Während der Schwangerschaft erfährt der weibliche Körper tiefgreifende Veränderungen, die sich insbesondere im Beckenbereich bemerkbar machen. Verschiedene Hormone bereiten den Körper auf die kommenden Monate und die Geburt vor. Progesteron sorgt für eine Lockerung des Gewebes und der Muskeln, während Relaxin verstärkt ausgeschüttet wird, um Bänder und Gelenke im Becken flexibler zu machen. Diese Anpassungen sind essenziell, damit der Körper den Geburtskanal für das Kind erweitern kann.
Obwohl die Lockerung des Beckengürtels normal ist, kann dieser Prozess bei manchen Frauen zu erheblichen Beschwerden führen. Durch das Aufweichen der Bänder werden die Gelenke weniger stabil und können sich leichter verschieben. Dies betrifft auch die Symphyse, die vordere Knorpelverbindung zwischen den beiden Beckenhälften, auch Schambeinfuge genannt. Wenn diese Verbindung zu stark geweitet wird oder sich die Beckenknochen verschieben, kann dies starke Schmerzen verursachen.
Die Symptome einer Symphysenlockerung können von leichtem Ziehen bis hin zu starken Schmerzen reichen, die vom Schambeinbereich in die Oberschenkel und den unteren Rücken ausstrahlen. In einigen Fällen kann sogar das Gehen erschwert sein. Zusätzlich drückt das wachsende Baby auf das Becken und kann die Beschwerden verstärken.

Ursachen für Schmerzen nach dem Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft
Schmerzen nach dem Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft können vielfältige Ursachen haben:
Körperliche Ursachen
- Symphysenlockerung: Wie bereits erwähnt, führt die hormonell bedingte Lockerung der Bänder und Gelenke im Becken zu Instabilität. Stöße während des Geschlechtsverkehrs können die Symphyse reizen und Schmerzen verursachen.
- Überbeanspruchung der Bauchmuskulatur: Ähnlich wie nach intensivem Sport können die Bauchmuskeln durch die Bewegungen beim Geschlechtsverkehr überanstrengt werden, was zu ziehenden oder drückenden Schmerzen führt.
- Luft im Bauch: Stoßende Bewegungen können Luft in den Bauchraum pumpen, was zu Blähungen und darauf folgenden Bauchschmerzen führen kann.
- Stoß auf den Muttermund oder die Gebärmutter: Bei tiefem Eindringen kann der Penis den Muttermund oder die Gebärmutter berühren, was zu Reizungen und Schmerzen führen kann, insbesondere wenn die Gebärmutter empfindlicher ist.
- Völlegefühl: Sex nach einer üppigen Mahlzeit oder mit einem stark gefüllten Darm kann zu Magenschmerzen und Verdauungsbeschwerden führen.
- Vaginale Trockenheit und Empfindlichkeit: Hormonelle Veränderungen, insbesondere während der Stillzeit oder bei Einnahme der Pille, können zu Trockenheit und einer erhöhten Empfindlichkeit der Vaginalschleimhaut führen, was Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursacht.
- Muskulärer Hypertonus des Beckenbodens: Ein verspannter und unelastischer Beckenboden, oft eine kompensatorische Reaktion auf eine Schwächung, kann zu Schmerzen führen.
- Narben und Verklebungen: Nach Dammschnitten, Dammrissen oder Kaiserschnitten können Verklebungen im Narbenbereich entstehen, die sich auf den Beckenboden auswirken und Verspannungen sowie Schmerzen verursachen.
- Infektionen: Bakterielle oder pilzbedingte Infektionen können zu Schmerzen und Entzündungen im Genitalbereich führen.
- Dyspareunie: Dies bezeichnet Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und kann verschiedene Ursachen haben, darunter hormonelle Veränderungen, Beckenbodenprobleme oder psychische Faktoren.
- Vulvodynie: Chronische, brennende oder stechende Schmerzen im Bereich der Vulva, die keine erkennbare organische Ursache haben und oft mit einer Überempfindlichkeit der Schmerzfasern oder einem erhöhten Muskeltonus einhergehen.

