Viele werdende Mütter fühlen sich unsicher, wenn sie in der Schwangerschaft erkranken und auf Medikamente angewiesen sind. Sie fragen sich: Schadet die Medikamenteneinnahme meinem Baby? Welche Arzneimittel darf ich einnehmen? Ist es nicht besser, meine Beschwerden auszuhalten?
„Frauen sollten nach Möglichkeit keine Medikamente in der Schwangerschaft einnehmen - auch keine, die man frei in der Apotheke kaufen kann. Die enthaltenen Wirkstoffe können über das Blut zum ungeborenen Kind gelangen und dort im schlimmsten Fall Schaden anrichten“, erklärt Friederike Habighorst-Klemm, Vorstandsmitglied und Patientenbeauftragte des LAV. Auch scheinbar harmlose Medikamente wie Nasenspray, Lutschtabletten bei Halsschmerzen oder Schmerzsalben gegen Rückenbeschwerden können Stoffe enthalten, die über die Plazenta das ungeborene Kind erreichen. Nasensprays wirken gefäßverengend, was die Versorgung des Fötus beeinträchtigen kann. Hustensäfte enthalten zum Teil Alkohol, welcher bekanntermaßen dem Ungeborenen schadet.
„Ich kann jeder Schwangeren nur raten, fragen Sie in Ihrer Apotheke vor Ort nach, was Sie bei Ihren Beschwerden gefahrlos verwenden können“, so Habighorst-Klemm. „Wir beraten, welche Arzneimittel in der Schwangerschaft verträglich sind und auf das Kind keine negativen Auswirkungen haben. Denn beispielsweise bei Erbrechen und Durchfall kann die Entwicklung des Fötus unter dem Flüssigkeits- und Elektrolytmangel leiden. Auch vorerkrankte und schwer erkrankte Schwangere oder Stillende müssen mit Arzneimitteln versorgt werden, denn unbehandelte Erkrankungen können sowohl die Mutter als auch das Kind gefährden. Lassen vorerkrankte Schwangere wichtige Medikamente, zum Beispiel bei Diabetes oder Asthma, einfach weg, kann auch das dem Baby schaden“, weiß Apothekerin Habighorst-Klemm.

Umgang mit Erkältungssymptomen in der Schwangerschaft
Eine Schwangere berichtet: „Hallo Dr. ich bin in der 16. SSW und bin seit einigen Tagen stark erkältet, mit Halsschmerzen und hartnäckigem Husten. In der Apotheke wurden mir die 'Aspecton'-Hustentropfen empfohlen.“
Hierzu wird angemerkt: „Bei Husten sollte in Rücksprache mit dem Hausarzt die Verordnung von Hustenmitteln (Antitussiva) in der Schwangerschaft streng gehandhabt werden. Nach dem 3. Schwangerschaftsmonat sind in Ausnahmefällen bei besonders quälendem, trockenem Husten codeinhaltige Präparate kurzzeitig einsetzbar. Die Einnahme sollte aber immer mit dem behandelnden Arzt/Ärztin abgeklärt werden. Bei anderen Substanzen, die vielfach zur Anwendung empfohlen werden, ist vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft Vorsicht geboten.“
Empfehlungen bei Atemwegsinfektionen
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Viel trinken ist bei allen Arten von Atemwegsinfektionen wichtig. Hierfür empfiehlt sich zum Beispiel warmer Tee oder heiße Zitrone.
- Pflanzliche Säfte und Inhalationen: Säfte auf pflanzlicher Basis sind meistens erlaubt. Inhalationen, v.a. mit solehaltigen Substanzen, lösen das Sekret in den Nebenhöhlen und können somit den Schnupfen lindern.
- Linderung des Hustenreizes: Der Hustenreiz selbst lässt sich schon oft mit Eukalyptus-Bonbons, die in den üblichen Mengen unbedenklich sind, beseitigen.
- Hausmittel bei bronchitischen Beschwerden: Als Hausmittel sind beispielsweise Kartoffelwickel sinnvoll. Diese werden nach dem Kochen zerstampft und dann noch warm in einem Baumwolltuch auf die Brust gelegt. Ähnlich funktionieren Quarkwickel.
„Am sinnvollsten ist es, die Therapie und das Vorgehen mit dem Arzt vor Ort abzusprechen“, wird betont.
