Schwangerschaftsdiabetes Test: Was Sie wissen müssen

Mithilfe einer Routineuntersuchung lässt sich herausfinden, ob eine Frau einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) entwickelt hat. Die Untersuchung kann zu einer rechtzeitigen Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes führen, aber auch unnötig in Sorge versetzen.

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben vorübergehend einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Dies ist meist unproblematisch und kein Grund zur Sorge. Manche Frauen haben dadurch aber ein höheres Risiko für bestimmte Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Eine Umstellung der Ernährung und regelmäßige Bewegung reichen meist aus, um den Blutzucker zu senken.

Ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht normalerweise keine spürbaren Beschwerden. Ob das Blut zu viel Zucker enthält, lässt sich am besten durch einen Blutzuckertest (Glukosetoleranztest) feststellen. Der Test misst, wie gut der Körper eine größere Menge Zucker verarbeiten kann. Übersteigt der Blutzuckerspiegel im Verlauf des Tests bestimmte Werte, kann es sein, dass der Zucker nicht ausreichend in die Körperzellen aufgenommen wird. Dies kann auf einen Schwangerschaftsdiabetes oder Diabetes mellitus hinweisen.

Schema des Glukosetoleranztests

Arten des Glukosetoleranztests

Der Glukosetoleranztest wird in der Regel zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche angeboten.

Vortest (kleiner Zuckerbelastungstest / Glukose-Challenge-Test)

Der Vortest dient dazu, zu erkennen, ob es sinnvoll ist, den eigentlichen, aufwendigeren Zuckertest zu machen. Wird im Vortest ein erhöhter Wert gefunden, bedeutet das noch keine Diagnose.

  • Beim Vortest trinkt man ein Glas Wasser mit 50 Gramm Zucker.
  • Nach einer Stunde wird Blut aus einer Armvene abgenommen und die Höhe des Blutzuckers bestimmt.
  • Liegt der Wert unter 7,5 Millimol pro Liter (mmol/l, das entspricht 135 mg/dl), ist das Ergebnis unauffällig und der Test beendet.

Diagnosetest (großer Zuckertest / oraler Glukosetoleranztest)

Bei diesem Test kann ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt werden. Für den Diagnosetest ist es wichtig, nüchtern zu sein, das heißt, mindestens acht Stunden nichts gegessen und getrunken zu haben. Nur Wasser ohne Kohlensäure ist erlaubt.

  1. Dieser Test beginnt mit der Blutabnahme.
  2. Erst dann trinkt man schluckweise eine Zuckerlösung mit 300 ml Wasser und 75 Gramm Glukose.
  3. Nach 1 und nach 2 Stunden wird erneut Blut aus einer Armvene abgenommen.

Grenzwerte für die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes

Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes wird gestellt, wenn einer der folgenden Blutzuckerwerte erreicht oder überschritten ist:

  • Nüchtern: 92 mg/dl (5,1 mmol/l)
  • Nach 1 Stunde: 180 mg/dl (10,0 mmol/l)
  • Nach 2 Stunden: 153 mg/dl (8,5 mmol/l)

Liegt der Nüchternblutzuckerwert bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder der Blutzuckerwert nach 2 Stunden bei 200 mg/dl (11,1 mmol/l), spricht man nicht von Schwangerschaftsdiabetes, sondern von einem in der Schwangerschaft neu aufgetretenen Diabetes. In diesem Fall werden weitere Tests durchgeführt, um die Diabetesform zu bestimmen und eine individuelle Behandlung einzuleiten.

Vergleich der Testverfahren für Schwangerschaftsdiabetes

Kostenübernahme und Risiken

Die Kosten des Glukosetoleranztests werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Normalerweise wird nur der Vortest mit 50 Gramm Glukose von der Krankenkasse bezahlt. Ergibt dieser Test Werte über 135 mg/dl (7,5 mmol/l), wird der anschließende Diagnosetest mit 75 Gramm Glukose von der Krankenkasse erstattet.

Für das ungeborene Kind bringt der Test keine Risiken mit sich. Der Nutzen der Routineuntersuchung (Screening) wurde bislang nicht in vergleichenden Studien untersucht. Man weiß deshalb nicht genau, welche Vor- und Nachteile sie hat. Jede Früherkennungsuntersuchung hat neben Vorteilen auch Nachteile. Selbst wenn es eine hilfreiche Behandlung gibt, bedeutet dies nicht automatisch, dass eine Routineuntersuchung für jede Frau sinnvoll ist.

Diskussion um Testverfahren und Empfehlungen

Der Routinetest auf Schwangerschaftsdiabetes ist für die meisten schwangeren Frauen schon deshalb unnötig, weil ihre Blutzuckerwerte normal sind. Zudem ist es möglich, dass ein erhöhtes Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes auch im Rahmen der üblichen Schwangerenvorsorge festgestellt wird.

Die Mutterschaftsrichtlinie sieht für das Screening derzeit nur die einfachere von zwei Testvarianten vor (mit 50 Gramm Glukose). Kritiker bemängeln, dass damit ein GDM nicht zuverlässig erkannt werden könne. Professor Dr. med. Ute Schäfer-Graf betont, dass auch ein niedrigerer Wert im Vortest einen GDM nicht sicher ausschließe und dass mindestens jede fünfte gefährdete Frau nicht erkannt werde.