Psychische Ursachen
- Verkrampfung und Angst: Psychische Anspannung, Unsicherheit oder die Angst vor Schmerzen oder einer Frühgeburt können zu Verspannungen führen, die den Geschlechtsverkehr schmerzhaft machen.
- Psychische Belastung: Veränderungen im Körper und die bevorstehende Geburt können eine psychische Belastung darstellen, die sich auf die Sexualität auswirkt.
Was tun bei Schmerzen nach dem Geschlechtsverkehr?
Die Behandlung von Schmerzen nach dem Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab:
Therapiemöglichkeiten bei Symphysenschmerzen
- Becken- oder Stützgürtel: Ein spezieller elastischer Gürtel kann durch leichte Kompression die Gelenke im Becken stabilisieren und die Belastung auf die Schambeinfuge reduzieren. Diese sind in Apotheken oder Sanitätshäusern erhältlich, oft auch auf Rezept.
- Gezielte Übungen: Gezielte Übungen zur Stärkung der umliegenden Muskulatur, oft im Rahmen einer Physiotherapie, können die Symptome lindern. Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für physiotherapeutische Behandlungen.
- Physiotherapie: Ein individuelles Trainingsprogramm, das von einem Physiotherapeuten erstellt wird, kann helfen, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Belastung des Beckens zu reduzieren.
- Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen kann der Frauenarzt oder die Frauenärztin geeignete Schmerzmittel verschreiben.
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Allgemeine Maßnahmen und Selbsthilfe
- Schonung und Entlastung: Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen, Springen und einbeinige Belastungen. Wenn möglich, reduzieren Sie das Treppensteigen.
- Lagerung: Verwenden Sie Kissen, um beim Schlafen oder Liegen eine bequeme und entlastende Position zu finden, z. B. ein Kissen zwischen den angewinkelten Knien. Beim Umdrehen im Bett die Knie gebeugt und geschlossen halten.
- Vermeiden von Auslösern: Vermeiden Sie Positionen oder Bewegungen, die Schmerzen verursachen. Schneidersitz und Einbeinstand sollten vermieden werden.
- Wärmeanwendung: Eine Wärmflasche auf dem Bauch kann bei Muskelkater oder Krämpfen Linderung verschaffen.
- Blasen- und Darmmanagement: Gehen Sie vor dem Sex auf die Toilette, um Druck auf den Unterleib zu reduzieren.
- Gleitmittel: Bei vaginaler Trockenheit können Gleitmittel auf Wasserbasis Abhilfe schaffen. Auch spezielle Cremes gegen vaginale Trockenheit können vor dem Geschlechtsverkehr angewendet werden.
- Entspannung und Kommunikation: Achten Sie auf Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Offene Kommunikation mit dem Partner über Ängste und Wünsche ist wichtig.
- Sanfte Sportarten: Schwimmen, Wassergymnastik, Beckenbodengymnastik und Nordic Walking sind empfehlenswert, da sie das Becken schonen und die Muskulatur stärken.
Wann zum Arzt?
Wenn die Schmerzen nach dem Geschlechtsverkehr stark sind, anhalten oder mit anderen Symptomen wie Blutungen, Krämpfen oder Fieber einhergehen, ist ein Arztbesuch unerlässlich. Insbesondere bei Verdacht auf Infektionen, Symphysenlockerung, oder wenn die Beschwerden den Alltag stark beeinträchtigen, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Sex während der Schwangerschaft: Sicherheit und Empfehlungen
Grundsätzlich ist Sex während einer unkomplizierten Schwangerschaft erlaubt und kann sogar positive Effekte auf das Wohlbefinden von Mutter und Kind haben. Das Baby ist durch das Fruchtwasser und die Gebärmutterwand gut geschützt und nimmt keinen Schaden durch den Geschlechtsverkehr.
- Schutz vor Infektionen: Um Infektionen vorzubeugen, ist auf gute Hygiene zu achten. In einigen Fällen kann die Verwendung eines Kondoms ratsam sein, insbesondere wenn eine Infektion oder sexuell übertragbare Krankheiten nicht ausgeschlossen werden können.
- Auswirkungen auf Wehen: Sperma enthält Prostaglandine, die in der Spätschwangerschaft den Muttermund weicher machen und Wehen auslösen können. Dies geschieht jedoch nur, wenn der Körper bereits für die Geburt bereit ist. Sex selbst löst in der Regel keine Frühwehen aus.
- Stellungen: Im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft können angepasste Stellungen wie die Seitenlage oder Positionen, bei denen die Frau oben sitzt, angenehmer sein.
- Blutungen nach dem Sex: Leichte Blutungen nach dem Sex können durch die erhöhte Durchblutung des Genitalbereichs und des Muttermundes verursacht werden (Kontaktblutung) und sind meist harmlos. Bei starken oder anhaltenden Blutungen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.
- Hormonelle Veränderungen und Lust: Die Lust auf Sex kann während der Schwangerschaft schwanken. Im zweiten Trimester erleben viele Frauen eine gesteigerte Libido, während im ersten und dritten Trimester Müdigkeit, Übelkeit oder körperliche Beschwerden die Lust beeinträchtigen können.
- Für den Partner: Auch Männer können Ängste bezüglich des Sexuallebens während der Schwangerschaft haben. Offene Kommunikation und Verständnis sind hierbei essenziell.

Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei Unsicherheiten oder Beschwerden stets den behandelnden Frauenarzt oder die Frauenärztin zu konsultieren. Eine offene Kommunikation mit dem medizinischen Fachpersonal ist die Grundlage für eine kompetente Beratung und individuelle Empfehlungen.
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