Ursachen und Behandlung von Rötungen und Schwellungen der Hoden bei Kleinkindern

Die Hodenentwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Bei Föten befinden sich die Hoden zunächst in der Bauchhöhle. Bis zum Geburtstermin wandern sie normalerweise durch den Leistenkanal in den Hodensack. Ist dieser Prozess nicht abgeschlossen, sprechen Ärzte von einem Hodenhochstand oder einer Hodenfehllage. Diese kann ein- oder beidseitig auftreten und zählt zu den häufigsten urologischen Erkrankungen bei Kindern. Je nach genauer Lage wird zwischen einem Pendelhoden, Gleithoden, Leistenhoden und Bauchhoden unterschieden.

Die Behandlung des Hodenhochstands sollte frühzeitig erfolgen und, wenn möglich, bis zum ersten Geburtstag abgeschlossen sein. Eine höhere Temperatur im Körperinneren kann die Keimdrüsen schädigen. Mögliche Spätfolgen einer unbehandelten Hodenfehllage sind Unfruchtbarkeit und ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs. Dieses erhöhte Risiko für Hodenkrebs bleibt auch nach einer angemessenen Behandlung einer Hodenfehllage bestehen.

Schematische Darstellung der Hodenentwicklung und des Hodenabstiegs beim Fötus.

Hodenentzündung (Orchitis) bei Kindern

Eine Entzündung eines oder beider Hoden, medizinisch als Orchitis bezeichnet, entsteht in der Regel als Folge einer Infektionskrankheit. Diese wird meist durch Viren, seltener durch Bakterien verursacht. Insbesondere Mumpsviren sind eine häufige Ursache und können bei jedem dritten Erkrankten im Erwachsenenalter zu einer Hodenentzündung führen. Auch das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) und Windpocken können ursächlich sein.

Typische Symptome einer Hodenentzündung, die meist einige Tage nach der Grundinfektion auftreten, sind Fieber, Rötung und Schwellung des Hodens sowie Schmerzen im Hoden. Zusätzlich zum Hoden kann auch der Nebenhoden betroffen sein, der für die Reifung der Spermien zuständig ist. Zur Behandlung werden generell Bettruhe, Hochlagerung und Kühlung der Hoden sowie Schmerzmittel empfohlen. Je nachdem, ob Viren oder Bakterien die Hodenentzündung ausgelöst haben, kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz.

Illustration, die die Anatomie des Hodens und des Nebenhodens zeigt.

Hodenkrebs im Kindes- und Jugendalter

Hodenkrebs ist mit jährlich rund 4.000 Neuerkrankungen der häufigste bösartige Tumor bei jungen Männern zwischen 25 und 45 Jahren. Bei Kindern ist er sehr selten. Die Heilungsrate in den frühen Stadien ist jedoch nahezu 100 Prozent.

Ein Hodenhochstand im Kindesalter, selbst wenn er angemessen behandelt wurde, gilt als gesicherter Risikofaktor für die spätere Entwicklung von Hodenkrebs. Ebenso erhöht Unfruchtbarkeit das Risiko. Hodenkrebs tritt auch familiär gehäuft auf.

Mögliche Symptome von Hodenkrebs umfassen eine tastbare, schmerzlose Verhärtung innerhalb des Hodensacks, eine Größenzunahme des Hodens, ein Schweregefühl oder ziehende Schmerzen. Die Diagnose erfolgt mittels Blut- und Ultraschalluntersuchungen sowie einer Gewebeentnahme. Die Behandlung umfasst in erster Linie die operative Entfernung des betroffenen Hodens.

Weitere mögliche Ursachen für Rötungen und Beschwerden im Genitalbereich bei Kleinkindern

Neben den spezifischen Hodenproblematiken können Rötungen und Reizungen im Genitalbereich bei Kleinkindern auch andere Ursachen haben:

Reizende Kontaktdermatitis

Eine reizende Kontaktdermatitis ist eine Hautreaktion, die durch direkten Kontakt mit reizenden Substanzen wie Seife, Reinigungsmitteln oder auch starker Feuchtigkeit (z.B. durch langes Tragen von Windeln) verursacht wird. Symptome sind gerötete, trockene, rissige Haut, die auch Blasen bilden kann. Die Behandlung besteht darin, den reizenden Stoff zu meiden und die Haut mit geeigneten Cremes, wie z.B. Wundschutzcremes mit Zink, zu pflegen.

Pilzinfektionen (Tinea)

Pilzinfektionen wie Tinea corporis (Ringelflechte am Körper) oder Tinea cruris (Jock Juckreiz in der Leistengegend) können ebenfalls zu Hautveränderungen führen. Diese äußern sich oft als juckende, rote, ringförmige Ausschläge. Sie sind ansteckend und werden mit antimykotischen Medikamenten behandelt.