Alkohol und Ethanol in Medikamenten während der Schwangerschaft
„Sicher sollte grundsätzlich auf Alkohol und derartige, alkoholhaltige Tropfen verzichtet werden. Und Ethanol 90% ist Alkohol!!!“
Eine Studie von R. Humphriss et al. (BMJ Open 2013) hat ein gewisses Medienecho hervorgerufen, da sie teilweise dahingehend interpretiert wurde, dass ein moderater Konsum für den Embryo/Fötus unbedenklich, ja sogar förderlich sei. In der Studie wurden die Auswirkungen von moderatem Alkoholgenuss während der Schwangerschaft auf die neurobiologische Entwicklung der Kinder untersucht. Eine besondere negative Auswirkung wurde tatsächlich nicht gefunden. Dennoch darf das Ergebnis nicht dazu dienen, einen - wenn auch geringen - Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zu rechtfertigen. Alkohol ist eine erwiesenermaßen teratogene, d.h. fehlbildungserzeugende Substanz und kann bei starkem Konsum zu schweren Fehlbildungen führen.
Schlussfolgerungen wie „wenig Alkohol schadet nicht“ oder „moderater Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hat keine negativen Auswirkungen auf die Hirnentwicklung“ können aus der genannten Studie keinesfalls in dieser Allgemeinheit abgeleitet werden, da lediglich Auswirkungen auf die Balance der Kinder überprüft wurden. Es wurde auch nicht belegt, dass der scheinbar günstige Effekt auf die Balanceleistung auf den Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Zudem handelt es sich bei dem Ergebnis dieser Studie keineswegs um ein grundsätzlich neues, das alle früheren Erfahrungen entwertet. Vielmehr ist der gesamte wissenschaftliche Erfahrungsumfang zu berücksichtigen.
Bei Kindern, deren Mütter regelmäßig moderate Mengen Alkohol zu sich nahmen oder „Binge-Drinking“ praktizierten, wurden zwar kein Fötales Alkoholsyndrom (FAS), aber durchaus kognitive Störungen und Verhaltensauffälligkeiten beobachtet. Andererseits existieren einige Studien, die kein erhöhtes Risiko bei geringgradigem Konsum bestätigen können. Dieses ist insbesondere deswegen beruhigend, da viele Frauen im Zeitraum vor Feststellung ihrer Schwangerschaft noch in „sozialem“ Umfang Alkohol konsumiert haben.
Fetales Alkoholsyndrom: Hirnschäden durch Alkohol in Schwangerschaft | Quarks
Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft: Empfindlichkeit und Risiken
Früher ging man davon aus, dass der Mutterkuchen das Kind wie eine Art Schranke vor Giften schützt. Wer in der Schwangerschaft Medikamente einnimmt, behandelt den Embryo automatisch mit. Die Empfindlichkeit des Kindes gegenüber schädlichen Medikamenten ist von seinem Entwicklungsstadium abhängig. Kritisch ist vor allem das Stadium der Organentwicklung, also die 6.-12. SSW. In dieser Zeit ist das Kind gegenüber schädlichen Substanzen besonders sensibel, weshalb es während dieser Zeit zu den meisten Fehlbildungen kommt. Im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft nimmt die Empfindlichkeit des Embryos gegenüber schädigenden Substanzen wieder ab.
Trotzdem unterscheidet sich der Arzneimittelkonsum von Schwangeren statistisch gesehen nur unwesentlich von dem nichtschwangerer Frauen. Obwohl zu den meisten Arzneimitteln nicht genügend Daten für die Bewertung ihres Einsatzes in der Schwangerschaft vorliegen, lässt sich gut 60 Jahre nach der verhängnisvollen Erfahrung mit dem angeblich sicheren Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan®, dessen Wirkstoff Thalidomid bei Tausenden von Kindern zu Fehlbildungen der Arme und Beine führte, eine positive Bilanz ziehen.
Allerdings wurde dieser Fortschritt dadurch erkauft, dass sehr viele, auch essentielle Medikamente von ihren Herstellern für die Schwangerschaft nicht mehr empfohlen werden. Dadurch sind die Ärzt*innen oft auf sich allein gestellt, denn sie müssen bei Bluthochdruck, Epilepsie oder Depression Medikamente verordnen und Nutzen und Risiko für Mutter und Kind abwägen.
