Eine der häufigsten Fragen, die in Beratungsgesprächen gestellt wird, lautet: „Sind Kinder aus Eizellspende genauso gesund wie andere Kinder?“ Diese Frage ist vollkommen nachvollziehbar, denn Eltern möchten sicher sein, dass es ihren Kindern gut geht. In der Arbeit mit Familien, die durch Eizell-, Samen- oder Embryonenspende entstanden sind, zeigt sich, dass nicht die Genetik, sondern die emotionale Bindung entscheidend für das Wohl des Kindes ist. Bindung entsteht durch Nähe, Geborgenheit und die gemeinsame Zeit, nicht durch DNA.
Wenn Eltern mit dem Thema Eizellspende konfrontiert werden, herrscht oft Unsicherheit bezüglich möglicher gesundheitlicher Risiken für das Kind. Diese Risiken hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Gesundheitszustand der Empfängerin, die mögliche Anlageträgerschaft des Partners sowie der Gesundheitszustand der Spenderin. Grundsätzlich durchlaufen Spenderinnen in den meisten europäischen Ländern strenge medizinische und psychologische Tests, bevor sie zugelassen werden. Die genaue Ausgestaltung dieser Tests, insbesondere die Überprüfung auf genetische Trägerschaften, kann jedoch von Klinik zu Klinik variieren.
Die Spenderinnen sind in der Regel zwischen 18 und 35 Jahre alt, um die bestmögliche Eizellqualität zu gewährleisten. In Ländern wie Spanien oder Dänemark, wo die Eizellspende seit Jahrzehnten etabliert ist, zeigen nationale Register positive Ergebnisse hinsichtlich der Gesundheit von Kindern aus Eizellspende. Dennoch gibt es Einzelfälle, die in den Medien thematisiert werden, wie beispielsweise sogenannte „Super-Spender:innen“, die falsche Angaben machen oder nur aus finanziellen Gründen spenden. In einigen Ländern fehlt zudem ein nationales Spenderegister, das die Häufigkeit der Spenden pro Person erfasst. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der bei der Wahl eines Landes und einer Klinik bedacht werden sollte.
Frauen, die eine Eizellspende in Anspruch nehmen, sind häufig über 40 Jahre alt. Studien und anekdotische Evidenz aus zahlreichen Gesprächen mit Familien zeigen, dass Mütter nach einer Eizellspende ihre Beziehung zum Kind oft als „besonders bewusst“ beschreiben. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Frauen, die eine Eizellspende erhalten, während der Schwangerschaft oder nach der Geburt mit prä- oder postnatalen Depressionen konfrontiert werden können, was den Aufbau einer liebevollen Verbindung zum Kind erschweren kann. Eine Eizellspende erhöht jedoch nicht die Wahrscheinlichkeit für solche Depressionen.
Für die seelische Gesundheit der Kinder ist Transparenz von entscheidender Bedeutung. Kinder, die früh und liebevoll über ihre Entstehung durch Eizellspende aufgeklärt werden, entwickeln ein gesundes Selbstbild. Organisationen wie das Donor Conception Network (DCN) in Großbritannien unterstützen Familien dabei, offen mit diesem Thema umzugehen. Es wird geraten, die Information altersgerecht und schrittweise zu vermitteln. Langfristig profitieren Kinder, wenn sie Zugang zu Informationen über ihre Herkunft haben. Hilfreiche Anlaufstellen für Aufklärung und Beratung sind der deutschsprachige BKiD, Petra Thorn oder Kathrin Steinke sowie das englischsprachige Donor Conception Network (DCN).

Persönliche Erfahrungen mit Eizellspende
Viele Frauen berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Eizellspende. Eine Betroffene erzählt, wie sie nach der Diagnose einer frühzeitigen Menopause und dem Ende der Fruchtbarkeit die Möglichkeit der Eizellspende in Erwägung zog. Anfangs von irrationalen Ängsten geplagt, ob es „ihr Kind“ sein würde, fand sie schließlich Unterstützung bei ihrem Partner, der sie bestärkte und betonte, dass sie die Mutter des Kindes sein würde. Nach der erfolgreichen IVF-Prozedur mit einer gespendeten Eizelle entwickelte sie eine tiefe Verbindung zu ihrer Tochter und bereut es nicht, diesen Weg gegangen zu sein.
Eine andere Frau, Daniela, berichtet von 14 fehlgeschlagenen Versuchen der assistierten Befruchtung, bis schließlich die Eizellspende als Lösung vorgeschlagen wurde. Sie entschied sich für eine offene Eizellspende in Dänemark, da ihr die Schwangerschaft und die genetische Verbindung zum Partner wichtiger waren als die genetische Verbindung zur Spenderin. Die Wahl fiel auf die Aagaardklinik, wo jede Spenderin für eine Familie spendet und die Eizellen sofort befruchtet werden. Daniela erhielt Informationen über die Spenderin, was die unbekannte Frau greifbarer machte und es ihr ermöglichte, später Details über ihre Spenderin an ihre Kinder weiterzugeben. Sie ist der Spenderin unendlich dankbar, da sie durch sie Mutter werden konnte.
Liane Bracht, eine 48-jährige Berlinerin, erzählt von ihrem späten Kinderwunsch und den Schwierigkeiten, mit über 40 schwanger zu werden. Nach mehreren erfolglosen IVF-Versuchen und dem Verbot der Eizellspende in Deutschland reiste sie ins Ausland. Sie unternahm Versuche in Dänemark und später in Prag, die jedoch zunächst ohne Erfolg blieben. Die Kosten für die Behandlungen beliefen sich auf Zehntausende von Euro. Bracht betont die Bedeutung von Transparenz und die Notwendigkeit, offen über die Entstehungsgeschichte des Kindes zu sprechen. Sie ist heute Mitglied im Verein „FE-Netz - Familien nach Eizellspende“, der sich für die Legalisierung der Spende in Deutschland einsetzt.