Ekzem (atopische Dermatitis)

Ekzeme, auch Neurodermitis genannt, sind chronische Hauterkrankungen, die sich durch juckende, trockene und entzündete Hautstellen äußern. Bei Säuglingen und Kleinkindern treten sie häufig im Gesicht, auf der Kopfhaut sowie in den Gelenkbeugen auf. Die Behandlung zielt darauf ab, die Hautfeuchtigkeit zu erhalten und Entzündungen zu lindern.

Genitalwarzen (durch HPV)

Genitalwarzen werden durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht und sind sexuell übertragbar. Sie äußern sich als kleine, hautfarbene oder marmorierte Beulen im Genitalbereich. Obwohl sie heilbar sind, ist eine ärztliche Behandlung ratsam.

Krätze (Skabies)

Krätze ist eine Hauterkrankung, die durch mikroskopisch kleine Milben verursacht wird und starken Juckreiz, insbesondere nachts, sowie einen Ausschlag mit kleinen roten Beulen hervorruft. Sie ist ansteckend und erfordert eine Behandlung mit speziellen Cremes.

Akutes Skrotum - Ein Notfall

Unter dem Begriff akutes Skrotum versteht man den plötzlich auftretenden Schmerz im Bereich des Hodensacks, oft begleitet von Schwellung und Rötung. Dies ist immer eine abklärungsbedürftige Notfallsituation, da die Ursache schnellstmöglich geklärt und behandelt werden muss, um eine dauerhafte Schädigung oder den Verlust des Hodens zu vermeiden.

Hodentorsion (Hodenverdrehung)

Die Hodentorsion ist die gefährlichste Ursache für akute Hodenschmerzen. Dabei dreht sich der Hoden um seine eigene Achse, was zur Abschnürung der Blutgefäße und damit zur Unterbrechung der Blutzufuhr führt. Dies ist ein absoluter Notfall, der sofort operativ behandelt werden muss. Ohne schnelle Intervention können die spermienbildenden Zellen innerhalb von sechs Stunden absterben, was zu Unfruchtbarkeit führen kann. Im schlimmsten Fall müssen die Hoden entfernt werden.

Was ist eine Hodentorsion? - Medizin ABC | Asklepios

Nebenhodenentzündung (Epididymitis) und Hodenentzündung (Orchitis)

Eine Nebenhodenentzündung ist eine häufige Ursache für das akute Skrotum und beginnt oft schleichend. Sie wird meist durch bakterielle Infekte verursacht, die über die Harnwege oder Samenleiter aufsteigen. Eine Hodenentzündung kann davon abgeleitet sein oder durch Viren (z.B. Mumps) ausgelöst werden. Symptome sind Schwellung, Rötung und Schmerzen im Hodensack.

Hydatidentorsion (Verdrehung eines Hodenanhängsels)

Hierbei handelt es sich um die Verdrehung eines kleinen, durchbluteten Anhängsels am Hoden. Dies kann ebenfalls zu akuten Schmerzen führen und erfordert gegebenenfalls eine operative Behandlung.

Trauma

Direkte Gewalteinwirkung auf den Hodensack kann ebenfalls zu Schmerzen und Schwellungen führen.

Diagnose und Behandlung des akuten Skrotums

Die Diagnose des akuten Skrotums erfolgt durch eine sorgfältige Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung, insbesondere mit Doppler-Darstellung der Gefäße. Dies ist entscheidend, um eine Hodentorsion sicher auszuschließen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei Verdacht auf Hodentorsion ist eine sofortige Operation unumgänglich. Bei anderen Ursachen wie Nebenhoden- oder Hodenentzündung kann eine konservative Therapie mit lokaler Kälteapplikation, Hochlagerung des Hodens, entzündungshemmenden Medikamenten und gegebenenfalls Antibiotika erfolgen. Bei einem Wasserbruch (Hydrozele) oder Leistenbruch (Hernie) kann ebenfalls eine operative Korrektur notwendig sein.

Schema einer Ultraschalluntersuchung des Hodensacks zur Diagnosefindung.

Prävention und allgemeine Hinweise

Einige präventive Maßnahmen können helfen, das Risiko für Hodenprobleme zu reduzieren. Dazu gehören:

  • Impfung gegen Mumps, um das Risiko einer Mumpsorchitis zu minimieren.
  • Bei sexuell aktiven Jugendlichen und Erwachsenen: Geschützter Geschlechtsverkehr zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, die zu Nebenhodenentzündungen führen können.
  • Bei Kindern mit Hodenhochstand: Rechtzeitige ärztliche Abklärung und Behandlung.
  • Bei plötzlichen Schmerzen oder Schwellungen im Hodenbereich: Sofortiger Arztbesuch, da es sich um einen Notfall handeln kann.

Es ist wichtig zu betonen, dass Eltern bei jeglichen Auffälligkeiten oder Sorgen bezüglich des Genitalbereichs ihres Kindes umgehend einen Kinderarzt oder Urologen aufsuchen sollten. Selbstbehandlung oder das Ignorieren von Symptomen kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

tags: #bei #kleinkind #plotzlich #hoden #rot