Verzicht auf unnötige Medikamente und Alternativen
Mittel, die nicht unbedingt notwendig sind, z. B. gegen Husten oder fieberfreie Erkältungen, sollten gemieden werden. Auch bei Schmerzmitteln ist Zurückhaltung angesagt, hier stehen nur wenige unbedenkliche Substanzen zur Verfügung. Außerdem sollte die Dosis so niedrig wie möglich gewählt werden, sodass sie gerade noch wirksam sind. Wann immer möglich, sollten Behandlungsalternativen ohne Medikamente eingesetzt werden.
Wichtiger Hinweis: Sicherheitshalber ist jede*r Ärzt*in auf eine bestehende Schwangerschaft aufmerksam zu machen, auch der Zahn- und Augenarzt. Und wer als chronisch Kranke*r dauernd Medikamente einnehmen muss, z. B. Psychopharmaka oder gerinnungshemmende Medikamente, sollte den Kinderwunsch vorab mit der Fachärzt*in besprechen.
Sicher und schädlich: Medikamente in der Schwangerschaft
Es gibt Medikamente, deren Einnahme in der Schwangerschaft mit besonderen Risiken verbunden ist:
- Tetrazykline: Verursachen eine Gelbfärbung der Zähne, wenn sie nach der 15. Schwangerschaftswoche eingenommen werden.
- Kortison: Medikamente wie Prednison oder Prednisolon.
- Andere entzündungshemmende Medikamente und Zytostatika: Wie z. B. Methotrexat bewirken schwere Fehlbildungen.
- Standard-Asthmamedikamente und viele allergiehemmende Antihistaminika: Dazu gehören Doxylamin, Meclozin, Clemastin (Tavegil®) und Diphenhydramin.
- Blutverdünner: Vom Typ des Marcumar® führen zu geistiger Retardierung und Knochenverbiegungen.
Von seltenen Ausnahmen abgesehen, werden Schwangeren nur Mittel verordnet, deren Wirkungen und Nebenwirkungen seit längerem bekannt sind, d.h. die mindestens fünf Jahre zugelassen sind. Neuere Arzneien bergen deshalb grundsätzlich ein zusätzliches Sicherheitsrisiko.
Die Website www.embryotox.de bietet Schwangeren und Ärzt*innen Informationen zur Einnahme von Arzneimitteln während der Schwangerschaft.
Arzneimittel im Detail: Anwendungsbereiche und Vorsichtsmaßnahmen
Arnikatinktur
Anwendungsgebiete: Die Tinktur kann bei stumpfen Sport- und Unfallverletzungen angewendet werden, wie z. B. bei Blutergüssen, Prellungen, Verstauchungen und Quetschungen. Sie wird in Form von Umschlägen angewendet, dazu wird sie mit der drei- bis zehnfachen Menge Wasser verdünnt. Weitere Anwendungsbereiche umfassen Ödeme infolge eines Knochenbruchs, rheumatische Muskel- und Gelenkbeschwerden, Furunkulose und Entzündungen als Folge von Insektenstichen sowie oberflächliche Venenentzündungen.
Gegenanzeigen: Dieses Arzneimittel enthält 27 g Alkohol (Ethanol) pro 50 ml bzw. 54 g Alkohol (Ethanol) pro 100 ml, entsprechend 66 Vol.-% Alkohol. Überempfindlichkeit gegen Arnika und andere Korbblütler (z. B. Kamille, Ringelblume, Schafgarbe). Zur Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Arnikatinktur darf daher von diesem Personenkreis nicht angewendet werden. Bei Neugeborenen können hohe Ethanol-Konzentrationen aufgrund signifikanter Resorption durch die unreife Haut schwere lokale Reaktionen und systemische Toxizität verursachen.
Nebenwirkungen: Längere Anwendung an geschädigter Haut kann Hautentzündungen mit Schwellungen und/oder Bläschenbildung hervorrufen. Ferner können bei längerer Anwendung Ekzeme auftreten. Bei Auftreten von Nebenwirkungen ist die Behandlung sofort abzubrechen, die betroffenen Stellen sind gründlich mit Wasser abzuspülen, anschließend ist ein Arzt aufzusuchen.
Warnhinweis: Aufgrund des Alkoholgehalts kann eine häufige Anwendung auf der Haut Reizungen oder Entzündungen und Hauttrockenheit verursachen. Nicht zum Einnehmen!
Baldriantinktur
Gegenanzeigen: Baldriantinktur ist von Alkoholkranken nicht anzuwenden. Wegen des Alkoholgehaltes soll Baldriantinktur von Leberkranken, Epileptikern, Hirnkranken oder Hirngeschädigten nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden.
