Erkältungen und Husten sind in der Baby- und Kleinkindzeit häufig anzutreffen. Auch wenn meist eine harmlose Erkältung dahintersteckt, kann es für Eltern belastend sein, wenn ihr Kind unter starken Hustenanfällen leidet und die Nächte dadurch sehr anstrengend werden.
Was ist Husten und welche Formen gibt es?
Husten ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Schutzmechanismus des Körpers. Er dient dazu, die Atemwege von Schleim, Staub und anderen Fremdkörpern zu befreien. Oftmals steckt ein Atemwegsinfekt dahinter, aber auch Allergien, Staub und Rauch können Hustenanfälle auslösen.
Bei einer Erkältung zeigen sich die Symptome gewöhnlich in folgender Reihenfolge: Zunächst verspürt das Kind ein leichtes Brennen in der Brust, das sich zu einem trockenen und manchmal schmerzhaften Reizhusten entwickelt.
Arten von Husten
- Akuter Husten: Dieser tritt meist im Rahmen eines viralen Infekts auf und verschwindet nach einigen Tagen bis wenigen Wochen wieder.
- Chronischer Husten: Halten die Symptome acht Wochen oder länger an, spricht man von chronischem Husten. Als Ursachen kommen unter anderem asthmatische Erkrankungen, eine chronische Bronchitis oder Keuchhusten infrage.
- Trockener Husten (Reizhusten): Eine Erkältung beginnt oft mit einem trockenen Husten, der sich später in einen produktiven Husten wandelt. Bei trockenem Husten wird kein Schleim ausgehustet.
- Produktiver Husten (feuchter Husten): Bei einer Erkältung sammelt sich oft Schleim in den Bronchien an. Durch den produktiven Husten wird dieser nach außen befördert. Handelt es sich um einen viralen Infekt, ist der Schleim gewöhnlich transparent.
Häufige Ursachen und Symptome von Atemwegserkrankungen bei Säuglingen
Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern muss sich erst noch vollständig entwickeln, was sie anfälliger für Infektionen macht, insbesondere in der kalten Jahreszeit.
Bronchitis
Bronchitis bezeichnet eine Entzündung der Schleimhaut, die die Bronchien auskleidet. Babys und Kleinkinder sollten bei einer Bronchitis grundsätzlich einem Kinderarzt vorgestellt werden.
Ursachen: Akute Bronchitis wird meist durch Viren verursacht. Die Krankheitserreger werden über die Luft (Niesen, Husten) oder durch direkten Kontakt übertragen. Eine bakterielle Infektion kann eine bestehende virale Erkältung überlagern (Superinfektion), was zu stärkeren Symptomen führt.
Symptome: Der Husten ist zunächst trocken, später kommt ein (manchmal schleimig-eitriger) Auswurf hinzu. Möglicherweise sind rasselnde Atemgeräusche hörbar. Die Symptome klingen bei Kindern normalerweise nach etwa zwei Wochen ab, der Husten kann sich jedoch länger halten. Halten die Beschwerden länger an oder kehren wieder, kann es sich um eine chronische Bronchitis handeln.
Obstruktive Bronchitis: Bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Bronchitis mit einer gefährlichen Verengung der Atemwege einhergehen. Diese äußert sich neben Husten und Auswurf durch Atemnot. Beim Ausatmen ist ein typisches, pfeifendes Geräusch (Giemen) zu hören. Starker Husten kann zum Erbrechen führen.
Pseudokrupp
Beim Pseudokrupp entsteht eine Entzündung am Kehlkopf, die die Atemwege verengt. Meist geht ihm eine gewöhnliche Atemwegsinfektion voraus. Manchmal sind Influenza- und RS-Viren die Auslöser.
Symptome: Ein plötzlicher, bellend klingender Hustenanfall ist ein Hinweis auf Pseudokrupp. Typisch ist zudem ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen.
Grippe (Influenza)
Die Symptome einer Grippe ähneln denen einer Erkältung, sind aber in der Regel stärker ausgeprägt. Das Baby oder Kleinkind hat hohes Fieber und fühlt sich krank, Glieder- und Kopfschmerzen sind möglich.
Lungenentzündung (Pneumonie)
Lungenentzündungen können sowohl durch Viren als auch durch Bakterien ausgelöst werden.
Symptome: Das Kind wirkt krank, hat Fieber und seine Atmung ist sehr schnell und flach.
Keuchhusten (Pertussis)
Symptome: Der Husten ist bellend und keuchend.
Behandlung: Früh eingesetzt können Antibiotika den Krankheitsverlauf abmildern. Säuglinge mit Keuchhusten werden oft stationär aufgenommen, damit der zähflüssige Schleim abgesaugt werden kann. Glücklicherweise gibt es gegen Keuchhusten eine Impfung.