Rechtliche und ethische Aspekte der Eizellspende
In Deutschland ist die Eizellspende gesetzlich verboten, während die Samenspende erlaubt und durch das Samenspenderregistergesetz geregelt ist. Die Embryonenspende wird seit vielen Jahren durchgeführt und ist weitgehend akzeptiert, auch wenn ein expliziter gesetzlicher Rahmen fehlt. Das Verbot der Eizellspende im Embryonenschutzgesetz (ESchG) von 1990 ist seit langem umstritten. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission hat im April 2024 die Veröffentlichung einer Stellungnahme bekannt gegeben, die sich für eine Legalisierung der Eizellspende unter engen Voraussetzungen ausspricht.
Trotz des Verbots entscheiden sich immer mehr Paare für eine Eizellspende im Ausland. Es wird vermutet, dass jährlich fast genauso viele Kinder nach Eizellspende wie nach Samenspende in Deutschland geboren werden. Für manche Paare ist die Entscheidung für eine Spende im Ausland einfach, da sie die Ungleichbehandlung von Samen- und Eizellspende als nicht nachvollziehbar empfinden. Andere haben Bedenken und fürchten die missbilligende Reaktion von Familie und Freunden.
Die Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin hat die Legalisierung der Eizellspende unter bestimmten Voraussetzungen geprüft. Dazu gehören eine umfassende und neutrale Aufklärung der Spenderin, die Anwendung schonendster medizinischer Verfahren und eine angemessene Aufwandsentschädigung. Die Kommission betont auch die Bedeutung des „Rechts auf Kenntnis der eigenen Abstammung“ für Kinder, die durch Spenden gezeugt wurden, und fordert dies auch für Eizellspenden. Dies würde eine offene Kommunikation von Beginn an ermöglichen und den Kindern die Möglichkeit geben, ihre Entstehungsgeschichte in ihre Identität zu integrieren.
Die Situation der Spenderinnen wird ebenfalls ausführlich beleuchtet. Während die kurzfristigen medizinischen Risiken bei Eizellspenden heute als gering eingestuft werden, ist die Belastung für die Spenderin deutlich höher als bei der Samenspende. Die Gefahr der Ausbeutung der Spenderin steigt mit dem finanziellen Gefälle zwischen Spenderin und Wunschmutter. Die Aufwandsentschädigungen für Spenderinnen variieren je nach Land erheblich.

Aufklärung der Kinder über ihre Herkunft
Die Frage, wie und wann Kinder über ihre Entstehungsgeschichte durch Eizellspende aufgeklärt werden sollen, beschäftigt viele Eltern. Es gibt keine pauschale Antwort, da die Entscheidung von den Werten der Eltern, ihrer Vorgehensweise und der Gesellschaft abhängt. Grundsätzlich wird empfohlen, die Aufklärung in der frühen Kindheit zu beginnen, idealerweise vor der Pubertät. Studien zeigen, dass Kinder, die frühzeitig und offen informiert werden, die Information oft positiv aufnehmen.
Wenn die Entstehungsgeschichte verheimlicht und das Kind erst später davon erfährt, kann dies zu größeren Schwierigkeiten im Umgang mit dieser Information führen. Die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung wird als weitaus wichtiger für die Identität und Entwicklung des Kindes erachtet als die reine Entstehungsgeschichte. Eltern werden ermutigt, ihrem Mutterinstinkt zu vertrauen und die Aufklärung altersgerecht und liebevoll zu gestalten. Es gibt spezielle Kinderbücher, die dabei helfen können, das Thema kindgerecht zu vermitteln.
Einige Fachleute plädieren dafür, bereits von Anfang an mit sogenannten „Wickelgeschichten“ zu erzählen. Dies ermöglicht es den Eltern, eigene Worte zu finden, und das Kind lernt die Umstände seiner Entstehung von klein auf kennen. Dies kann Ängste vor einer Hürde oder einer negativen Reaktion auf die Information reduzieren. Die Illustrationen in Kinderbüchern spielen eine wichtige Rolle, um die Geschichte visuell aufzubereiten und den Kindern die Bedeutung ihrer Eltern und die Besonderheit ihrer Entstehung zu vermitteln.
Befruchtung der Eizelle im Video
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