Nebenwirkungen: Bei Einnahme von Baldriantinktur kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändert werden, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol. Nach der Einnahme von Baldrianwurzelzubereitungen können Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit, Bauchkrämpfe) auftreten. Baldrianwurzel in einer Dosierung von etwa 20 g führte zu Symptomen wie Müdigkeit, Bauchkrämpfe, Brustenge, Benommenheit, Zittern der Hände und Pupillenerweiterung, die sich innerhalb von 24 Stunden zurückbildeten.
Warnhinweis: Enthält 28 g Alkohol (Ethanol) pro 50 ml bzw. 56 g Alkohol (Ethanol) pro 100 ml, entsprechend mind. 66 Vol.-% Alkohol. Bei Beachtung der Dosierungsanleitung werden bei jeder Einnahme bis zu 1,7 g Alkohol zugeführt. Ein gesundheitliches Risiko besteht u. a. bei Leberkranken, Alkoholkranken, Epileptikern, Hirnkranken oder Hirngeschädigten sowie für Schwangere und Kinder. Die Wirkung anderer Arzneimittel kann beeinträchtigt oder verstärkt werden.
Bittersalz (Magnesiumsulfat-Heptahydrat)
Anwendungsgebiete: Zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung (Obstipation). Zur Darmentleerung vor diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen.
Gegenanzeigen: Magnesiumsulfat-Heptahydrat darf nicht angewendet werden bei Darmverschluss und bei eingeschränkter Nierenfunktion. Es sollte nicht angewendet werden bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen sowie Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts.
Nebenwirkungen: Bei der Anwendung sehr hoher Dosen oder bei chronischer Anwendung kann es, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion, zu einer Magnesiumvergiftung kommen, die durch zentralnervöse Störungen, Muskelschwäche, Reflexausfälle, Müdigkeit, teilweise Lähmung, Koma sowie durch Herzrhythmusstörungen gekennzeichnet ist. Wie bei anderen Abführmitteln kann es bei längerdauernder Anwendung zu erhöhten Verlusten von Wasser, Kalium und anderen Salzen kommen. Dies kann zu Störungen der Herzfunktion und zu Muskelschwäche führen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von harntreibenden Mitteln und Nebennierenrindensteroiden.
Glaubersalz (Natriumsulfat-Decahydrat)
Anwendungsgebiete: Zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung (Obstipation); zur Darmentleerung vor diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen.
Gegenanzeigen: Natriumsulfat-Decahydrat darf nicht angewendet werden bei Darmverschluss. Es sollte nicht angewendet werden bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen sowie Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts. Natriumsulfat-Decahydrat sollte während der Schwangerschaft nicht verwendet werden, da es die bestehende Neigung zur Bildung von Ödemen verstärken kann.
Nebenwirkungen: Bei der Anwendung sehr hoher Dosen oder chronischer Anwendung von Natriumsulfat-Decahydrat kann es zu erhöhtem Natriumgehalt des Blutes, Wasseransammlungen und Bluthochdruck kommen. Wie bei anderen Abführmitteln kann es bei längerdauernder Anwendung zu erhöhten Verlusten von Wasser, Kalium und anderen Salzen kommen. Dies kann zu Störungen der Herzfunktion und zu Muskelschwäche führen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von harntreibenden Mitteln und Nebennierenrindensteroiden.
Iodtinktur
Anwendungsgebiete: Desinfektion der Haut vor Injektionen und Einschnitten. Desinfektion von Wunden.
Gegenanzeigen: Ethanolhaltige Iodlösung ist nicht anzuwenden bei Iodüberempfindlichkeit. Bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist bei der Behandlung größerer Hautflächen Vorsicht geboten, da Iod durch die Haut resorbiert wird. Dieses Arzneimittel enthält 11 g Alkohol (Ethanol) pro 20 ml entsprechend 65 Vol.-% Alkohol. Bei geschädigter Haut kann es ein brennendes Gefühl hervorrufen. Bei Neugeborenen können hohe Ethanol-Konzentrationen aufgrund signifikanter Resorption durch die unreife Haut schwere lokale Reaktionen und systemische Toxizität verursachen.
Nebenwirkungen: Bei Vorliegen einer Iodüberempfindlichkeit können Hautreaktionen auftreten. In seltenen Fällen kommt es zur Entwicklung von Fieber.
