Die Alte Frauenklinik in Tübingen: Ein Denkmalgeschütztes Gebäude mit Neuer Bestimmung

Die Alte Frauenklinik in Tübingen, ein Gebäude mit einer über 100-jährigen Geschichte als Klinik, steht exemplarisch für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung. Ursprünglich im Jahr 1890 erbaut und bis 2002 in Betrieb, fand die Frauenklinik nach ihrem Umzug in die damalige Chirurgische Klinik an der Calwerstraße ein neues Kapitel.

Fassade der Alten Frauenklinik mit Klinker- und Sandsteinelementen im Neorenaissance-Stil

Architektonische Merkmale und Historische Entwicklung

Das heute denkmalgeschützte Gebäude, das einst wie eine Schlossanlage angelegt wurde, beeindruckt mit seinen Klinker- und Sandsteinfassaden im Stil der Neorenaissance. Die Architekten konzipierten es als Dreiflügelanlage mit einem zentralen Eingangsbereich und einer angeschlossenen Direktorenvilla. Es war der erste Klinikbau seiner Zeit, der mit Stahlbetondecken ausgestattet wurde.

Im Jahr 1911 wurde die Anlage durch einen U-förmigen Anbau erweitert, dessen geringere Höhe und hellerer Sandstein sich auch heute noch gut vom Sockel des Altbaus abheben. Ein weiterer, rückseitiger Anbau aus den 1960er Jahren wich im Zuge der jüngsten Umbaumaßnahmen einem modernen Neubau.

Ein markanter Einschnitt in der architektonischen Entwicklung war die Aufstockung in den 1950er Jahren. Damals wurde der obere Aufbau mit seinen charakteristischen Dachtürmchen entfernt, um ein sechstes Geschoss zu schaffen. Die Decken des Eingangsbereichs und der Flure auf diesem Geschoss sind insgesamt 4,80 Meter hoch und mit Stuck verziert. Dieser Bereich wird als "schwäbisch reduzierter Jugendstil" beschrieben.

Detailansicht eines restaurierten Stuckdekors im Inneren der Alten Frauenklinik

Leerstand und Umwandlung zu Wissenschaftseinrichtungen

Nach der Verlegung der Frauenklinik im Jahr 2002 stand das imposante Gebäude lange Zeit leer. Dieser Leerstand endete Ende 2011, als nach einem umfassenden Umbau das Psychologische Institut der Universität sowie das Institut für Wissensmedien (IWM) einzogen. Der Neubau auf der Rückseite, der den alten Anbau ersetzte, fügt sich unauffällig in das Gesamtbild ein.

Umfangreiche Sanierung im Zeichen des Denkmalschutzes

Die Sanierung der Alten Frauenklinik in Tübingen gilt als Paradebeispiel für die gelungene Erhaltung und Nachnutzung denkmalgeschützter Gebäude. Obwohl die Substanz des Gebäudes als gut erhalten galt, zeigten die Innenräume über die Jahre die Spuren mangelnder Investitionen.

Im Jahr 2009 begannen die aufwendigen Bauarbeiten, bei denen der Denkmalschutz im Vordergrund stand. Ziel war es, so viel wie möglich vom Originalzustand zu erhalten. Lediglich der Anbau aus den 1960er Jahren wurde durch einen modernen, gut gedämmten Neubau ersetzt.

Innenansicht mit restaurierten Terrazzoflächen und Türrahmen

Im Innenbereich widmeten sich Restauratoren sorgfältig den Details: Türrahmen, Friese, Säulen und Stuckdekore wurden mit größter Sorgfalt behandelt. Unter alten PVC-Böden kamen teilweise gut erhaltene ornamentale Terrazzoflächen zum Vorschein, die nun wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen. Insgesamt wurden rund 30 denkmalgeschützte Türrahmen aufwendig restauriert und wiederhergestellt.

Die Fassade des Hauptbaus aus dem Jahr 1890 wurde komplett gereinigt und ausgebessert, sodass sie heute wieder wie neu erstrahlt. Die Sanierungsarbeiten, die sich auf etwa 19 Millionen Euro beliefen, wurden von den Architekten kister scheithauer gross (Köln) geplant.

Die Alte Frauenklinik heute

Das Gebäude, das ursprünglich von 1890 stammt und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert wurde, hat nach seiner Sanierung eine neue Bestimmung als Standort für akademische Institute gefunden. Es zeugt von einer Architekturgeschichte, die von Neorenaissance über Jugendstil bis hin zu modernen Anbauten reicht, und demonstriert eindrucksvoll, wie historische Bausubstanz bewahrt und einer neuen Nutzung zugeführt werden kann.

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