Sobald Warnzeichen für einen GDM auftreten - wie vermehrtes Durstgefühl, eine deutliche Zunahme der Fruchtwassermenge oder des kindlichen Bauchumfangs - sollte der Frauenarzt den aussagekräftigeren oralen Glukosetoleranztest (75 g oGTT) anbieten. Bei diesem Test wird der Nüchternblutzucker gemessen, dann eine Lösung mit 75 Gramm Glukose getrunken, und nach einer sowie zwei Stunden wird erneut der Blutzuckerwert bestimmt.

Um ihren Patientinnen die Belastung durch einen doppelten Test zu ersparen und gleichzeitig die Gefahr einer Fehldiagnose zu minimieren, bieten viele Frauenärzte direkt den 75 g oGTT an. Da die Krankenkassen jedoch nur den 75 g Test bezahlen, wenn ein Suchtest vorausgegangen ist, zahlen die Ärzte zuweilen den Differenzbetrag aus eigener Tasche oder bieten den präzisen oGTT als IGEL-Leistung an, die die Schwangere selbst bezahlen muss.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht das Thema Früherkennung des Schwangerschaftsdiabetes im Kontext der Ökonomisierung in der Medizin und von Sparmaßnahmen der Kassen. Sie empfiehlt, zumindest bei Schwangeren mit erhöhtem GDM-Risiko den oGTT direkt abrechnen zu können, idealerweise für alle Schwangeren. Die Zusatzkosten für den präzisen Test sind vergleichsweise gering, der Nutzen für die Schwangeren hingegen groß.

Infografik zu den Risiken von unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes

Risiken von Schwangerschaftsdiabetes

Schätzungen zufolge entwickeln fünf bis zehn Prozent aller Schwangeren einen GDM. Unerkannt und unbehandelt birgt diese Stoffwechselstörung große Risiken für Mutter und Kind:

  • Erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt.
  • Erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie (Bluthochdruck und vermehrte Eiweißausscheidung während der Schwangerschaft).
  • Fehlprägung des Stoffwechsels des Ungeborenen im Mutterleib, was das Risiko, später selbst einen Diabetes zu entwickeln, deutlich erhöht.
  • Das Kind wächst durch ein "Überangebot" des Zuckers Glukose im Blut der Mutter meistens zu schnell und wird sehr groß, was zu Geburtskomplikationen führen kann.
  • Zusätzlich kann es zu einer verlangsamten Entwicklung der Lungen kommen, so dass das Kind nach der Geburt unter Atemproblemen leidet.
  • Frauen mit Gestationsdiabetes sind anfälliger für Infektionen, z. B. der Harnwege.
  • Wegen des hohen Geburtsgewichtes kommen häufiger Kaiserschnittgeburten vor.

Circa 50 Prozent der Schwangerschaftsdiabetikerinnen entwickeln zudem in den fünf Jahren nach der Schwangerschaft einen manifesten Diabetes mellitus Typ 2. Daher ist eine frühzeitige Begleitung und Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes sehr wichtig.

Umgang mit der Diagnose

Viele Frauen sind von der Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ sehr überrascht, weil sie nicht gedacht hätten, dass sie davon betroffen sein könnten. Es gibt auch Frauen, die sich Vorwürfe machen und glauben, den Diabetes durch ihr Verhalten verursacht zu haben. Viele sind anfangs verunsichert, weil sie nicht wissen, was die Diagnose für das Kind und den Verlauf der Schwangerschaft bedeutet und welche Schritte jetzt nötig sind. Mehr über die Erkrankung zu erfahren, ist daher besonders wichtig. Dazu gehören vor allem verständliche und umsetzbare Hinweise, wie sich der Schwangerschaftsdiabetes behandeln lässt.

Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde, muss eine Stoffwechseleinstellung erfolgen. Meistens genügt hierfür eine Ernährungsumstellung. Auch regelmäßige Bewegung zählt zu den Maßnahmen, die Blutzuckerwerte zu regulieren.

Viele Frauen wünschen sich emotionale Unterstützung beim Umgang mit dem Schwangerschaftsdiabetes - sowohl durch Ärztinnen und Ärzte als auch durch die Familie.

Schwangerschaftsdiabetes – das solltest du wissen | #trivialgenial | DAK-Gesundheit

Was tun bei erhöhtem Diabetes-Risiko?

In einem Gespräch prüft die Ärztin oder der Arzt bei Feststellung der Schwangerschaft, ob ein erhöhtes Diabetes-Risiko vorliegt. Dies kann beispielsweise bei starkem Übergewicht, höherem Alter bei Eintritt der Schwangerschaft oder einem vorangegangenen Schwangerschaftsdiabetes der Fall sein.

Liegt ein erhöhtes Risiko vor, sollte eine Blutzuckeruntersuchung bereits im 1. Schwangerschaftsdrittel, also gleich zu Beginn der Schwangerschaft, erfolgen. Dazu wird der Schwangeren im nüchternen Zustand Blut aus der Armvene entnommen, um den Zuckerwert im Blut zu bestimmen. Wenn der Nüchternblutzucker bei über 92 mg/dl (5,1 mmol/l) liegt, sollte eine 2. Messung am folgenden Tag erfolgen.

Alternativ kann der sogenannte Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) bestimmt werden. Dieser Wert verrät, ob der Blutzucker in den vergangenen 6 bis 8 Wochen zu hoch war. Der HbA1c-Wert liegt bei gesunden Menschen ohne Zuckerstoffwechselstörung etwa bei 5 Prozent (31 mmol/mol). Wird bei der Messung ein Wert bis 5,8 Prozent (40 mmol/mol) erreicht, wird der Blutzucker am Folgetag erneut in nüchternem Zustand durch Blutentnahme bestimmt, um einen Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen.

tags: #diabetes #test #schwanger