Isopropanol 70 %
Anwendungsgebiete: Hygienische und chirurgische Händedesinfektion, Hautdesinfektion vor einfachen Injektionen und Punktionen peripherer Gefäße, Hautdesinfektion vor Injektionen und Punktionen von Gelenken, Desinfektion talgdrüsenreicher Haut; Kühlumschläge.
Gegenanzeigen: Isopropanol 70 % (V/V) ist nicht zur Desinfektion offener Wunden geeignet.
Nebenwirkungen: Beim Einreiben der Haut mit 2-Propanol 70 % (V/V) können Rötungen und leichtes Brennen auftreten.
Warnhinweise: Leicht entzündlich! Von Zündquellen fern halten! Dicht verschlossen lagern. Bei Verschütten der Lösung sind unverzüglich Maßnahmen gegen Brand und Explosion zu treffen.
Lebertran
Anwendungsgebiete: Prophylaxe der Rachitis, Vitaminmangel während der Schwangerschaft und Stillperiode.
Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei erhöhtem Calciumplasmaspiegel, erhöhter Calciumausscheidung über die Niere und wenn andere Vitamin-D-haltige Arzneimittel verabreicht werden.
Nebenwirkungen: Bei Einhalten der angegebenen Dosierung ist nicht mit dem Auftreten von Nebenwirkungen zu rechnen. Hinweis: Bei Einnahme größerer Mengen Lebertran (mehr als 5 Esslöffel täglich) können Anzeichen einer Vitamin-A-Überdosierung auftreten wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Fissuren der Mundschleimhaut.
Wichtiger Hinweis für Schwangere: Während der ersten 3 Monate einer Schwangerschaft soll die tägliche Einnahme von mehr als einem Esslöffel voll Lebertran vermieden werden.
Myrrhentinktur
Anwendungsgebiete: Lokale Behandlung leichter Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
Gegenanzeigen: Myrrhentinktur ist von Alkoholkranken nicht anzuwenden. Dieses Arzneimittel enthält 34 g Alkohol (Ethanol) pro 50 ml entsprechend 85 Vol.-% Alkohol. Bei geschädigter Haut kann es ein brennendes Gefühl hervorrufen.
Nebenwirkungen: Bei unverdünnter Anwendung der Tinktur können vorübergehend ein leichtes Brennen und eine Geschmacksirritation auftreten.
Warnhinweis: Enthält 34 g Alkohol (Ethanol) pro 50 ml entsprechend 85 Vol.-% Alkohol. Zur Anwendung von Myrrhentinktur in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Myrrhentinktur sollte daher von diesem Personenkreis nicht angewendet werden.
Raffiniertes Rizinusöl
Anwendungsgebiete: Zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung.
Gegenanzeigen: Raffiniertes Rizinusöl darf bei Darmverschluss, akut-entzündlichen Erkrankungen des Darms (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Blinddarmentzündung), Bauchschmerzen unbekannter Ursache, Gallenwegserkrankungen sowie bei schwerem Flüssigkeitsmangel im Körper mit Wasser- und Salzverlusten nicht angewendet werden.
Hinweis für Schwangere: Zur Schwangerschaft und Stillzeit liegen nur unzureichende Angaben vor. Raffiniertes Rizinusöl sollte daher in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.
Nebenwirkungen: In seltenen Fällen können Hautausschläge auftreten. In diesem Fall sollten Sie das Arzneimittel nicht mehr weiter einnehmen. Des Weiteren können gelegentlich Magenreizungen, bei höherer Dosierung Übelkeit, Erbrechen, schmerzhafte Darmkrämpfe und schwere Durchfälle auftreten. Bei chronischem Gebrauch/Missbrauch können erhöhte Verluste von Wasser und Salzen (Elektrolytverluste), insbesondere von Kalium auftreten. Dies kann zu Störungen der Herzfunktion und zu Muskelschwäche führen.
Vorsichtsmaßnahmen und Warnhinweise: Eine über die kurzdauernde Anwendung hinausgehende Einnahme stimulierender Abführmittel kann zu einer Verstärkung der Darmträgheit führen. Raffiniertes Rizinusöl sollte nur dann eingesetzt werden, wenn durch eine Ernährungsumstellung oder durch Quellstoffpräparate kein abführender Effekt zu erzielen ist.