Asthma bronchiale
Ursachen: Asthma ist die häufigste chronische Krankheit im Kindesalter. Die Veranlagung kann genetisch vererbt werden.
Symptome: Asthma-Erkrankungen zeichnen sich durch einen trockenen Reizhusten aus, der beispielsweise nach sportlichen Aktivitäten oder während der Pollenflug-Saison verstärkt auftreten kann. Bei einem Asthma-Anfall fällt das Ausatmen schwer.

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Husten ist ein Kinderarztbesuch in jedem Fall notwendig, da auch einfache virale Infekte gefährlich werden können. Bei älteren Kindern kann man bei einfachen Erkältungssymptomen zunächst abwarten und das Baby beobachten.
Warnsignale, bei denen sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Die Lippen oder das Gesicht sind bläulich verfärbt.
- Das Kind macht ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen.
- Das Kind hat bellenden Husten, der plötzlich auftritt (Verdacht auf Pseudokrupp-Anfall).
- Die Atmung wirkt angestrengt, die Rippen ziehen sich beim Luftholen zusammen und die Nasenflügel sind weit geöffnet (Hinweis auf Atemnot).
- Das Kind muss sich durch den starken Husten übergeben und kann keine Nahrung oder Flüssigkeit zu sich nehmen (Hinweis auf RV-Viren).
- Der Husten tritt plötzlich und ohne weitere Krankheitssymptome auf (Verdacht auf Verschlucken eines Fremdkörpers).
- Starke Atembeschwerden.
- Anhaltende Schmerzen.
- Gelblicher oder rötlicher Auswurf beim Husten.
- Husten, der länger als zehn Tage anhält.
- Plötzliches hohes Fieber, Fieber länger als drei Tage oder nach Fieberkrampf.
- Schlechter körperlicher Allgemeinzustand.
- Säuglinge unter drei Monaten mit Husten und Fieber.

Sanfte Behandlungsmethoden und Hausmittel
Husten hat eine wichtige Schutzfunktion und sollte nicht einfach durch Medikamente unterdrückt werden. Dennoch kann ständiger Husten für Babys sehr anstrengend sein.
Allgemeine Pflegemaßnahmen:
- Viel trinken: Achten Sie darauf, dass das kranke Kind viel Flüssigkeit zu sich nimmt, um den Schleim zu verflüssigen und Austrocknung bei Fieber vorzubeugen. Stillen Sie Ihr Baby möglichst oft oder bieten Sie Wasser und milden Tee an.
- Luftfeuchtigkeit erhöhen: Trockene Luft verstärkt den Hustenreiz. Hängen Sie im Schlafzimmer feuchte Wäsche auf oder legen Sie feuchte Handtücher auf die Heizung.
- Kühle Luft: Frische, kühle Luft kann helfen, die Atemwege abschwellen zu lassen, was besonders bei Pseudokrupp wichtig ist. Setzen Sie Ihr Kind ans geöffnete Fenster oder vor den offenen Kühlschrank, achten Sie dabei darauf, dass es nicht zu kalt wird.
- Oberkörper hochlagern: Lagern Sie den Oberkörper Ihres Kindes zum Schlafen etwas erhöht, um das Atmen zu erleichtern.
Spezifische Hausmittel:
- Inhalation: Dampfbäder helfen, den Schleim zu lösen. Geben Sie heißes Wasser in eine Schüssel, fügen Sie pro Liter einen Esslöffel Salz hinzu und lassen Sie Ihr Kind den aufsteigenden Wasserdampf einatmen, wobei Sie ein Tuch wie ein Zelt über seinen Kopf legen. Alternativ kann ein Dampfinhalator für Kinder verwendet werden. Eine Inhalation mit isotoner Kochsalzlösung (0,9 %) befeuchtet die Atemwege und löst Schleim. Bei zähem Schleim kann eine hypertoner Kochsalzlösung (3 %) helfen, den Schleim zu verflüssigen.
- Nase frei halten: Eine freie Nase verhindert Mundatmung, die die Schleimhäute im Hals weiter reizen kann. Nutzen Sie Kochsalzlösung, Nasentropfen auf Kochsalzbasis oder Muttermilch. Nasensauger können ebenfalls hilfreich sein. Hinweis: Abschwellende Nasensprays und -tropfen nur kurzfristig anwenden und nach ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung.
- Brustwickel: Ein beliebtes Hausmittel sind Brustwickel, z.B. mit Thymian. Kochen Sie zwei Teelöffel Thymiankraut in einem halben Liter Wasser, lassen Sie den Tee ziehen, tränken Sie ein Tuch darin, drücken Sie es leicht aus und legen Sie es auf die Brust des Kindes. Achtung: Das Tuch darf nicht zu heiß sein!
