindern legen nahe, dass die Neigung zu Übergewicht sowie Sozial- und Essverhalten eine genetische Disposition haben. Mehrere Genvarianten sind bekannt, die das Gewicht beeinflussen können, wie z.B. das MC4R-Gen, das für die Regulation des Körpergewichts im Gehirn zuständig ist.
  • Folgeerkrankungen: Adipositas kann auch Folge von Stoffwechselerkrankungen (z.B. Hypothyreose, Hyperkortisolismus, Hyperinsulinismus), zerebralen Schädigungen oder hypothalamischen Infektionen sein, die die Nahrungsaufnahme beeinflussen.
  • Medikamenten-assoziiertes Übergewicht: Bestimmte Medikamente, darunter Antidepressiva, hormonelle Kontrazeptiva, Neuroleptika, Betablocker, Kortikosteroide und Insuline, können als Nebenwirkung zu einer Gewichtszunahme führen.
  • Schlafstörungen: Eine unzureichende Nachtruhe kann das Körpergewicht beeinflussen.
Schema der hormonellen Regulation von Appetit und Sättigung

Behandlung und Prävention

Die Behandlung von Übergewicht und Adipositas umfasst in erster Linie Verhaltens- und Ernährungsmodifikationen. Bei starkem Übergewicht können auch medikamentöse Therapien oder chirurgische Eingriffe (Adipositas-Chirurgie) in Betracht gezogen werden.

Präventiv ist es ratsam, bereits vor einer Schwangerschaft auf ein gesundes Körpergewicht hinzuarbeiten. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und gegebenenfalls psychologische Unterstützung können helfen, die Auswirkungen einer genetischen Veranlagung zu mildern und ein gesünderes Leben zu führen.

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