Weiche Zinkpaste, Zinkpaste, Zinksalbe
Anwendungsgebiete: Zur Unterstützung einer Therapie von subakuten und chronischen Ekzemen; Wundsein der Haut im intertriginösen Bereich durch Scheuern und Feuchtigkeit; Windeldermatitis; zur Abdeckung der Umgebung von Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris); zur Abdeckung und zum Schutz der gesunden Haut bei stark nässenden Hautausschlägen; infizierten Wunden und Geschwüren; auch am Übergang von Haut und Schleimhaut (Genitalbereich, Mund); Fissuren (Hautrisse).
Gegenanzeigen: Nicht auf entzündete, nässende Haut und Wunden auftragen (bei Zinkpaste). Überempfindlichkeit gegenüber Wollwachsalkoholen (bei Zinksalbe).
Nebenwirkungen: Nach Auftragen von Zinkpräparaten auf stark entzündliche Hautpartien kann ein leichtes Brennen auftreten. Gelegentlich kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen der Haut kommen.
Wasserstoffperoxid 3 %
Dosierung und Art der Anwendung: Soweit nicht anders verordnet, vor Anwendung 5- bis 10-fach (etwa 1 bis 2 Esslöffel auf ein Glas Wasser) verdünnen.

Behandlung von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
Kernaussagen aus einer Studie: Bei schwangeren Frauen, die während der Schwangerschaft Alkohol konsumierten, können kurze psychosoziale Interventionen (BPI) im Vergleich zur Standardbehandlung (TAU) möglicherweise die Anzahl der Frauen erhöhen, die kontinuierlich abstinent bleiben. Es könnte sein, dass zwischen den Interventionsgruppen kein Unterschied in der täglichen Anzahl konsumierter alkoholischer Getränke besteht. Hierfür ist die Evidenz aber sehr unsicher. Eine BPI im Vergleich zu einer TAU hat wahrscheinlich keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Zahl der Frauen, die die Behandlung abschließen.
Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen sowohl für die schwangere Frau als auch für das ungeborene Kind haben. Größere Mengen Alkohol sind mit einem größeren Risiko verbunden, jedoch kann bereits eine geringe bis mäßige Alkoholexposition während der Schwangerschaft spezifische Geburtsdefizite zur Folge haben. Jeder Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist risikobehaftet, daher raten die aktuellen Leitlinien zum vollständigen Verzicht. Dennoch gibt in Europa etwa eine von vier schwangeren Frauen an, während der Schwangerschaft Alkohol zu konsumieren.
Behandlungsmöglichkeiten
Psychosoziale Interventionen und Medikamente haben sich bei schädlichem Alkoholkonsum in der Allgemeinbevölkerung als wirksam erwiesen. Menschen mit Alkoholabhängigkeit, einer psychischen Störung, bei der die Betroffenen ihren Alkoholkonsum nicht kontrollieren können, können oft auch von medikamentöser Unterstützung profitieren. Es ist unklar, ob diese Behandlungen bei schwangeren Frauen, die während der Schwangerschaft Alkohol konsumieren, wirksam sind.
Studienlage und Einschränkungen
Es wurden acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1369 schwangeren Frauen gefunden, die in der Schwangerschaft Alkohol konsumierten. In zwei Studien wurde bei fast der Hälfte der Teilnehmerinnen eine bestehende oder frühere Alkoholabhängigkeit festgestellt. Die meisten Studien (75 %) fanden in den USA statt. Die Behandlungen umfassten BPI, die in der Regel zwischen 10 und 60 Minuten in Anspruch nahmen und meistens in einer einzigen Sitzung oder in einer geringen Anzahl von Sitzungen (bis zu fünf) abgeschlossen wurden.
Es wurde keine Studie gefunden, die sich mit Medikamenten zur Unterstützung der Alkoholabstinenz während der Schwangerschaft befasste. BPI können die Rate der kontinuierlich abstinenten Frauen erhöhen. Die Evidenz zur Wirkung von BPI auf die Anzahl der alkoholischen Getränke pro Tag ist sehr unsicher. Wahrscheinlich haben BPI keinen oder nur einen geringfügigen Einfluss auf die Zahl der Frauen, die die Behandlung abschließen.
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 8. Minozzi S, Ambrosi L, Saulle R, Uhm SS, Terplan M, Sinclair JMA, Agabio R. Psychosocial and medication interventions to stop or reduce alcohol consumption during pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, Issue 4. Art. No.: CD015042.
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