- Zwiebel: Zwiebeln haben antibakterielle, entzündungshemmende und schleimlösende Eigenschaften. Zerteilen Sie eine Zwiebel, geben Sie sie in ein feuchtes Geschirrtuch, falten Sie es zu einem Bündel und binden Sie es mit einer Schnur zusammen. Hängen Sie den Zwiebelbeutel ins Kinderzimmer. Auch warme Zwiebelsocken können wohltuend sein.
- Sanfte Massagen: Das Streicheln und sanfte Massieren des Brustkorbs kann die Durchblutung anregen und entspannend wirken.
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Was ist bei Medikamenten zu beachten?
In der Apotheke sind rezeptfreie und verschreibungspflichtige Hustenmittel für Kinder erhältlich. Bevor Sie Ihrem Baby Medikamente gegen Husten geben, holen Sie unbedingt Rat bei Ihrem Kinderarzt ein. Viele Kinderärzte raten von Hustensäften ab, da deren Wirksamkeit wissenschaftlich oft nicht belegt ist.
Vorsicht ist geboten bei Hustenstillern (Antitussiva), die auf das zentrale Nervensystem wirken und aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur in Ausnahmefällen angewendet werden sollten. Sie dürfen nicht bei produktivem Husten eingesetzt werden, da sie den Hustenreiz unterdrücken.
Ätherische Öle wie Menthol, Pfefferminze und Eukalyptus sind für Babys oft nicht geeignet, da sie zu Atembeschwerden und Erstickungsanfällen führen können. Als babytaugliche Alternative gelten Thymian- und Myrrhe-Balsam.
Milch mit Honig ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen: Kinder unter einem Jahr dürfen keinen Honig zu sich nehmen.
Bei obstruktiven Beschwerden kann der Einsatz von Salbutamol sinnvoll sein, in Form von Tropfen für Kinder unter zwei Jahren oder zur Inhalation bei älteren Kindern. Es kann mit Ipratropiumbromid kombiniert werden.
Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika notwendig sein. Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung oder eine bakterielle Superinfektion ist ein Arztbesuch unerlässlich.
Pflanzliche schleimlösende Mittel, z.B. auf Efeubasis, können das Abhusten erleichtern. Präparate mit Efeuextrakt können ganztägig verabreicht werden, da sie den Hustenreiz nicht unterdrücken.
Weitere Optionen sind Präparate mit Pelargonienwurzel, Cineol, Myrtol, Thymian und Primelwurzel, sowie die synthetischen Expektorantien Ambroxol und ACC.
Spezifische Hinweise zur Bronchiolitis
Die Bronchiolitis ist eine Virusinfektion, die die unteren Atemwege von Säuglingen und Kleinkindern unter 24 Monaten befällt. Sie wird meist durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ausgelöst.
Symptome: Laufen der Nase, Fieber, Husten, Keuchatmung beim Ausatmen und Atemschwierigkeiten. Die Symptome beginnen oft wie bei einer Erkältung und verschlimmern sich dann.
Diagnose: Stützt sich auf Symptome und körperliche Untersuchung. Pulsoximetrie zur Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut, manchmal Abstrich oder Röntgenaufnahme des Brustkorbs.
Behandlung: Meist unterstützende Maßnahmen zu Hause wie Flüssigkeitszufuhr. Bei schwereren Verläufen im Krankenhaus: Sauerstofftherapie, Flüssigkeit über die Vene, ggf. Beatmung. Bronchodilatatoren und Kortikosteroide können eingesetzt werden, ihre Wirksamkeit bei Bronchiolitis ist jedoch fraglich.
Vorbeugung: Medikamente mit Antikörpern gegen RSV wie Nirsevimab und Palivizumab.
Prognose: Die meisten Kinder erholen sich zu Hause innerhalb weniger Tage, Husten und Keuchatmung können jedoch länger anhalten.

Was Eltern tun können: Ruhe und Pflege
Gönnen Sie Ihrem Kind ausreichend Ruhe und Schlaf. Spaziergänge an der frischen Luft sind förderlich, solange kein Fieber vorliegt. Regelmäßiges Lüften der Räume ist ebenfalls empfehlenswert.
Achten Sie auf gute Hygiene, insbesondere konsequentes Händewaschen, um die Übertragung von Keimen zu verhindern.
Bei Asthma-Verdacht oder -Diagnose ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt wichtig. Dieser kann Schulungen anbieten, wie zukünftige Anfälle vermieden werden können, und geeignete Medikamente verschreiben.
Die Behandlung der Bronchitis kann je nach Ursache und Schweregrad variieren. Bei rein viralen Infekten steht die symptomatische Therapie im Vordergrund. Bei bakteriellen Infektionen sind Antibiotika notwendig. Bei obstruktiven Symptomen können Medikamente zur Erweiterung der Bronchien eingesetzt werden.
Es ist wichtig, die Bronchitis vollständig ausheilen zu lassen, um Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder die Entwicklung einer chronischen Bronchitis zu vermeiden.
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